Else Lasker Schüler Stiftung Verbrannte und verbannte Dichter

Auch, wenn diese Stiftung sich nicht ausschließlich mit der Bücherverbrennung beschäftigt, gehört sie doch in diesen Blog, hat sie doch das Ziel, ein Zentrum für die verbrannten und verfolgten Dichter auf der ganzen Welt einzurichten. Die Idee zu diesem Zentrum entstand auf der Basis von Jürgen Serkes Buch „Die verbrannten Dichter“, das die Auswirkungen der Bücherverbrennung bei auf die Autoren erst bewusst gemacht hat.

Hajo Jahn, der Vorsitzende der Stiftung, war bereit, mir in einem Interview die Hintergründe des Projektes zu erklären.

1. Was ist das Ziel der Else-Lasker-Schüler-Stifung Verbrannte und verbannte Dichter?
Die ELS-Gesellschaft war die erste deutsche Literaturvereinigung, die sich mit umfangreichen Programmen in Israel (Jerusalem und später Tel Aviv), Polen (Breslau,), Tschechien (Prag) ,der Schweiz (Zürich), Italien (Catania) und zuletzt in Österreich (Wien) vorstellte.
Ein besonders wichtiges Anliegen – bis zu seinem Tod engagiert unterstützt von unseren Mitgliedern Ignatz Bubis († 13.8.99), aber auch vom P.E.N – Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland („Exil-PEN“) und dem Verband deutschsprachiger Schriftsteller in Israel – ist das oben erwähnte „Else Lasker-Schüler-Zentrum der verfolgten Künste“, das inzwischen im Kunst-Museum Solingen mit einer Bilder- und einer Literatursammlung Gestalt angenommen hat: Als nationale Einrichtung gegen die „Universalität des Vergessens“, gegen Neofaschismus, Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Intoleranz mit den Themen Bücherverbrennung, Verbot und Zensur von Büchern, Unfreiheit der Kunst (auch in der DDR), Emigration: Mehr als 2.500 deutschsprachige Autoren mussten während der NS-Diktatur ins Exil flüchten.
Das „Zentrum für Verfolgte Künste“ ist virtuell im Internet (www.exil-zentrum.de mit der pädagogischen Website http://www.exil-club.de und ca. 1.700 Biografien einst und aktuell verfolger Persönlichkeiten unter http://www.exil-archiv.de) und real unter dem Dach des Kunstmuseums Solingen entstanden. Dafür habe ich 1990 die Else Lasker-Schüler-Gesellschaft gegründet. Inzwischen gibt es dort einzigartige Sammlungen zum Thema: Die Exil-„Literatursammlung Jürgen Serke“, die „Sammlung Dr. Gerhard Schneider“ mit Bildern verfemter Maler, Exilbriefe von Thomas Mann und 23 Originalzeichnungen von Else Lasker-Schüler. Die malende Dichterin ist gleichsam das Scharnier zwischen verfolgter bildender Kunst und der Literatur. Ihren Traum, Filme bei der UFA zu machen, konnte sie nicht realisieren. Von den rund 280 Komponisten, die die Lyrik der Avantgardistin des Expressionismus vertont haben, war Paul Hindemith der bekannteste. Auch er musste ins Exil.

2. Wie lange arbeitet die Stiftung schon daran, ihr Ziel zu realisieren und wie weit sind Sie gekommen?
Ich habe als Berliner in Wuppertal die ELS-Gesellschaft im November 1990 gegründet, weil nur ein gemeinnütziger Verein Spendenbescheinigungen ausstellen kann. Ursprünglich hatte ich gedacht, die Bayer AG bewegen zu können, sich finanziell an einem Museum/Zentrum der Verfolgten Künste zu beteiligen, mit dem der global aufgestellte Konzern weltweit hätte werben können. Denn die damaligen „Asylbewerber“ Albert Einstein, Willy Brandt, Billy Wilder, Thomas Mann, Max Ernst, Arnold Schönberg, Gropius etc. haben in jenen Ländern Asyl gefunden, in denen auch Bayer gut aufgestellt ist. Der Farbenhändler Friedrich Bayer stammt aus dem Wuppertal wie die verfolgte Else Lasker-Schüler.
Aber das war naiv gedacht. Man bedeutete mir, dass erst ein e.V. her müsse – siehe oben. Dann gab es lediglich 1.000 (in Worten: Eintausend) DM als Spende.

3. In diesem Jahr jährt sich die Bücherverbrennung unter den Nationalsozialisten zum 80sten Mal. Haben Sie Aktivitäten geplant?
Weil die ersten Bücherverbrennungen im heutigen Nordrhein-Westfalen im vorauseilenden Gehorsam bereits rund sechs Wochen vor der reichsweiten Aktion stattfanden, nämlich am 1. April in Elberfeld und in Barmen (vor dem Rathaus), organisiere ich einige Veranstaltungen wie die am 26. März in der ev. Citykirche Elberfeld mit Vertonungen der „13 Monate“ von Erich Kästner, der ja als einziger Schriftsteller Augenzeuge war, als am 10. Mai 33 auf dem Opernplatz auch seine Bücher verbrannt wurden.
Darüber hinaus halte ich (zum Teil unterschiedliche) Vorträge, etwa in der Stadtbibliotheken Wuppertal und Bochum, im IG Metall-Bildungszentrum Sprockhövel, vor dem Lehrerfortbildungsseminar in Kleve, im Museum Heiligenhaus, in Witten sowie in den NRW-Vertretung Berlin und Brüssel (im Oktober mit Angela Winkler), vor dem Lionsclub in Solingen und wahrscheinlich in der Bibliothek des Landtags NRW in Düsseldorf.

Weitere Informationen, auch zu den Möglichkeiten der Förderung finden Sie auf der Internetseite der Stiftung: http://exil-zentrum.de

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Erich Maria Remarque

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Ausgabe von 1931 (Prophyläen-Verlag)

In meinem Buch erinnere ich auf besondere Weise an diesen Autor und seinen Roman „Im Westen nichts Neues“. Mein Protagonist Bruno Schulze-Möllering versucht Samuel Weizmann zu überreden, ihn ins Kino zu begleiten, weil er dort das Gleiche machen möchte, wie die Nazis bei der Uraufführung des Filmes „Im Westen nichts Neues. Damals sorgten Nazis für Störungen während des Films, u. a. haben sie mit weißen Mäusen die Zuschauer in Aufruhr versetzt.

Als Goebbels über einen Film die Machtfrage stellte (Artikel in der WELT vom 5. 12. 2010)

Erich Maria Remarque wurde am 22. Juni 1898 als Erich Paul Remark in Osnabrück geboren und starb am 25. September 1970 in Locarno. „Im Westen nichts Neues“ ist sein bekanntester Roman, der schon vor der Machtübernahme der Nazis erschienen ist und in Hollywood verfilmt wurde. Zum Kriegsgegner wurde Remarque aufgrund seiner eigenen Erfahrungen im ersten Weltkrieg. Remarque war unter anderem als Redakteur und Schriftsteller für Zeitungen tätig, „Im Westen nichts Neues“ erschien zunächst als Fortsetzungsroman, ehe die Geschichte 1928 als Buch erschien. Den Nazis waren Roman und Autor schon vor der Machtübernahme ein Dorn im Auge, wo immer möglich, wurde gegen ihn gehetzt, was Remarque veranlasste, am 31. Januar 1933 in die Schweiz überzusiedeln. Dass sein Name in den Feuersprüchen auftaucht, ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich, dort hieß es:

„Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, Für Erziehung des Volkes im Geist der Wahrhaftigkeit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Erich Maria Remarque.“

Während des Krieges lebte Remarque zeitweise in den USA, wo er aufgrund von „Im Westen nichts Neues“ und späterer Romane hohes Ansehen genoss. Nach dem Krieg lebte er zeitweise in den USA und in der Schweiz, nach Deutschland kehrte er nicht mehr zurück.

Auswahl seiner Werke:

  • 1920 Die Traumbude
  • 1921 Der Weg zurück
  • 1928 Im Westen nichts Neues
  • 1946 Arc de Triomphe
  • 1952 Der Funke Leben

Erich Maria Remarque Gesellschaft
Porträt Remarques

Kurt Tucholsky

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Ausgabe von 1929
(Ernst Rowohlt Verlag)

Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 in Berlin geboren, er war in der Weimarer Republik einer der angesagten Journalisten und Schriftsteller. Vor allem als Redakteur der Weltbühne, bei der er zeitweise auch als Herausgeber fungierte, hat er kein Blatt vor den Mund genommen und Kritik an der Gesellschaft geübt. Unter seinem Namen und den Pseudonymen Ignaz Wrobel, Peter Panter, Kaspar Hauser und Theobald Tiger nahm er alles unter die Lupe, was sich in seiner Zeit tat. Auch vor den Nationalsozialisten und ihren Ideen machte er nicht halt und erschrieb sich so einen Platz in den Feuersprüchen. Mit dem Ruf

„Gegen Frechheit und Anmaßung, Für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzky!“

wurden seine Werke am 10. Mai 1933 verbrannt.

Schon 1912 machte er als Schriftsteller mit „Rheinsberg“ von sich reden, seine letzte längere Arbeit „Schloss Gripsholm“ erschien 1931 im Rowohlt-Verlag. Tucholsky war, was viele nicht wissen, Jurist. Er hat sein Studium mit der Promotion abgeschlossen, allerdings schon während des Studiums als Literatur- und Theaterkritiker gearbeitet. Kurz nach Abschluss des Studiums wurde er als Soldat eingezogen, während des Krieges gab er die Zeitschrift „Der Flieger“ heraus und knüpfte nach dem Krieg an seine frühere journalistische Laufbahn an.

Tucholsky starb am 21. Dezember 1935 im Exil in Schweden, wohin er bereits 1929 emigriert war.

Auswahl der Werke:

  • 1912 Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte.
  • 1914 Die Zeitsparer
  • 1928 Mit 5 PS
  • 1931 Schloss Gripsholm

Leben & Werk
Werke im Projekt Gutenberg

Kurt Tucholsky Gesellschaft

„Verbrannte Bücher – verfemte Komponisten“ (CD)

Für all jene, die sich schnell einen Eindruck verschaffen möchten, welche Werke die Nationalsozialisten verbrannten und verboten, eignet sich die wunderbare CD „Verbrannte Bücher – verfemte Komponisten“.

Iris Berben liest hier Texte verfolgter Autoren wie Bertolt Brecht, Stefan Zweig, Irmgard Keun und Kurt Tucholsky und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim spielt vergessene Stücke von Karl Amadeus Hartmann, Max Bruch und Ernst Křenek.

Daneben sind Auszüge aus den Feuersprüchen zu hören, was der CD zusätzlich eine Eindringlichkeit verleiht, die schon Iris Berben und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim durch ihre eindrucksvollen Darbietungen vermitteln. Eine CD, die mehr ist als ein Hörbuch, weil sie Geschichte lebendig macht.

Die CD ist aus einem Lesungsprojekt entstanden, mit dem Iris Berben noch immer gelegentlich auftritt, also Augen auf. Aktuelle Termine habe ich im Internet nicht gefunden.

 Trailer zur Lesung auf YouTube
Auszug aus der Lesung auf You Tube