Otto Bauer

Heute vor 75 Jahren starb der österreichische Politiker und Autor Otto Bauer, dessen Bücher am 10. Mai 1933 verbrannt wurden. Otto Bauer, geboren am 5. September 1881 in Wien; gestorben am 5. Juli 1938 in Paris, begann schon während seines Jura-Studiums sein politisches Engagement. Er wurde Mitglied der Freien Vereinigung Sozialistischer Studenten und von 1918 bis zu seiner Emigration 1934 Vorsitzender der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Österreich. Bauer emigrierte zunächst nach Brünn und später nach Paris, wo er 1938 starb.

Auswahl seiner Werke:

  • 1908 Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie
  • 1919 Die Sozialisierungsaktion im ersten Jahre der Republik
  • 1919 Der Weg zum Sozialismus
  • 1920 Bolschewismus oder Sozialdemokratie?
  • 1923 Die österreichische Revolution
  • 1924 Die Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie
  • 1926 Sozialdemokratische Agrarpolitik
  • 1931 Kapitalismus und Sozialismus nach dem Weltkrieg

Texte und Links rund um Otto Bauer
Kurzbiografie
Auswahl seiner Texte

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Mahnmal zur Bücherverbrennung in Berlin

bv-foto1bkGestern fand ich zufällig in meinem Foto-Ordner aus der vordigitalen Zeit Fotos vom Mahnmal zur Bücherverbrennung in Berlin. Natürlich wollte ich mehr über das Mahnmal wissen, das sich am heutigen Bebelplatz befindet und an die Bücherverbrennung auf dem damaligen Kaiser-Franz-Josef-Platz erinnert. Das Mahnmal ist in den Bebelplatz eingelassen, durch eine Scheibe kann man in eine leere Bibliothek blicken. 20.000 Bücher würden in den weißen Regalen Platz finden, leere Regale die zeigen, was durch die Bücherverbrennung NICHT mehr ist.

bv-foto1ckEine geniale Idee, finde ich, die der israelische Künstler Michael Ullman da hatte. Seit Mai 1995 existiert das Mahnmal, ich habe es im Juni 2001 angesehen, so lange beschäftige ich mich schon mit dem Thema Bücherverbrennung.

Mir kommt es so vor, als hätte ich gerade erst dort gestanden und in die leeren Regale geschaut. Aber bis zum 10. Mai war das wohl nicht so gut möglich wie 2001, weil die Scheibe zerkratzt war. Seit dem 10. Mai ist wieder eine klare Sicht möglich. Bleibt nur die Frage, was aus den Plänen geworden ist, unter dem Bebelplatz ein Parkaus zu errichten. Ich erinnere mich, dass das diskutiert wurde und habe nun auch die Informationen darüber gefunden. Das Parkhaus wurde – wenn ich die Berichte richtig verstanden habe – um das Denkmal errichtet. Es wird Zeit, dass ich wieder einmal nach Berlin fahre, um das zu überprüfen.

Bericht über die Erneuerung der Glasplatte 2013

Artikel in Wikipedia über das Denkmal

Alfred Döblin

Nicht aus den 30er Jahren, aber doch von 1980, aus der Nähe sieht man auch, dass Rücken und Umschlag leicht vergilbt sind

Zu den Büchern, die in den Scheiterhaufen 1933 landeten, gehörte auch „Berlin Alexanderplatz“, das sicher bekannteste Werk von Alfred Döblin, der heute vor 56 Jahren starb.

Geboren am 10. August 1878, war Alfred Döblin zunächst jahrelang als Arzt tätig, ehe er im Literaturmarkt auftauchte. Ab 1910 arbeitete er an der expressionistischen Zeitschrift „Der Sturm“ mit, zunächst mit biographischen Analysen, ehe 1911 seine erste Erzählung „Der Ritter Blaubart“ erschien.

Der Roman „Berlin Alexanderplatz“ gilt noch heute als erster Roman über die moderne Großstadt. Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht kamen, verließ Döblin Berlin, als Jude und kritischer Autor musste er die Verfolgung fürchten. Er emigrierte zunächst nach Frankreich, wo er für die französische Regierung Flugblätter gegen die Nazis verfasste. Als die Deutschen in Frankreich einmarschierten floh er in die USA, wo er wie einige für MGM im ersten Jahr zwei viel beachtete Drehbücher schrieb.

Nach dem Krieg kehrte Döblin nach Europa zurück, allerdings fühlte er sich nie wieder richtig heimisch hier und konnte nicht an seinen Erfolg von Berlin Alexanderplatz anknüpfen. Er starb am 26. Juli 1957 während eines Krankenhausaufenthaltes in Emmendingen.

Werke unter anderem:

  • 1911 Der Ritter Blaubart.
  • 1913 Die Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen.
  • 1915 Die drei Sprünge des Wang-lun.
  • 1917 Die Lobensteiner reisen nach Böhmen.
  • 1918 Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine.
  • 1927 Der Feldzeugmeister Cratz. Der Kaplan.
  • 1929 Berlin Alexanderplatz.

Biografie

Internationale Alfred-Döblin-Gesellschaft

Bücherverbrennung in Kehl

Die Bücherverbrennung in Kehl wurde nicht von Studenten, sondern von der Hitlerjugend organisiert. Am 24. Juni 1933 errichteten sie auf dem Marktplatz in Rahmen einer Sonnenwendfeier einen Scheiterhaufen, um unter den Blicken eines interessierten Publikums Bücher zu verbrennen. Die Bücher sammelten sie in Buchhandlungen und Büchereien, aber auch in privaten Haushalten in den Tagen vor der Aktion. Die Veranstaltung begann mit einem Umzug, an dem schon Kinder ab 6 Jahren teilnahmen. Sie zogen zum Marktplatz, wo der Ortsgruppenleiter der NSDAP die Verbrennungs-Zeremonie mit einer Festrede begann. Nach einem gemeinsamen Lied und einer weiteren Rede traten schließlich Sprecher auf den Plan, die einige der Feuersprüche ausriefen. Unter anderem den über Erich Maria Remarque, dessen Buch „Im Westen nichts Neues“ bereits 1931 den Gemeinderat beschäftigt hatte, als die NSDAP erreichte, dass das Buch aus der Bücherei entfernt wurde.

Bücherverbrennung in Bamberg

In Bamberg ließen sich die Organisatoren des Tages der Jugend von den Geschehnissen in Deutschland im Mai 1933 beeinflussen. Bei der Planung ihres Jugendtages für den 24. Juni 1933 sahen sie eine Sonnenwendfeier in Verbindung mit einer Bücherverbrennung vor. Diese musste dann wegen des schlechten Wetters auf den 1. Juli 1933 verschoben werden. An dem Abend brannten im Bamberger Volksparkstadion die Bücher jüdischer, kritischer und sonstwie unliebsamer Autoren. Nach einem Aufmarsch der Reichswehr und Schutzpolizei mit akademischen Verbindungen und anderen örtlichen Institutionen inkl. Hitlerjugend, SS und SA versammelten sich die Bamberger, um die Bücher zu verbrennen. Eingeleitet wurde die Veranstaltung mit der Rede eines NSDAP-Stadtrates, anschließend verlasen Hitlerjungen die Feuersprüche, dabei wurden die Bücher verbrannt.

 

Bücherverbrennung in Schleswig

In Ermangelung von Studenten übernahm es in Schleswig die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation (NSBO) zusammen mit der Deutschen Arbeitsfront, die Stadt von unliebsamen Büchern zu säubern. vor allem die Gewerkschaftsbibliothek war ihnen ein Dorn im Auge, deren Bücher waren es dann auch vor allem, die am 23. Juni 1933 auf dem Stadtfeld ein Opfer der Flammen wurden. Initiator der Aktion war Dr. Fritz Michel, Redaktionsleiter der Schleswiger Nachrichten und Kreiskulturwart der NSDAP. Ehe die Bücher verbrannt wurden, las er einen selbst verfassten Feuerspruch vor, den die rund 5.000 Schleswiger Bürger, die sich eingefunden hatten, mitsprechen sollten. Anschließend wurden die etwa 50 Zentner Bücher, die in  Blockwagen auf das Stadtfeld gebracht worden waren, mit einer Brandfackel entzündet und verbrannt.

Weitere Informationen

Bücherverbrennung in Laupheim

Am  22. und 23. Juli 1933 gab es in Laupheim ein zweitägiges Treffen der Hitlerjugend, das diese für eine Bücherverbrennung nutzte. Auf der Festwiese trafen sich am Abend des 22. Juli 1933 nicht nur die 800 Jugendlichen, sondern auch zahlreiche Schaulustige, um dem Spektakel beizuwohnen. Es begann mit einer Verbrennung der unliebsamen Bücher und Fahnen und endete mit einem Fackelzug durch die kleine Stadt.

Weitere Informationen

Bücherverbrennung in Offenburg

Die Bücherverbrennung in Offenburg, die am 17. Juni 1933 auf dem Marktplatz stattfand, war eine Aktion der Hitlerjugend, die auch in Offenburg Bücher einsammelte, das zeigt eine Quittung der Volksbibliothek, ihr quittierte der Kreisjugendführer der Hitlerjugend, dass er „oben angef. Bücher zum Verbrennen erhalten, 17.6.33.“ hat. Diese und viele andere Bücher wurden am Abend des 17. Juni auf einem Scheiterhaufen verbrannt, dazu wurden die Feuersprühe verlesen.

Hintergrundinformationen