Bücherverbrennung in Münster

Die Studenten Münsters gehörten zu jenen, die die Vorgaben aus Berlin besonders sorgfältig umsetzten. So stellten sie auf dem Domplatz unter den Augen zahlreicher Zuschauer am 6. Mai einen Schandpfahl auf. Die Bücherverbrennung fand wie angeordnet am 10. Mai 1933 statt, vom Domplatz aus zog ein Fackelzug mit einem Wagen voller zu verbrennender Bücher über den Prinzipalmarkt und durch den Bispinghof zum Hindenburgplatz, wo er von einem Publikum erwartet wurde, zu dem auch viele Partei-Funktionäre und Mitglieder des Lehrkörpers gehörten. Nach der Begrüßungsrede des Leiters des „Kampfbundes“, Roloff, und der Hauptrede des Osnabrücker Professors Kötteritz wurde der Scheiterhaufen entzündet. Dabei sangen die Teilnehmer das Deutschlandlied, ehe die etwa 1.000 mitgebrachten Bücher zu den Feuersprüchen ins Feuer geworfen wurden. Den Abschluss der Aktion bildeten eine Ansprache von Albert Derichsweiler, dem Vertreter der Studentenschaft, ein Hoch auf Hitler und das Horst-Wessel-Lied.

Artikel über die Bücherverbrennung 1933

Dokumentation zur Enthüllung einer Gedenktafel in Münster

Bücherverbrennung im Münster-Wiki

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26.4.1933 Beginn der Büchersammlung

buechersammlungAls ich damit begann, mich mit der Bücherverbrennung zu beschäftigen, habe ich mich gefragt, woher eigentlich die Bücher kamen. Inzwischen weiß ich natürlich, dass es verschiedene Quellen gab. Vom 26. April bis zum 10. Mai 1933 sammelten Mitglieder der Kampfausschüsse vor Ort in den Bibliotheken und Buchhandlungen die Bücher, die auf der schwarzen Liste standen, die am 26. April versand wurde wurde. Darüber hinaus gab es Sammelstellen, dort konnten Bürger ihre Bücher abgeben.

In Münster, dessen Bücherverbrennung in meinem Roman exemplarisch nachgezeichnet wird, waren neben dem Büro des Kampfausschusses der Rosenhof und die Gaststätte Zander solche Anlaufstellen.

In Münster haben sich auch die Buchhandlungen aktiv an der Aktion beteiligt, in einem Brief an den Kampfausschuss Wider den undeutschen Geist teilten sie am 6. Mai 1933 mit: „Die im Ortsverein der münsterschen Buchhändler zusammengeschlossenen unterzeichneten Mitglieder des Börsenvereins begrüßen lebhaft den von der Studentenschaft der Universität Münster bekundeten Willen, undeutschen Geist in deutschem Schrifttum schärfstens zu bekämpfen.“

Einige Buchhändler haben nachträglich in einem Brief oder in der Zeitung darauf hingewiesen, dass sie sich selbstverständlich auch der Aktion anschließen würden.

Rundfunk im Münsterland

Beim Schreiben meines Romans „Brandbücher“ tauchte die Frage auf, ob meine Protagonisten 1933 schon Radion hören konnten. Dank Internet weiß ich: Ja, sie konnten. Bei der Recherche habe ich gleich einen kleinen Einblick in die Geschichte des Rundfunks bekommen. Bis zum 21. März 1932 gab es in Münster nämlich eine Sendeanlage für den Rundfunk, die zugunsten des Sendemasten Langenberg abgeschaltet wurde. Rund 10.000 Hörer nahmen das zum Anlass, um ihre Empfangsgeräte abzumelden.

Es ist also durchaus möglich, dass meine Protagonistin gelegentlich Radio gehört hat, wenn auch nicht über den Sender Münster, sondern über Langenberg.

WDR-Geschichte

Comedian Harmonists

Am 13. Januar 1933 gaben die Comedian Harmonists ein Konzert in der Stadthalle in Münster, fünf Jahre nach ihrer allerersten gemeinsamen Probe am 16. Januar 1928. Ich konnte keinen Roman über die Anfänge des dritten Reichs ohne sie schreiben. Für mich ein Teil der Musikgeschichte, der durch die Nationalsozialisten zerstört wurde. So lasse ich Katharina von den jungen Männern schwärmen und Karina das Lied „Der kleine grüne Kaktus“ im Radio hören.

Die Comedian Harmonists waren quasi die erste Boygroup, die 1927 von Harry Frommermann initiiert wurde. Trotz einiger Klippen vor dem ersten Auftritt am 28. September 1928 hatte das Sextett in der Folgezeit einen großen Erfolg. Sogar im Ausland wurden Robert Biberti, Erwin Bootz, Roman Cycowski, Harry Frommermann, Ari Leschnikoff, Walter Nußbaum (später ersetzt durch Erich Collin) bejubelt. Als Hitler an die Macht kam, änderte sich die Situation, weil drei der Ensemble-Mitglieder Juden waren. Auftritte wurden abgesagt, es gab ein offizielles Auftritts-Verbot und schließlich brach die Gruppe 1935  auseinander.

Der kleine grüne Kaktus
Zum Film „Comedian Harmonists“

 

Bücherverbrennungen in Westfalen

Im Internet-Portal „Westfälische Geschichte“ findet sich eine ausführliche Darstellung über die Bücherverbrennungen in Westfalen. Besonders interessant sind die vielen Links zu Zeitungsartikeln und Fotos über die Veranstaltungen in:
Münster
Dortmund
Bochum
Gladbeck

http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/input_felder/langDatensatz_ebene4.php?urlID=616&url_tabelle=tab_websegmente