Die betenden Hände von Albrecht Dürer

Manche Dinge schleichen sich in ein Manuskript, ohne dass ich das möchte und ich wundere mich manchmal darüber, was dort auftaucht.

So erging es mir mit den betenden Händen von Albrecht Dürer, die weder in meiner Wohnung noch in meinem Büro hängen. Aber ich erinnere mich, dass sie in meinem Elternhaus und auch in den Wohnungen von Verwandten hingen. So ist mir das Bild wohl in den Sinn gekommen, als ich einen Gegenstand brauchte, hinter dem ich etwas verstecken konnte.

Auf der Suche nach einem passenden Bild oder Link habe ich festgestellt, dass sie keineswegs „out“ sind, sondern sogar als Tattoo-Vorlage existieren. Sachen gibt’s!

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Deutsche Schrift – Sütterlin

In meiner Geschichte spielen Postkarten eine wichtige Rolle, aber ich konnte Karina keine Karten finden lassen, die sie problemlos lesen kann. Ich habe in der Grundschule im Schönschreiben sogar noch „Deutsche Schrift“ gelernt, wusste also zumindest, welche Schrift möglicherweise geschrieben wurde. Aber da war noch die Frage, ob diese Schrift wirklich schon vor dem zweiten Weltkrieg verwendet wurde. Dabei zeigte sich, dass es nicht nur heute eine Verwirrung der Schrift gibt, sondern auch damals eine gab. Erst ab 1924 wurde die Sütterlin-Schrift in preußischen Schulen unterrichtet. Schon tauchte die Frage auf, ob Borken zu Preußen gehörte oder nicht. Schreiben ist wahrlich mehr als Schreiben. Bis 1924 wurde übrigens die Kurrentschrift in Schulen gelehrt, meine Katharina wird also eher die statt Sütterlin geschrieben haben. Aber Karina ist ja clever und es gibt viele Übereinstimmungen zwischen den Schriften.

Eine Übersicht der Schriften findet sich bei Wikipedia

26.4.1933 Beginn der Büchersammlung

buechersammlungAls ich damit begann, mich mit der Bücherverbrennung zu beschäftigen, habe ich mich gefragt, woher eigentlich die Bücher kamen. Inzwischen weiß ich natürlich, dass es verschiedene Quellen gab. Vom 26. April bis zum 10. Mai 1933 sammelten Mitglieder der Kampfausschüsse vor Ort in den Bibliotheken und Buchhandlungen die Bücher, die auf der schwarzen Liste standen, die am 26. April versand wurde wurde. Darüber hinaus gab es Sammelstellen, dort konnten Bürger ihre Bücher abgeben.

In Münster, dessen Bücherverbrennung in meinem Roman exemplarisch nachgezeichnet wird, waren neben dem Büro des Kampfausschusses der Rosenhof und die Gaststätte Zander solche Anlaufstellen.

In Münster haben sich auch die Buchhandlungen aktiv an der Aktion beteiligt, in einem Brief an den Kampfausschuss Wider den undeutschen Geist teilten sie am 6. Mai 1933 mit: „Die im Ortsverein der münsterschen Buchhändler zusammengeschlossenen unterzeichneten Mitglieder des Börsenvereins begrüßen lebhaft den von der Studentenschaft der Universität Münster bekundeten Willen, undeutschen Geist in deutschem Schrifttum schärfstens zu bekämpfen.“

Einige Buchhändler haben nachträglich in einem Brief oder in der Zeitung darauf hingewiesen, dass sie sich selbstverständlich auch der Aktion anschließen würden.

Kaufhaus Lebenstein

In meinem Roman wird das Kaufhaus Lebenstein erwähnt. Dieses Kaufhaus gab es wirklich, darüber habe ich in einem Jahrbuch des Kreises Borken gelesen. Dort wurde ein Zeitungsartikel aus der Borkener Zeitung erwähnt, demzufolge im März auf das Kaufhaus Lebenstein in Groß Reken ein Brandanschlag verübt wurde.

Das Kaufhaus hat wirklich einem Herrn Levinstein gehört, der tatsächlich ein Auto besaß, das habe ich irgendwo gelesen, aber er ist keinesfalls nach Borken zu Herrn Weizmann gefahren, weil es den in Wirklichkeit nicht gegeben hat, ich mir den ausgedacht habe.

Mehr über die jüdische Gemeinde Reken

Lion Feuchtwanger

feuchtwangerbDer jüdische Buchhändler Jakob Weizmann in meinem Roman räumt seine Bücher um, als er einen ersten Verdacht hat, dass ihm manche Bücher gefährlich werden könnten. Er stellte unter anderem die Bücher von Feuchtwanger weg und das Buch „Jud Süß“ über den Juden Oppenheimer, einem Ratgeber des Herzogs von Württemberg, der nach dem Tod des Herzogs aus fadenscheinigen Gründen hingerichtet wurde.

Lion Feuchtwanger war fester Bestandteil des Kulturlebens der Weimarer Republik als Autor und Herausgeber von Zeitschriften. Er wurde am 7. Juni 1884 in München geboren und gründete bereits 1908 die Kulturzeitschrift „Der Spiegel“, die später mit der „Schaubühne“ fusionierte. Während er zunächst Dramen schrieb, wandte er sich nach nach dem ersten Weltkrieg mehr den historischen Romanen zu und errangte Weltruhm mit dem Roman „Jud Süß“. Nachdem Hitler an die Macht kam, konnte Feuchtwander als Jude von einer Lesereise aus England und den USA nicht zurückkehren. Er emigrierte zunächst nach Südfrankreich und schließlich in die USA, wo er am 21. Dezember 1958 starb.

Feuchtwanger wird in dem Buch „Verboten und verbrannt“ aus dem Jahr 1947 erwähnt. Das Foto zeigt einen Ausschnitt von Seite 38.

Eine Auswahl seiner Werke:

  • 1908 Karneval in Ferrara
  • 1923 Die hässliche Herzogin
  • 1925 Jud Süß

Biografische Übersicht

1.4.1933 Boykott jüdischer Geschäfte

Am 1. April 1933 begann der Boykott jüdischer Geschäfte, das lasse ich Karina in meinem Roman „Brandbücher“ recherchieren.

Um 10.00 Uhr begann der Boykott, der mit den Parolen „Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden“ angestachelt wurde.

Initiator der Aktion war Gauleiter Julius Streicher. Betroffen waren jüdische Ärzte, Rechtsanwälte und Geschäfte, also auch eine Buchhandlung, wie sie einer der Protagonisten in meinem Roman bzw. sein Vater besitzt.

 

Rundfunk im Münsterland

Beim Schreiben meines Romans „Brandbücher“ tauchte die Frage auf, ob meine Protagonisten 1933 schon Radion hören konnten. Dank Internet weiß ich: Ja, sie konnten. Bei der Recherche habe ich gleich einen kleinen Einblick in die Geschichte des Rundfunks bekommen. Bis zum 21. März 1932 gab es in Münster nämlich eine Sendeanlage für den Rundfunk, die zugunsten des Sendemasten Langenberg abgeschaltet wurde. Rund 10.000 Hörer nahmen das zum Anlass, um ihre Empfangsgeräte abzumelden.

Es ist also durchaus möglich, dass meine Protagonistin gelegentlich Radio gehört hat, wenn auch nicht über den Sender Münster, sondern über Langenberg.

WDR-Geschichte

Reichstagswahl am 5.3.1933

Am 5. März fand die Reichstagswahl statt, nachdem am 1. Februar, einen Tag nachdem Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. Die musste natürlich in meinem Roman vorkommen, das war ja keine Frage. Ich wollte Katharina ein Wahlplakat beschreiben lassen und musste wieder einmal auf Suche gehen. Im Internet wurde ich fündig:

Wahlplakate Reichstagswahl 1933

Aus der Reichstagswahl, die letzte an der neben der NSDAP auch andere Parteien gewählt werden konnten, als stärkste Kraft hervor mit bundesweit 43,9 %. Die Wahlergebnisse waren sehr unterschiedlich in Deutschland, im meinem Heimatkreis Borken zum Beispiel erhielten die Nationalsozialisten bei dieser Wahl nur 6.478 von 27.694 Stimmen, nur rund ein Viertel der Stimmen. In anderen Regionen war die Zustimmung zu Hitler und seiner Ideologie dafür umso größer. Auch die Wahlbeteiligung lag im Kreis Borken mit 89,4 % noch über der in ganz Deutschland (88,74 %).

Bereits am 8. März zeigten sich erste Ergebnisse der Wahl. Obwohl mit 12,3 % drittstärkste Kraft wurden die Mandate der Kommunistischen Partei Deutschlands auf der Basis der „Reichstagsbrandverordnung“ annulliert.

Der Bruder meiner Protagonistin war Kommunist, er ist schon kurz nach der Reichstagswahl, vor der Bücherverbrennung, in die Niederlande geflohen, weil klar war, dass Kommunisten verfolgt wurden.

Verordnung zur Reichstagswahl

Erich Maria Remarque

remarque

Ausgabe von 1931 (Prophyläen-Verlag)

In meinem Buch erinnere ich auf besondere Weise an diesen Autor und seinen Roman „Im Westen nichts Neues“. Mein Protagonist Bruno Schulze-Möllering versucht Samuel Weizmann zu überreden, ihn ins Kino zu begleiten, weil er dort das Gleiche machen möchte, wie die Nazis bei der Uraufführung des Filmes „Im Westen nichts Neues. Damals sorgten Nazis für Störungen während des Films, u. a. haben sie mit weißen Mäusen die Zuschauer in Aufruhr versetzt.

Als Goebbels über einen Film die Machtfrage stellte (Artikel in der WELT vom 5. 12. 2010)

Erich Maria Remarque wurde am 22. Juni 1898 als Erich Paul Remark in Osnabrück geboren und starb am 25. September 1970 in Locarno. „Im Westen nichts Neues“ ist sein bekanntester Roman, der schon vor der Machtübernahme der Nazis erschienen ist und in Hollywood verfilmt wurde. Zum Kriegsgegner wurde Remarque aufgrund seiner eigenen Erfahrungen im ersten Weltkrieg. Remarque war unter anderem als Redakteur und Schriftsteller für Zeitungen tätig, „Im Westen nichts Neues“ erschien zunächst als Fortsetzungsroman, ehe die Geschichte 1928 als Buch erschien. Den Nazis waren Roman und Autor schon vor der Machtübernahme ein Dorn im Auge, wo immer möglich, wurde gegen ihn gehetzt, was Remarque veranlasste, am 31. Januar 1933 in die Schweiz überzusiedeln. Dass sein Name in den Feuersprüchen auftaucht, ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich, dort hieß es:

„Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, Für Erziehung des Volkes im Geist der Wahrhaftigkeit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Erich Maria Remarque.“

Während des Krieges lebte Remarque zeitweise in den USA, wo er aufgrund von „Im Westen nichts Neues“ und späterer Romane hohes Ansehen genoss. Nach dem Krieg lebte er zeitweise in den USA und in der Schweiz, nach Deutschland kehrte er nicht mehr zurück.

Auswahl seiner Werke:

  • 1920 Die Traumbude
  • 1921 Der Weg zurück
  • 1928 Im Westen nichts Neues
  • 1946 Arc de Triomphe
  • 1952 Der Funke Leben

Erich Maria Remarque Gesellschaft
Porträt Remarques

Reichstagsbrand am 27. 2. 1933

„Der Reichstag brennt!“, lautet der erste Satz von Kapitel 10. In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 wurde der Reichstag in Brand gesetzt. Klar ist, dass es Brandstiftung war, unklar ist, aus welcher Ecke der oder die Brandstifter kamen. Es wurde ein niederländischer Anarchist festgenommen, der sagte, er wäre ein Einzeltäter. Die Nationalsozialisten nutzten den Umstand, um die Freiheiten der Bürger weiter einzuschränken und die Kommunisten zu verfolgen. Mit der Reichstagsbrandverordnung wurde die Grundlage geschaffen, politisch ungeliebte Menschen und Gruppen zu verhaften und in Lager zu stecken. In Münster wurden 16 Mitglieder der KPD, darunter auch die beiden Stadtverordneten, verhaftet.

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