Bücherverbrennung in Frankfurt

In Frankfurt begann man zwar schon frühzeitig mit den Vorbereitungen, allerdings war anfangs nicht klar, welche Ausmaße die Aktion haben sollte. So schrieb man in einer Meldung, dass die Bücher in allen Volksschulen verbrannt werden sollten. Das wurde jedoch schnell konkretisiert und so fand am 10. Mai 1933 auf Initiative der Studenten eine zentrale Bücherverbrennung mit rund 15.000 Beteiligten auf dem Römerberg zwischen Gerechtigkeitsbrunnen und Nikolaikirche statt. Ein riesiger Zug mit Professoren und Studenten in Verbindungsuniform, SA und einer SS-Kapelle zog in die Innenstadt, wo gegen 21 Uhr die Verbrennung begann. Die Bücher stammten unter anderem aus öffentlichen Bibliotheken, auch Schulbüchereien, die im Auftrag des Oberbürgermeisters im Vorfeld „gesäubert“ worden waren. Insgesamt waren es knapp 9.000 Bücher die alleine dadurch zusammenkamen. Hinzu kamen die Bücher aus der Universitätsbibliothek, die auf einem von zwei Ochsen gezogenen Rollwagen herangekarrt wurden. Die Feuerrede hielt der evangelische Pfarrer Otto Fricke, im Anschluss an seine Ansprache wurden die Bücher in Brand gesetzt und unter Klängen der SS-Kapelle verbrannt.

Weitere Informationen im Internet

Warum diese Form des Romans

Es gibt viele Möglichkeiten, eine Geschichte zu erzählen. Ich habe mich für Handlungsstränge in der heutigen Zeit und im Dritten Reich entschieden, weil sie zum einen für mich zum Thema passt. Es gibt eben viele Dinge in der heutigen Zeit, die ihre Wurzeln im dritten Reich haben, ohne dass uns das klar ist. Der 1. Mai als Feiertag ist nur ein Beispiel dafür.

Es gab aber unabhängig vom Thema noch einen Grund für die Wahl dieser Form. Ich hatte vor 20 Jahren schon einmal eine Idee für einen Roman, der in der heutigen Zeit und zu einer früheren Zeit spielt. Damals besuchte ich die Mersburg und sah ein Bild von Annette von Droste-Hülshoff, die wie ich aus dem Münsterland kommt und ein Faible für den Bodensee hatte. Ich hatte die Geschichte schon konzipiert und dann fand ich in der Buchhandlung den Roman „Das Spiegelbild“ von Irina Korschunow, der ganz ähnlich geschrieben war, wie ich es mir vorstellte. Da habe ich natürlich nicht weiter an der Idee gearbeitet und hoffe nun, dass mir nicht wieder jemand zuvorkommt.

Werner Hegemann

„Gegen Verfälschung unserer Geschichte und Herabwürdigung ihrer großen Gestalten, Für Ehrfurcht vor unserer Vergangenheit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Emil Ludwig und Werner Hegemann.“ Mit diesen Worten wurden die Veröffentlichungen des Architekten und linksliberalen Schriftstellers am 10. Mai 1933 den Flammen übergeben.

Werner Hegemann war nicht nur Schriftsteller, er war auch ein namhafter Stadtplaner und Architekturkritiker, der besonders in der Weimarer Republik von sich reden machte. Geboren am 15. Juni 1881 in Mannheim war er aus familiären Gründen schon früh viel in der Welt unterwegs, was sich auch auf seine Sicht auf die Stadtplanung auswirkte. Doch zunächst studierte er Nationolökonomie, zu seinem Schwerpunktthema Stadtplanung kam er durch Erfahrungen und Kontakte vor allem mit Städtebauern in den USA.

Es waren jedoch nicht seine architekturkritischen Schriften, die es den nationalsozialistisch gesinnten Autoren der Feuersprüche angetan hatten, sondern seine sozialkritischen Bücher. Er kritisierte die fehlende Zukunftsorientierung der Deutschen, die starke Rückwärtsgewandtheit und schrieb dies unter dem Pseudonym Manfred Maria Ellis auch nieder. Durch seinen teilweise satirischen Stil und seine Art, historische Zusammenhänge belletristisch aufzubereiten, zog er sich zunächst die Kritik der Historiker zu, schon lange, ehe die Nationalsozialisten seine Literatur ablehnten und ihn als „Geschichtsverfälscher“ einstuften. Das erlebte er schon nicht mehr in Deutschland mit, weil er auf den Rat seines Verlegers hin bereits im Februar 1933 emigrierte und die Entwicklung in Deutschland zunächst aus der Schweiz und später aus den USA beobachtete. Er starb am 12. April 1936.

Werke u. a.

Fridericus oder Das Königsopfer. Neue, erw. Auflage. Verlag Hegner, Hellerau 1926.
Napoleon oder „Kniefall vor dem Heros“. Verlag Hegner, Hellerau 1927.

Biografie

Bücherverbrennung in Berlin

An der Bücherverbrennung am 10. Mai auf dem Opernplatz in Berlin nahm auch Goebbels teil, um eine Rede zu halten. Die Studenten zogen in einem Fackelzug vom Hegelplatz durch die Oranienburger Straße, in der Lastwagen mit über 20.000 Büchern warteten. Von dort aus ging der Zug weiter durch das Brandenburger Tor zum heutigen Bebelplatz. Dort hielt der Studentenführer Herbert Gutjahr eine Rede und neun weitere Vertreter der Studentenschaft warfen zu den Feuersprüchen Bücher ins Feuer. Da das Feuer wegen des Regens anfangs nicht entzündet werden konnte, wurde es von der Feuerwehr mit Benzin in Gang gebracht. An der Verbrennung nahmen rund 70.000 Menschen teil, nachdem Goebbels seine Rede gehalten hatte, wurde die Aktion mit dem gemeinsamen Singen des Horst-Wessel-Liedes beendet.

Artikel zur Bücherverbrennung in Berlin

Video zur Bücherverbrennung in Berlin

Gedenktafel zur Bücherverbrennung

Bücherverbrennung in Dresden

Schon am 8. März 1933 fand in Dresden auf dem Wettiner Platz die erste Bücherverbrennung der Nationalsozialisten statt, bereits an dieser Aktion, die unter Polizeischutz stattfanden, waren Studenten beteiligt.

Die Federführung für die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 lag beim „Hauptamt für Aufklärung und Werbung“ der Studentenschaft der TH Dresden. Sie richtete sogar eine „Bücherberatungsstelle“ im Studentenhaus an der Mommsenstraße ein, die entschied, welche Bücher zu verbrennen waren. Daneben konnten Bücher ihre Bücher für die Bücherverbrennung in der Sächsischen Landesbibliothek, der Stadtbibliothek und in der Bücherei des Pädagogischen Instituts der Hochschule abgeben. Die Bücherverbrennung fand in der Nähe der Hochschule statt, an der Bismarcksäule zwischen Räcknitz- und Südhöhe.

Die Bücherverbrennung begann mit einer Veranstaltung im großen Saal des Studentenhauses, Studenten erschienen in SA- und SS-Uniformen, außerdem nahmen viele Professoren, Abgesandte von Behörden und der Presse teil. Die Ansprache hielt der Gauobmann des NS-Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller Will Vesper. Im Anschluss an den Festakt ging es mit einem Fackelzug zur Bismarcksäule, wo der Vorsitzende der Studentenschaft eine Eröffnungsrede hielt, ehe die Bücher ins Feuer geworfen wurden.

Information zur Bücherverbrennung in Dresden

Großtante Katharina

Heute erlaube ich einen kleinen Blick hinter die Kulissen meiner Autorenwerkstatt. Mein Roman hat zwei Handlungsstränge, er spielt teilweise in unserer Zeit und teilweise in der ersten Jahreshälfte 1933. Die Idee zu dem Projekt hatte ich schon länger und es war immer klar, dass eine junge Frau aus der Jetzt-Zeit sich auf Spurensuche begibt.

Das Problem, das sich mir stellte, war, einen Beziehung zwischen der jungen Frau von 1933 und der jungen Frau von 2009 herzustellen. Nun ist die junge Katharina aus den 30er Jahren die Großtante der Karina von 2009. Schon kam Kritik von einem Verlag, die verwandtschaftlichen Beziehungen wären zu komple. Ich, mit meiner großen Verwandtschaft im Münsterland, konnte das gar nicht verstehen. Daher für all jene, die nicht ganz so firm sind, ein kleiner Exkurs in Sachen verwandtschaflicher Beziehungen.

Die Großtante ist die Schwester eines Großvaters oder einer Großmutter, also eine Tante von Vater oder Mutter.

Großtante Katharina, die im Roman nur Tante Katharina genannt wird, ist Anfang 1933 Mitte zwanzig, sie arbeitet im Haushalt des jüdischen Buchhändlers Jakob Weizmann, ist mit einem Malergesellen verlobt und lebt wie zu der Zeit üblich noch bei ihren Eltern. Die Stelle bei dem Buchhändler ist ihre zweite Stelle, was eher ungewöhnlich ist. Sie musste ihre vorherige Stelle im Haushalt eines Arztes aus Gründen, die im Buch erst nach und nach klar werden, aufgeben. Bei ihrer ersten Stelle hat sie zum einen ihre Liebe zu Büchern vertiefen können und sie wurde mehr oder weniger gezwungen, Hochdeutsch zu sprechen.

Bücherverbrennung in Bonn

Die Bücherverbrennung in Bonn fand am 10. Mai auf dem Marktplatz statt. Sie wurde vom Studentenfürher Walter Schlevogt eröffnet, der außerordentliche Professor für Kunstgeschichte, Eugen Lüthgen, hielt von der Freitreppe des Alten Rathauses die Eröffnungsrede, während die Feuer schon brannten. Der Ordinarius für Deutsche Philologie, Hans Naumann, sprach ein Grußwort und forderte die Studenten auf, sich für den Nationalsozialismus zu engagieren.

Information des Bonner Stadtmuseums

Broschüre der Stadt Bonn zum Erinnerungsmal

Aufruf der Uni vom April zur Unterstützung eines Mahnmals

Mahnmal kommt auf den Markt

Jüdischer Kalender

Wenn man sich mit den Anfängen des dritten Reichs beschäftigt, gehört dazu zwangsläufig auch eine Recherche zum Thema Judenverfolgung und jüdische Kultur. Dabei habe ich viele neue Informationen gesammelt, obwohl ich dachte, ich wäre schon tief in die jüdische Kultur eingestiegen, als ich vor einigen Jahren die Rabbi-Krimis von Harry Kemelmann gelesen habe. 🙂 Ein Ergebnis meiner Recherche spielt eine ganz besondere Rolle in dem Roman, die ich natürlich jetzt noch nicht verrate. Es ist der jüdische Kalender. Wie der gregorianische Kalender, den ich täglich nutze, gliedert sich der jüdische Kalender in Tage, Monate und Jahre. Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Ein Tag wird von Abend bis Abend gerechnet, die Monate haben chaldäische Namen wie Tischri, Kislew oder Elul. Die Jahre werden ab der biblischen Schöpfung der Welt gezählt, die auf das Jahr 3.761 v. Christus datiert wird. Das heißt 2012 ist – je nachdem, in welchem  Monat man sich befindet 5772 oder 5773.

Hier habe ich das umgerechnet.

und hier gibt es weitere Informationen zum jüdischen Kalender.

Die „richtigen“ Vornamen

Ich gehöre zu den Autoren, denen Namen viel wichtiger sind als das Aussehen der Romanfiguren. Das heißt aber auch, dass ich lange nach Namen suche, die zur Figur passen, zur Zeit und Region, in der die Figur lebt. Ich gehe davon aus, dass es vielen geht wie mir, dass sie mit einem Namen gleich das Bild eines Menschen, den sie kennen verknüpfen – ob sie ihn nun persönlich oder aus den Medien kennen. Zum Glück gibt es im Internet viele Übersichten von Namen, die in bestimmten Zeiten „in“ waren, aber auch Namen aus anderen Ländern und Kulturen.

Auf den Namen „Katharina“ für die Hauptfigur aus den 30er Jahren ist meine Wahl übrigens gefallen, weil ich aus meiner Kindheit noch im Ohr habe, wie meine Eltern sich auf Plattdeutsch über eine alte Frau namens „Kothrin“ unterhielten. „Kothrin“ ist die plattdeutsche Form von Katharina und meine Erinnerung an diese Frau, die ich gar nicht kannte, passte zu meiner Hauptfigur.

Für die Hauptfigur der heutigen Zeit habe ich einen Namen gesucht, der sich aus Katharina bilden lässt. Zur Auswahl standen: Katrin, Rina, Ina, Karina, Tina.

Hier gibt es übrigens die beliebtesten Vornamen von 1890 (!) bis 201.

Hans Natonek

Hans Natonek, auch N. O. Kent, wurde am 28. Oktober 1892 in Prag geboren. Nach einem Studium der Philosophie arbeitete er ab 1913 zunächst als Journalist, u. a. in Leipzig für die „Vossische Zeitung“ und die „Frankfurter Zeitung“ und war von 1926 an Feuilletonchef der Neuen Leipziger Zeitung. Dier Machtergreifung der Nationalsozialisten brachte ihn 1933 als getauften Juden nach Prag zurück. Von hier aus floh er 1938 zunächst nach Paris und schließlich über Lissabon nach New York. Natonek starb am 23. Oktober 1963 ohne, dass er an seine Erfolge vor dem Krieg anknüpfen konnte.

Seine Werke sind neben vielen Zeitungsartikeln und Essays:
1927  Schminke und Alltag, Sammlung von Feuilletons, Kritiken, Glossen, Essays
1929 Der Mann, der nie genug hat, Roman
1930 Geld regiert die Welt, Roman
1932 Kinder der Stadt, Roman
Die Paß-Stunde von Hans Natonek (PDF)

Artikel über Leben und Werk