Heike Ballers literarische Vorträge „Verbrannte Bücher“

In Köln und Umgebung wird es rund um den 10. Mai einige literarische Vorträge von Heike Baller geben. Heike Baller hat Germanistik, Geschichte und Musikwissenschaften studiert und ist seit den 90er Jahren selbstständige Rechercheurin.

Mich hat interessiert, was hinter ihrem Projekt steckt und sie war bereit, mir in einem kurzen Interview ihre Beweggründe zu erläutern:

Was genau planen Sie zum Gedenken der Bücherverbrennung 1933?
Ich habe aus einigen weniger bekannten Büchern, die 1933 im Feuer gelandet sind, eine Lesung zusammengestellt, um zu zeigen, wie unterschiedlich die Literatur war, die den Nazis nicht passte. Die Gründe waren ja auch unterschiedliche, mal inhaltliche, mal in der Herkunft der Autorinnen begründet. Da waren echte Bestseller aus den 20ern dabei (über Mann und Zweig usw. hinaus).

Wo und wann findet die Aktion statt?
Bisher habe ich drei Lesungstermine im ersten Halbjahr in Köln und Umgebung: am 29.4. um 20 Uhr im Café Goldmund in Köln-Ehrenfeld, am 10.5. im Literaturcafé Zettel’s Traum in Leverkusen-Opladen und am 13.5. um 19:30 Uhr in der Buchhandlung Baudach in Köln-Dellbrück. Außerdem lese ich noch einmal in einem Literaturzirkel in Köln-Weiß. Im Herbst hatte ich sogar schon einen Termin in Leverkusen-Steinbüchel.

Wie kamen Sie auf die Idee, diese Aktion zu initiieren?
Die Idee ist schon etwas älter – vor zwei oder drei Jahren wurde ich auf „Das Buch der verbrannten Bücher“ von Volker Weidermann aufmerksam und habe für eine Veranstaltung beim katholischen Bildungswerk einige der darin genannten Titel besorgt und zu einer kleinen Lesung zusamengestellt. Der Jahrestag 2013 war Anlass, das Ganze etwas mehr auszuarbeiten.

Was sollte man über Sie als Initiator/Veranstalter wissen?
Ich bin Rechercheurin, d. h. ich suche für Menschen, die dafür keine Zeit haben, Informationen, meist Literaturangaben, und stelle sie ihnen zur Verfügung. Von Hause aus bin ich Germanistin und Historikerin und habe im letzten Jahr angefangen, auch auf literarischem Gebiet zu arbeiten, mit verschiedenen Lesungsthemen, mit der Leitung von Literaturkreisen und Rezensionen auf meinem Blog.

Wo können sich Interessierte über die Aktion informieren?
Informationen zu meinen Lesungen gibt es auf der Seite www.koelner-leselust.de

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Gina Kaus

Gina Kaus, geboren am 21. Oktober 1893 als Regina Wiener, wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Wien auf, schon mit 20 heiratet sie das erste Mal und folgt ihrem Mann von Wien nach Breslau. Nach seinem Tod im ersten Weltkrieg zog sie zurück nach Wien und begann zu schreiben, unter anderem unter dem Pseudonym Andreas Eckbrecht. Ihre Komödie „Diebe im Haus“ wurde schon 1917 am Wiener Burgtheater uraufgeführt. Für ihre Erzählung „Der Aufstieg“ erhielt sie 1921 den Theodor-Fontane-Preis. Der richtige Durchbruch gelang ihr 1932 mit dem Bestseller „Die Überfahrt“, der Roman „Katharina die Große“ hielt sich in den USA 1935 sogar zwei Monate auf der Bestsellerliste. Gina Kaus Engagement gilt der Rolle und Aufgabe der Frau, 1924 gründet sie die Frauenzeitschrift „Die Mutter“, die beeinflusst von den Ideen Alfred Adlers vor allem Informationen über die Psyche des Kindes vermittelten. Die Resonanz auf die Zeitschrift war so groß, dass Gina Kaus eine Frauenberatungsstelle ins Leben rief und hilfesuchende Frauen persönlich beriet. Auch in ihren Werken spiegelt sich ihr Engagement wieder, Hauptfiguren sind selbstbewusste, ehrgeizige und überlegene Frauen, sodass es aus heutiger Sicht nicht wundert, dass die Nationalsozialisten ihre Bücher ablehnten und 1933 verbrannten. Bereits 1933 hat die damals bekannte und beliebte Schriftstellerin Deutschland verlassen, zunächst zog sie nach Österreich und Frankreich und bei Kriegsbeginn in die USA. Nach dem Krieg machte sie einige Versuche, wieder in Berlin und Wien zu leben, ehe sie sich schließlich endgültig in den USA niederließ. Nach ihrer Emigration aus Deutschland schrieb sie vor allem Drehbücher, erschienen ist von ihr lediglich noch die Biographie „Und was für ein Leben“. Am 23. Dezember 1985 starb sie in Los Angeles.

Geschrieben hat sie zum Beispiel:

  • 1919 Diebe im Haus (als Andreas Eckbrecht!), Komödie
  • 1920 Der Aufstieg, Novelle
  • 1925 Das verwunschene Land, Roman, und Der lächerliche Dritte, Komödie
  • 1926 Im Haus der Tugend, Komödie
  • 1927 Toni. Eine Schulmädchen-Komödie in zehn Bildern
  • 1928 Die Verliebten, Roman
  • 1921 Die Brautnacht
  • 1932 Morgen um Neun und Die Überfahrt, Romane
  • 1933 Die Schwestern Kleh, Roman

Wikipedia-Artikel über Gina Kaus

Stefan Zweig

stefanzweig

Ausgabe von 1932
(Insel-Verlag)

Heute jährt sich der Geburtstag (28. November 1881) von Stefan Zweig, dessen Bücher bei der Bücherverbrennung verbrannt wurden.

In meinem Roman kommt sein Buch „Brennendes Geheimnis“ vor, als Buch, das Samuel heimlich liest, und als Film mit Klaus Maria Brandauer, an den Karina sich erinnert. (Im Projekt Gutenberg als E-Book zu lesen.)

Stefan Zweig war einer der jüdischen Schriftsteller, die schon vor 1933 viele heute noch bekannte Werke veröffentlicht haben. Viele davon mit einem historischen Bezug wie „Marie Antoinette“ oder „Joseph Fouché“. Seine Bücher standen von Beginn an auf der Schwarzen Liste. Schon bald nach der Machtergreifung war er in seinem Heimatland Österreich nicht mehr sicher. Er emigrierte im Februar 1934 nach London und nahm nach Kriegsausbruch sogar die britische Staatsbürgerschaft an. Allerdings fühlte er sich in Großbritannien nicht sicher und zog weiter nach Amerika. Von dort aus siedelte er nach Brasilien über, wo er am 23. Februar 1942 Selbstmord beging.

Zu seinen Werken zählen u. a.

  • „Brennendes Geheimnis“ (1911)
  • „Der Zwang“ (1920)
  • „Romain Rolland“ (1921)
  • „Joseph Fouché“ (1929)
  • „Marie Antoinette“ (1932)
  • „Maria Stuart“ (1935)
  • „Schachnovelle“ (1942)
  • „Sternstunden der Menschheit“ (erste Ausgabe 1927), mein persönliches Lieblingswerk, das ich immer wieder lese.

Internetseite über Stefan Zweig sein Leben und Werk

Upton Sinclair

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Upton Sinclair „Petroleum“
Ausgabe von 1931 (Malik-Verlag)

Ja, auch amerikanische Autoren standen auf der Liste der zu verbrennenden Bücher, zum Beispiel Upton Sinclair, der am 20. September 1878 in Baltimore/Mayland geboren wurde und am 25. November 1968 in Bound Brook/New Jersey starb. Sinclair gehört zu den wenigen Schriftstellern, die versucht haben, ihre sozialkritischen Ansichten in politischen Ämtern zu verwirklichen. Er kandidierte mehrmals für politische Positionen, allerdings immer ohne Erfolg. Dafür war er umso erfolgreicher mit seinen Romanen, von denen „Boston“, „Jimmy Higgins“, „100 %“, „Petroleum“ und „Sumpf“ auf der schwarzen Liste explizit erwähnt wurden. Immerhin führte die Novelle „Der Sumpf“ zu einem „politischen“ Ergebnis, es wurden auf das Buch hin die Arbeitsbedingungen in amerikanischen Schlachthöfen überprüft. 1943 erhielt Sinclair den Pulitzer-Preis, 10 Jahre, nachdem sein Werk in Deutschland aus Bibliotheken entfernt und den Flammen übergeben wurde.
Seine Werke unter anderem:
1901 Springtime and Harvest, Novelle (dt. König Midas, 1922)
1905 The Jungle (dt. Der Sumpf, 1906)
1915 The Cry for Justice
1917 King Coal
1918 The Profits of Religion
1920 The Brass Check (dt. Der Sündenlohn 1928)
1923 The Goosestep
1928 Boston
Wikipedia-Artikel zu Leben und Werk
Wikipedia-Artikel über sein Werk „Dschungel“ / „Der Sumpf“

Werner Hegemann

„Gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten, Für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Emil Ludwig und Werner Hegemann.“ Mit diesen Worten wurden die Veröffentlichungen des Architekten und linksliberalen Schriftstellers am 10. Mai 1933 den Flammen übergeben.

Werner Hegemann war nicht nur Schriftsteller, er war auch ein namhafter Stadtplaner und Architekturkritiker, der besonders in der Weimarer Republik von sich reden machte. Geboren am 15. Juni 1881 in Mannheim war er aus familiären Gründen schon früh viel in der Welt unterwegs, was sich auch auf seine Sicht auf die Stadtplanung auswirkte. Doch zunächst studierte er Nationolökonomie, zu seinem Schwerpunktthema Stadtplanung kam er durch Erfahrungen und Kontakte vor allem mit Städtebauern in den USA.

Es waren jedoch nicht seine architekturkritischen Schriften, die es den nationalsozialistisch gesinnten Autoren der Feuersprüche angetan hatten, sondern seine sozialkritischen Bücher. Er kritisierte die fehlende Zukunftsorientierung der Deutschen, die starke Rückwärtsgewandtheit und schrieb dies unter dem Pseudonym Manfred Maria Ellis auch nieder. Durch seinen teilweise satirischen Stil und seine Art, historische Zusammenhänge belletristisch aufzubereiten, zog er sich zunächst die Kritik der Historiker zu, schon lange, ehe die Nationalsozialisten seine Literatur ablehnten und ihn als „Geschichtsverfälscher“ einstuften. Das erlebte er schon nicht mehr in Deutschland mit, weil er auf den Rat seines Verlegers hin bereits im Februar 1933 emigrierte und die Entwicklung in Deutschland zunächst aus der Schweiz und später aus den USA beobachtete. Er starb am 12. April 1936.

Werke u. a.

Fridericus oder Das Königsopfer. Neue, erw. Auflage. Verlag Hegner, Hellerau 1926.
Napoleon oder „Kniefall vor dem Heros“. Verlag Hegner, Hellerau 1927.

Biografie

Adrienne Thomas

Adrienne Thomas, eigentlich Hertha Adrienne Strauch bzw. Deutsch und Lesser nach ihren zwei Hochzeiten, wurde am 24. Juni 1897 in St. Avold in Lothringen als Tochter eines Kaufmanns geboren. Während des ersten Weltkriegs arbeitete sie als Rotkreuzschwester, was sie in ihrem ersten Roman „Katrin wird Soldat“ verarbeitete, der 1930 erschien. Zum Schreiben kam sie nach einer Gesangs- und Schauspielausbildung. Durch den Antrikriegsroman „Katrin wird Soldat“, der in über zehn Sprachen übersetzt wurde, wurde sie quasi über Nacht berühmt und arbeitet danach vor allem als Journalistin und schrieb auch unter dem Pseudonym Erika Theobald. Nach ihrer Emigration, die sie u.a. in ein Internierungslager in Frankreich und dann in die USA führte, kehrte Adrienne Thomas 1947 nach Wien zurück. Bis Mitte der 50er-Jahre erschienen einige Werke von ihr, die Berühmtheit wie vor dem Nationalsozialismus hat sie jedoch nie wieder erreicht. Sie starb am 7. November 1980 in Wien.

Informationen über Leben und Werk

Kurze Biografie

Die FAZ über „Katrin wird Soldat“

Eugen Gottlob Winkler

Eugen Gottlob Winkler, geboren am 1. Mai 1912 in Zürich, wuchs in Stuttgart auf und studierte Germanistik, Romanistik und Kunstgeschichte, in München, Paris, Tübingen und Köln. Er schrieb Kritiken und Essays, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen und sich ohne einen bürgerlichen Beruf dem literarischen Schaffen zu widmen, 1933 erschien seine Anthologie „Die Erkundung der Linie.“ Obwohl er 1933 einige Tage eingesperrt wurde, weil man ihn beschuldigte, dass er ein Wahlplakat der NSDAP beschädigt zu haben, veröffentlichte er bis 1936 noch in verschiedenen Zeitschriften, z.B. „Das Deutsche Wort“, „Deutsche Zeitschrift“, „Bücherwurm“, Neue Rundschau“. Als Todesdatum wird sowohl der 26. als auch der 28. Oktober 1936 angegeben. Er starb in München.

Information über Leben und Werk http://www.literaturportal-bayern.de/autorenlexikon?task=lpbauthor.default&pnd=118807536

Erinnerung zum 100sten Geburtstag http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.erinnerung-an-eugen-gottlob-winkler-dandy-und-rebell-in-finsteren-zeiten.792db20e-8f8f-470b-bc46-19b9896d603f.html

Theodor Wolff

Theodor Wolff, am 2. August 1868 in Berlin geboren, ist denjenigen, die seinen Namen kennen, vor allem als politischer Journalist bekannt, nach einer kurzen Station als Literatur- und Theaterkritiker am „Berliner Tageblatt“ übernahm er dort 1906 die Chefredaktion, die er bis 1933 inne hatte.
Dass er 1889 bereits die Freie Bühne Berlin mitbegründete ist wenigen bekannt, eher schon, dass er 1918 einer der Initiatoren der Deutschen Demokratischen Partei war. Da er auch noch jüdischer Abstammung war, gab es für die Nationalsozialisten Grund genug ihn schon früh mit ihrer antisemitischen Hetze zu überziehen. Bereits 1933 floh er über Zürich nach Nizza, wurde aber 1943 ins Konzentrationslager Oranienburg verschleppt. An den Folgen dieses Aufenthaltes starb er noch im gleichen Jahr, am 23. September, im israelitischen Krankenhaus in Berlin.
Seine Werke:
1892 Der Untergang
1895 Niemand weiß es, Märchenspiel
1898 Die Königin, Märchenspiel
1908 Pariser Tagebuch
1909 Spaziergänge
1924 Das Vorspiel