Bücherverbrennung in Pforzheim

Die Berichte über die studentischen Bücherverbrennungen haben auch die Pforzheimer angeregt, mit einer ähnlichen Aktion ihren Willen zur deutschen Kultur zu dokumentieren. Federführend war dabei die Hitlerjugend, allerdings wird vermutet, dass der Gauleiter Kemper im Hintergrund die Fäden zog und die Aktion initiierte.

Aber auch der Bund deutscher Mädchen hatte einen Anteil an der Veranstaltung am 17. Juni 1933 auf dem Marktplatz. Der BDM leitete mit einem Sprechchor die Veranstaltung ein, sie riefen „undeutsche Schrift, verbrenn“, ferner spielte eine SA-Kapelle für die Zuschauer, unter denen sich auch Funktionäre der Partei und Vertreter der Stadt befanden. In das Feuer kamen vor allem Heftchen und Bücher, die Bevölkerung ließ bei der Haussammlung die Bücher im Regal und kramte Kleinigkeiten hervor, um sich zu beteiligen. Dass die Pforzheimer nicht so richtig hinter dem Ganzen standen, zeigen Augenzeugenberichte, nach denen einige Zuschauer am Ende der Veranstaltung Heftchen und Bücher, die nicht verbrannt waren, vom Scheiterhaufen klaubten.

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Bücherverbrennung in Rendsburg

Über die Verbrennung in Rendsburg ist wenig bekannt, Presseberichte dokumentieren, dass am 9. Oktober 1933 auf dem Paradeplatz eine Bücherverbrennung stattgefunden hat. Auf dem Platz fanden sich neben den Zuschauern und den Initiatoren vom Kampfbund für deutsche Kultur Vertreter von SA, SS, Stahlhelm, Hitlerjugend und BDM ein, ein Spielmannzug und der Rendsburger Posaunenchor sorgten für die musikalische Untermalung. Mit einer Ansprache leitete der Ortsgruppenleiter des Kampfbundes Hans von Essen die Zeremonie ein, der Leiter der Fachschaft Schrifttum und Wissenschaft, Rektor Paul Friedrich Juels, hielt danach die Feuerrede, ehe die Bücher verbrannt wurden. Wie bei dem großen Vorbild, der studentischen Bücherverbrennung, endete auch die Rendsburger Veranstaltung mit dem Horst-Wessel-Lied.

Bücherverbrennung in Niedergrunstedt bei Weimar

Im Rahmen der Sonnenwendfeier gab es in Niedergrunstedt am 21 Juni 1933 eine Bücherverbrennung, die vom Deutschen Handlungshilfen-Verband initiiert wurde. Die Organisatoren orientierten sich an den Vorgaben der Studentenschaft für die studentischen Bücherverbrennungen. Auf der Höhe wurden nationalsozialistische Lieder gesungen, es gab Reden und Gedichtvorträge und vor allem wurden die Bücher ins Feuer geworfen.

Bertha von Suttner

Heute vor 170 Jahren wurde Bertha von Suttner geboren, deren Bücher 1933 in den Flammen der Scheiterhaufen verbrannten.

Bertha von Suttner kam am 9. Juni 1843 in Prag als Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau zur Welt und starb am 21. Juni 1914 in Wien.

Schon früh engagierte sich die Pazifistin und Schriftstellerin für den Frieden, was ihr 1905 als erste Frau überhaupt den Nobelpreis einbrachte.

Auch, wenn der Adelstitel es vermuten lässt, war das Leben der Bertha von Suttner nicht immer einfach. Zwar stammte sie aus einer vermögenden Familie, doch verspielte ihre Mutter das Erbe ihres Mannes, sodass Bertha eine Stelle als Gouvernante annehmen musste.

Als sie mit ihrem Mann für viele Jahre in den Kaukasis zog und die dortigen Verhältnisse kennen lernte, begann sie journalistische Artikel zu schreiben, die unter dem Pseudonym B. Oulot veröffentlicht wurden. Die Erfahrungen im Kaukasus lösten ein Engagement für den Frieden und eine friedliche Gesellschaft aus, das bis zu ihrem Tod anhielt. Mit Artikeln und Geschichten, Reden und der Teilnahme an Demonstrationen, politischen Interventionen und nicht zuletzt mit ihrem Roman „Die Waffen nieder!“ versuchte sie aufzuzeigen, dass nur eine friedliche Gesellschaft eine Zukunft hat.

Eine Auswahl ihrer Werke:

  • 1885 Ein schlechter Mensch
  • 1889 Das Maschinenzeitalter
  • 1889 Die Waffen nieder

Informationen zur Verleihung des Friedensnobelpreises an Bertha von Suttner
Ihre Werke im Internet

Bertha von Suttner-Stiftung

Ex-Minister Initiator der Bücherverbrennung

Um es vorweg zu sagen: Mein Roman „Brandbücher“ ist, abgesehen von der Bücherverbrennung in Münster, frei erfunden. Aber ich lasse die Folgen der Bücherverbrennung bis in die heutige Zeit reichen. Ich war mir sicher, dass es viele solcher heimlichen Spuren gibt, die nicht aufgedeckt werden.

Umso mehr freut mich, dass solche Verbindungen in dem Fall des ehemaligen schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Hermann Böhrnsen aufgedeckt wurden. Er war nach Ansicht der Rendsburger Stadtarchivarin 1933 einer der Initiatoren für die Bücherverbrennung in Rendsburg, wie sich erst anlässlich der Recherchen zum Gedenktag der Bücheverbrennung zeigte. Daraufhin wurde im Rendsburger Nordkolleg , in dem ein Haus nach dem ehemaligen Minister benannt worden war, sofort reagiert und der Name wurde gestrichen.

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Ausstellung in Heiligenhaus

In Heiligenhaus findet vom 9. Juni bis zum 28. Juli im Museum Abtsküche eine Ausstellung zum Thema Bücherverbrennung statt. Unter dem Titel „Aus dem Feuer – Die Bücher der verbrannten Dichter“ hat Museumskustos Reinhard Schneider Informationstafeln und Buch-Exponate zusammengetragen und für die Präsentation aufbereitet.

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Bücherverbrennung in Schwerin

Am 4. Juni 1933, dem Abend des Pfingstsonntags, gab es zum Auftakt eines Heimattreffens in Schwerin eine Bücherverbrennung auf dem Pfaffenteich. Die Bücher, die über Wochen gesammelt worden waren, befanden sich auf einem Floß mitten im Teich. Um 22.15 Uhr wurde die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet und der Bücherstapel angezündet. Der Schauspieler Arno Hoß und der NSDAP-Kreisleiter Friedrich Steinfatt erläuterten in Ansprachen die Bedeutung der Bücherverbrennung für die Wahrung des deutschen Geistes. Zum Abschluss wurden wie bei den studentischen Veranstaltungen das Horst-Wessel- und das Deutschlandlied gesungen.

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Anna Seghers

Heute vor 30 Jahren starb Anna Seghers, deren Bücher vor 80 Jahren bei den Bücherverbrennungen ebenfalls ein Opfer der Flammen wurden.
Anna Seghers wurde am 19. November 1900 als Netty Reiling geboren, sie studierte in Heidelberg und promovierte 1924 über das Thema „Jude und Judentum im Werk Rembrandts“. Kurz danach erscheinen ihre ersten Erzählungen in Zeitungen und der erste Roman „Aufstand der Fischer von Sankt Barbara“. 1928 wird Anna Seghers Mitglied der KPD, als Hitler 1933 an die Macht kommt, verlässt sie Deutschland und flieht zunächst  in die Schweiz, ehe sie sich in Paris niederlässt. Als die Nationalsozialisten in Frankreich einmarschieren gelingt ihr nach einem gescheiterten Versucht die Flucht nach Südamerika, wo sie die Jahre bis zum Ende des Krieges verbringt. 1947 kehrt Anna Seghers nach Deutschland zurück, bis zu ihrem Tod am 1. Juni 1983 lebt sie in Ost-Berlin und ist zeitweise Präsidenten des Schriftstellerverbandes der DDR.

Werke unter anderem:

  • 1928 Aufstand der Fischer von St. Barbara.
  • 1932 Die Gefährten
  • 1942 Das siebte Kreuz
  • 1944 Transit

Weitere Informationen:
www.anna-seghers.de
Vollständige Online-Ausgabe von „Die Gefährten“

Kleine Anmerkung

Bei der Suche nach einem Foto für den Beitrag habe ich nach langer Zeit „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers wieder in die Hand genommen und festgestellt, dass ich vor geschätzt 25 Jahren ein Statement vorn in das Buch geschrieben habe:
„Das Buch ist eine Hymne auf all jene Menschen, die heute nicht bekannt sind und doch ihr Leben riskiert haben, um einen Menschen vor der Verfolgung zu retten und damit den Nazis zu zeigen, dass ihre Macht nicht grenzenlos ist.“

Bücherverbrennung in Neubrandenburg

Für die Bücherverbrennung in Neubrandenburg am 31. Mai auf dem Marktplatz waren keine Studenten, sondern die NSDAP-Ortsgruppe verantwortlich. Die Aktion begann mit einem Aufmarsch der nationalsozialistischen Gruppierungen auf dem Platz, ehe Ortsgruppenführer Hornd eine Rede hielt und schließlich zu den Klängen der Nationalhymne die Bücher verbrannt wurden.

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Klaus Mann

„Ich muss berühmt werden“, soll der älteste Sohn Thomas Manns schon als Kind geschrieben haben. Die Begabung dazu hatte Klaus Mann, der am 18. November 1906 geboren wurde. Schon früh schrieb er Erzählungen, Gedichte und kleine Dramen und spielte Theater. Doch gelang es ihm nie, sich innerlich von dem berühmten Vater zu lösen; stets befand er sich im Zwiespalt zwischen Flucht vor dem väterlichen Vorbild und Suche nach Anerkennung. Dabei verfing er sich in sexuellen und Drogen-Exzessen. Neben seinem Vater quälte ihn die Entwicklung in Deutschland der Nationalsozialismus, die er schon früh anprangerte.

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