Mahnmal zur Bücherverbrennung in Berlin

bv-foto1bkGestern fand ich zufällig in meinem Foto-Ordner aus der vordigitalen Zeit Fotos vom Mahnmal zur Bücherverbrennung in Berlin. Natürlich wollte ich mehr über das Mahnmal wissen, das sich am heutigen Bebelplatz befindet und an die Bücherverbrennung auf dem damaligen Kaiser-Franz-Josef-Platz erinnert. Das Mahnmal ist in den Bebelplatz eingelassen, durch eine Scheibe kann man in eine leere Bibliothek blicken. 20.000 Bücher würden in den weißen Regalen Platz finden, leere Regale die zeigen, was durch die Bücherverbrennung NICHT mehr ist.

bv-foto1ckEine geniale Idee, finde ich, die der israelische Künstler Michael Ullman da hatte. Seit Mai 1995 existiert das Mahnmal, ich habe es im Juni 2001 angesehen, so lange beschäftige ich mich schon mit dem Thema Bücherverbrennung.

Mir kommt es so vor, als hätte ich gerade erst dort gestanden und in die leeren Regale geschaut. Aber bis zum 10. Mai war das wohl nicht so gut möglich wie 2001, weil die Scheibe zerkratzt war. Seit dem 10. Mai ist wieder eine klare Sicht möglich. Bleibt nur die Frage, was aus den Plänen geworden ist, unter dem Bebelplatz ein Parkaus zu errichten. Ich erinnere mich, dass das diskutiert wurde und habe nun auch die Informationen darüber gefunden. Das Parkhaus wurde – wenn ich die Berichte richtig verstanden habe – um das Denkmal errichtet. Es wird Zeit, dass ich wieder einmal nach Berlin fahre, um das zu überprüfen.

Bericht über die Erneuerung der Glasplatte 2013

Artikel in Wikipedia über das Denkmal

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Bonner Mahnmal zur Bücherverbrennung

In manchen Städten muss man einen langen Atem und viel Platz im Regal haben, um an die Bücherverbrennung 1933 zu erinnern. Zu diesen Städten gehört Bonn, eine Stadt, zu der ich eine besondere Beziehung habe, immerhin habe ich hier studiert und sehr gerne gelebt. Damals war Bonn noch Hauptstadt, mir hat es immer gut gefallen, wie einem dies überall begegnet ist. Da saß man schon mal neben einem Politiker im Kino oder stolperte in einer Nebenstraße über die Botschaft eines Landes, das einem nicht einmal im Erdkunde-Unterricht begegnet war.

Diese Stadt wird nun auch ein Mahnmal zur Bücherverbrennung bekommen.80 Jahre, nachdem die Studenten und die Professorenschaft genüsslich Werke von Tucholsky, Kästner und anderen unbequemen Autoren verbrannt hat.

Einer derjenigen, die sich vom ersten Tag an für dieses Mahnmal engagiert hat, ist Wolfgang H. Deuling, der sich zeit seines Lebens für die Erinnerung an die schandvolle Zeit engagiert hat. Vor vier Jahren begann er mit seinem Kampf für das Mahnmal, das ihn viel Nerven, Papier und vielleicht sogar ein paar graue Haare gekostet hat. 6.000 Din-A-4-Blätter umfassen seine schriftlichen Unterlagen über das Projekt, die Stunden und Gespräche, die er eingebracht hat, kann er kaum beziffern. „Ich glaube, in den letzten vier Jahren ist kein Tag vergangen, an dem ich nicht irgendetwas zu dem Mahnmal gedacht, gesagt oder geschrieben habe“, erklärt er.

Nun ist er am Ziel. Am 10. Mai wird das Denkmal eingeweiht, doch schon ziehen wieder Gewitterwolken auf, die zeigen, wie schwer es war, das Projekt zu realisieren. Nun streitet man sich darüber, wo und wie die Einweihung erfolgt. Ich habe mir den Termin notiert, auch wenn ich noch nicht weiß, ob ich als Nicht-Bonnerin und Nicht-Politikerin überhaupt eine Chance haben werde, an dem Event teilzunehmen. Sonst werde ich eben mit meiner Kamera über den Markt spazieren, mir vorstellen, wie an jener Stelle die Bücher verbrannt wurden und wie Bonner Bürger es geschafft haben, dieses Mahnmal trotz finanzieller und ideeller Widerstände zu realisieren.

Artikel im Generalanzeiger