Bücherverbrennung in Neu-Isenburg

Mit einem großen Volksfest wurde die Bücherverbrennung am 24. Juni 1933 in Neu-Isenburg begangen. Auf dem Wihelmsplatz versammelten sich die Bürger, um die eingesammelten Bücher bei Gesängen und Tänzen ins Feuer zu werfen.

2015 wurde eine Gedenktafel am Alten Feuerwehrhaus installiert, die an das Ereignis erinnert.

Stadt erinnert an die Barbarei der Bücherverbrennung (Externer Link zu op-online 25. Mai 2016)

Presseinformation zur Einweihung der Gedenktafel

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Bücherverbrennungen im Kinzigtal

Es ist erstaunlich, aber selbst nach über 80 Jahren kommen immer noch neue Bücherverbrennungen unter der NS-Flagge zum Vorschein. So entdeckte Frank Schader bei der Recherche über den Wolfacher Kunstmaler Eduard Trautwein in der Wolfacher Tageszeitung „Der Kinzigtäler“ Hinweise auf Bücherverbrennungen in Wolfach und Umgebung. Bei der vertiefenden Recherche tauchte ein Bericht über die Bücherverbrennung in Gengenbach auf.

In einem Artikel im Schwarzwälder Boten hat er seine Rechercheergebnisse zusammengefasst. Dazu gehört, dass im Kinzigtal wie auch in manchen anderen Orten das „Fest der deutschen Jugend“ am 24. Juni 1933 für Bücherverbrennungen genutzt wurde.

In Wolfach wurden unter Leitung eines Lehrers und NS-Jungvolkführers Bücher auf dem Kreuzbergsattel verbrannt.

Zeitgleich gab es Ansprachen und ein Feuer für Bücher auf dem Schlossberg in Hausach.

In Haslach waren es die Mitglieder von Hitlerjugend und Bund Deutscher Mädel, die Bücher ins Feuer auf dem Sportplatz warfen.

Während man in den Orten dem Wetter trotzte, wurde die Veranstaltung in Schiltach auf den 1. Juli verlegt und nach einer Ansprache durch den Bürgermeister Bücher verbrannt.

In Bad Rippoldsau verband man die Bücherverbrennung am 25. Juni mit einem Marsch, an dem Schüler und NS-Organisationen sowie Vereine teilnahmen.

Wer weiß, vielleicht schlummern weitere Informationen in den Archiven, die bisher keiner bergen konnte oder wollte.

Beitrag über die Bücherverbrennungen im Kinzigtal vom 22. April 2016 „Welttag des Buches“ (Frank Schrader)

Nachtrag am 3. September 2016:

Inzwischen hat Frank Schrader auch Informationen über eine Bücherverbrennung in Zell am Hammersbach entdeckt. Am 19. Juni 1933 warf die Hitlerjugend auf dem Marktplatz Bücher ins Feuer. Bei jedem Buch, das im Feuer landete wurde gerufen: „Verbrenne undeutscher Geist!“

Emil Julius Gumbel

Zu den Autoren, deren Bücher 1933 verbrannt wurden, gehörte auch der Mathematiker Emil Julius Gumbel, der am 18. Juli 1891 in München geboren wurde. Schon nach dem ersten Weltkrieg hat er den Unmut der Regierungen hervorgerufen, weil er sich mit politisch motivierten Morden in der Nachkriegszeit beschäftigte und nachwies, dass Mörder mit rechter Gesinnung glimpflicher behandelt wurden als jene, die linksorientiert waren. Dieses Thema tauchte in seinen Werken, sowohl in Büchern als auch in Artikeln, zum Beispiel in der „Weltbühne“, immer wieder auf. Auch seine pazifistische Einstellung, zu der ihn ein kurzer Kriegsdienst brachte, trug sicher dazu bei, dass seine Werke auf den Scheiterhaufen landeten.

Gumbel emigrierte 1933 nach Frankreich und engagierte sich von dort aus gegen den Nationalsozialismus, ehe er nach dem Einmarsch der Deutschen in Frankreich in die USA umsiedelte. Er wäre nach dem Krieg gerne nach Deutschland zurückgekehrt und wieder – wie schon vor der Emigration – Professor an der Universität Heidelberg geworden, was ihm jedoch verwehrt wurde. Gumbel starb am 10. Septemer 1966 in New York.

Werke u. a.

  • 1919 Vier Jahre Lüge
  • 1921 Zwei Jahre Mord
  • 1922 Vier Jahre politischer Mord
  • 1924 Verschwörer. Beiträge zur Geschichte und Soziologie der deutschen nationalistischen Geheimbünde seit 1918
  • 1929 Verräter verfallen der Feme

Vita
Christian Jansen Der „Fall Gumbel“ und die Heidelberger Universität
Vier Jahre Politischer Mord in der Gutenberg-Bibliothek zum Download

 

Ludwig Rubiner

Schon während seines Studiums begann Ludwig Rubiner, geboren am 12. Juli 1881, die Doppelzüngigkeit und Heuchelei der Spießbürger anzuprangern. Er näherte sich dem avantgardistischen Milieu an und fand durch die Bekanntschaft mit expressionistischen Autoren wie Erich Mühsam und René Schickele selbst zum Schreiben. Mit 25 Jahren fing er an, für Tageszeitungen zu schreiben und in Glossen die gesellschaftlichen Entwicklungen kritisch unter die Lupe zu nehmen. Im Laufe der Zeit wechselt der Schwerpunkt seiner Betrachtungen, er löst sich von der Kulturkritik und entwickelt sich zum Sozialkritiker. Er lebt zeitweise in Frankreich und in der Schweiz, war allerdings wieder nach Berlin gezogen, als er am 27. Februar 1920 nach einer langwierigen Lungenentzündung starb. So erlebte er nicht mehr mit, wie seine Werke 1933 auf den Scheiterhaufen landeten. Da er nicht nur Jude war, sondern auch Mitbegründer des Bundes proletarischer Kultur und Kritiker vieler Werte, die die Nazis ausmachten, lassen sich viele Gründe denken, warum seine Bücher auf den Listen der unwürdigen Bücher standen.

Die Kriminalsonette von Rubiner
Gedichte von Rubiner

Blog über Ludwig Rubiner

Bücherverbrennung in Gladbeck

Eher unbekannt ist, dass es auch in Gladbeck 1933 eine Bücherverbrennung gab. Am 1. Juli, dem Abend vor dem „Fest der Deutschen Schule“ fanden sich die Bürger Gladbecks am Wittringer Ehrenmal zusammen, um mit einem „Feuerstoß“ Werke ungeliebter Autoren zu verbrennen. Die Aktion wurde initiiert von der örtlichen NSDAP-Gruppe, an der Durchführung war auch die Hitlerjugend beteiligt, die die Bücher sammelte und dessen lokaler Führer die Brandrede hielt.

Artikel über die Aktion 

Gladbeck bekommt Infotafel zur Bücherverbrennung WAZ 23.1.2014

Richard Beer-Hoffmann

Zu den Autoren, deren Bücher 1933 auf den Scheiterhaufen landeten, gehörte auch der Österreicher Richard Beer-Hofmann. Geboren am 11. Juli 1866 in Wien, wuchs er in Brünn und in seiner Geburtsstadt auf, wo er 1890 sein Jurastudium mit der Promotion abschloss. Durch seine Freundschaft zu Autoren wie Hugo von Hofmannsthal und Arthur Schnitzler entdeckte er seine Liebe zum Schreiben. Bereits 1893 veröffentlichte er seinen ersten Novellen. Er war jedoch nicht auf ein Genre festgelegt, neben Gedichten verfasste er Erzählungen und Dramen.

Bis nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich blieb Beer-Hoffmann in Wien, am 19. August 1939 gelang ihm die Emigration in die Schweiz, von wo aus er später nach New York umsiedelte. Wie für manchen anderen Schriftsteller bedeutete auch für ihn die Emigration ein Bruch in seiner Schreibtätigkeit. Er schaffte es nicht, seine Trilogie über König David zu beenden, sondern arbeitete an einem Werk über seine Frau Paula, die kurz nach der Auswanderung nach Zürich starb. Beer-Hoffmann ist zwar die Übersiedlung in die USA gelungen, allerdings starb er am 26. September 1945, kurz nachdem ihm die amerikanische Staatsbürgerschaft zuerkannt wurde.

Werke u. a.

  • 1893 Novellen
  • 1900 Der Tod Georgs
  • 1904 Der Graf von Charolais. Ein Trauerspiel

Kurzinfo über Leben und Werk Beer-Hoffmanns
Rezitation „Schlaflied für Mirjam“ auf Youtube

Schalom Asch

Schalom Asch, der am 1. Januar 1880 in Polen geboren wurde, gehörte schon in jungen Jahren zu den Autoren, deren Bücher in viele Sprachen übersetzt wurden. Er war jüdischer Herkunft und schrieb neben historischen und modernen Romanen, Erzählungen, Novellen und Dramen. In seinen Werken vertrat er ein modernes Judentum, er versuchte eine Annäherung zwischen Christen- und Judentum, was ihm viel Kritik einbrachte. Asch schrieb in Hebräisch und Jiddisch, er konnte aber auch Deutsch.

Als seine Bücher 1933 verbrannt wurden, lebte Asch in Polen, von wo aus er nach Frankreich und dann in die USA emigrierte. 1956 zog er nach Israel, gestorben ist er allerdings am 10. Juli 1957 in London.

Werke u. a.

  • 1903 Die Stadt
  • 1904 Meschiachs Zeiten
  • 1907 Bilder aus dem Ghetto
  • 1910 Amerika
  • 1913 Reb Schloime Nogid
  • 1929 Die Zauberin von Kastilien

Schalom Asch erzählt sein Leben. Aufsatz in „Menorah jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur (1923 – 1932) 11-12, S. 511-538
Wikipedia-Artikel über sein Werk „Jesus. Der Nazarener“

Digitalisierte Werke von Schalom Asch

Nathan Asch

Nathan Asch ist der Sohn von Schalom Asch, er wurde am 19. Juli 1902 in Warschau geboren und starb am 23. Dezember 1964 in San Francisco. Bis zu seinem zehnten Lebensjahr wuchs Nathan Asch in Polen auf, dann zog er mit seinen Eltern nach Paris, in die USA. Nach seinem Studium arbeitete Nathan Asch zunächst in den USA als Börsenmakler, ehe er 1923 nach Paris umsiedelte und dort, unterstützt von Ernest Hemingway, zur Literatur fand. Bereits 1924 erschienen seine ersten Erzählungen, die bereits 1925 ins Deutsche übersetzt wurden.

1926 zog es ihn zurück in die USA, wo er u. a. Drehbücher vor allem für die Paramount Pictures schrieb. Sein letzter Roman erschien 1937, danach verfasste er nur noch Drehbücher und Erzählungen, sodass er in Deutschland kaum bekannt ist, nachdem die Nazis seine Bücher am 10. Mai 1933 verbrannten.

Werke u. a.

  • 1925 The Office / 1929 Als die Firma verkrachte
  • 1927 Love in Chartres / 1927 Liebe in Chartes
  • 1930 Pay Day / 1930 Der 22. August

 Rezension von Nathan Asch „Der 22. August“ in Menorah: jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur (1923 – 1932) 7-8, S. 411
Wikipedia-Artikel über Nathan Asch

Walter Hasenclever

Schon während seines Jura-Studiums entdeckte Walter Hasenclever, der am 8. Juli 1890 in Aachen geboren ist, seine Neigung zum Schreiben. Mit 20 Jahren veröffentlichte er bereits seinen ersten Gedichtband „Städte, Nächte, Menschen“ und vier Jahre später erschien sein erstes Theaterstück „Sohn“.

Nach einer kurzen Teilnahme am ersten Weltkrieg entwickelte er eine Abneigung gegen den Krieg, die ihn Zeit seines Lebens beschäftigte. Mit einer List gelang es ihm, aus dem Heer entlassen zu werden. Von da an widmete er sich nur noch dem Schreiben. Er lebte zeitweise als Journalist in Paris, schrieb unter anderem Drehbücher für Filme mit Greta Garbo und erzielte mit seinen Komödien wie „Ein besserer Herr“ und „Ehen werden im Himmel geschlossen“ große Erfolge, aber auch Kritik wegen nicht immer gesellschaftskonformer Ideen.

Als 1933 seine Bücher verbrannt wurde, emigrierte Walter Hasenclever nach Frankreich, wo er mehrfach als Spion verhaftet wurde und interniert wurde. Auch, als die Nationalsozialisten Frankreich eroberten, befand er sich in einem solchen Lager. Aus Angst vor den Nazis brachte er sich am 21. Juni 1940 mit Schlaftabletten um.

Werke u. a.

  • 1910 Städte, Nächte, Menschen
  • 1914 Sohn
  • 1919 Der politische Dichter
  • 1926 Ein besserer Herr
  • 1928 Ehen werde im Himmel geschlossen

Vita
Informationen zu Leben und Werk
Walter-Hasenclever-Gesellschaft
Walter-Hasenclever-Literaturpreis

Ausstellungsdokumentation Uni Düsseldorf

webunidEher versteckt auf den Internetseiten der Universität Düsseldorf findet sich eine wertvolle Dokumentation zum Projektseminar ‚Literatur und Verfolgung ab 1933‘, dessen Ergebnisse 2003 in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf ausgestellt wurden. Den Schwerpunkt der Dokumentation bilden einige Autoren, die

  • von den Nazis ermordet wurden: Erich Mühsam, Adam Kuckhoff, Maria Leitner
  • im erzwungenen Exil politisch aktiv waren: Anna Seghers, Heinrich Mann, Klaus Mann,
  • sich im Exil umbrachten: Ernst Toller, Walter Hasenclever, Walter Benjamin, Stefan Zweig, Ernst Weiß
  • in Deutschland blieben und verboten wurden: Reinhold Schneider, Irmgard Keun, Elisabeth Langgässer

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