Die betenden Hände von Albrecht Dürer

Manche Dinge schleichen sich in ein Manuskript, ohne dass ich das möchte und ich wundere mich manchmal darüber, was dort auftaucht.

So erging es mir mit den betenden Händen von Albrecht Dürer, die weder in meiner Wohnung noch in meinem Büro hängen. Aber ich erinnere mich, dass sie in meinem Elternhaus und auch in den Wohnungen von Verwandten hingen. So ist mir das Bild wohl in den Sinn gekommen, als ich einen Gegenstand brauchte, hinter dem ich etwas verstecken konnte.

Auf der Suche nach einem passenden Bild oder Link habe ich festgestellt, dass sie keineswegs „out“ sind, sondern sogar als Tattoo-Vorlage existieren. Sachen gibt’s!

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Kaufhaus Lebenstein

In meinem Roman wird das Kaufhaus Lebenstein erwähnt. Dieses Kaufhaus gab es wirklich, darüber habe ich in einem Jahrbuch des Kreises Borken gelesen. Dort wurde ein Zeitungsartikel aus der Borkener Zeitung erwähnt, demzufolge im März auf das Kaufhaus Lebenstein in Groß Reken ein Brandanschlag verübt wurde.

Das Kaufhaus hat wirklich einem Herrn Levinstein gehört, der tatsächlich ein Auto besaß, das habe ich irgendwo gelesen, aber er ist keinesfalls nach Borken zu Herrn Weizmann gefahren, weil es den in Wirklichkeit nicht gegeben hat, ich mir den ausgedacht habe.

Mehr über die jüdische Gemeinde Reken

1.4.1933 Boykott jüdischer Geschäfte

Am 1. April 1933 begann der Boykott jüdischer Geschäfte, das lasse ich Karina in meinem Roman „Brandbücher“ recherchieren.

Um 10.00 Uhr begann der Boykott, der mit den Parolen „Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden“ angestachelt wurde.

Initiator der Aktion war Gauleiter Julius Streicher. Betroffen waren jüdische Ärzte, Rechtsanwälte und Geschäfte, also auch eine Buchhandlung, wie sie einer der Protagonisten in meinem Roman bzw. sein Vater besitzt.

 

Rundfunk im Münsterland

Beim Schreiben meines Romans „Brandbücher“ tauchte die Frage auf, ob meine Protagonisten 1933 schon Radion hören konnten. Dank Internet weiß ich: Ja, sie konnten. Bei der Recherche habe ich gleich einen kleinen Einblick in die Geschichte des Rundfunks bekommen. Bis zum 21. März 1932 gab es in Münster nämlich eine Sendeanlage für den Rundfunk, die zugunsten des Sendemasten Langenberg abgeschaltet wurde. Rund 10.000 Hörer nahmen das zum Anlass, um ihre Empfangsgeräte abzumelden.

Es ist also durchaus möglich, dass meine Protagonistin gelegentlich Radio gehört hat, wenn auch nicht über den Sender Münster, sondern über Langenberg.

WDR-Geschichte

Der Malergeselle Gerhard

Meine Protagonistin aus den 30er Jahren hat einen Freund. In Erinnerung an meinen verstorbenen Vater habe ich ihm den Beruf des Malergesellen angedichtet. In dem Kapitel, das heute vor 80 Jahren spielt, erfahren die Leser, dass Gerhards Traum ist, Hausmaler zu werden. Auf seiner Wanderschaft als Handwerker hat er bemalte Häuser in Stein am Rhein gesehen. Wie ich auf diese Idee gekommen bin, weiß ich gar nicht. Manchmal zeigen meine Figuren überraschende Vorlieben. Ich erinnere mich aber gut daran, dass mein Vater oft von diesen Häusern erzählt hat und ich selbst schon als Kind beeindruckt von den „Bilderhäusern“ war, die zum Beispiel so aussehen:

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Brandbücher

In 100 Tagen jährt sich der Tag der Bücherverbrennung zum 80sten Mal. Vor 100 Tagen haben ich diesen Blog gestartet, um schon im Vorfeld des Jahrestages immer wieder auf diese Aktion hinzuweisen. Sicher gab es 1933 Ereignisse, die politisch weitaus bedeutsamer waren und ohne Zweifel gab es im Dritten Reich entsetzlichere Aktionen als die der Bücherverbrennung. Zum Glück wird an diese historischen Ereignisse in diesen Tagen und auch in den nächsten Wochen und Monaten in Veranstaltungen, Zeitungen, Filmen und Dokumentationen immer wieder erinnert.

Ich widme mich mit dem Gedenken an die Bücherverbrennung aus vielen Gründen,

  • weil ich es immer noch erschreckend finde, dass es ausgerechnet die Studenten und Professoren waren, die sich so frühzeitig so stark engagiert haben,
  • weil ich, aus meiner heutigen Kenntnis heraus, wie lange es dauert, Initiativen und Projekte ins Leben zu rufen, erstaunt bin, was Anfang der 30er Jahre ohne Internet, Mail und Mobiltelefon in kurzer Zeit möglich war,
  • weil ich die Ereignisse in Münster, wo ich in den 80er Jahren studiert habe, in meinem Roman verarbeitet habe.

Vor 100 Tagen habe ich noch ein Verlagszuhause für meine Geschichte gesucht. Inzwischen habe ich sie gefunden.

Der Roman wird unter dem Titel „Brandbücher“ im Gmeiner Verlag erscheinen, darüber freue ich mich sehr. Das Buch wird ab dem 1. Juli im Buchhandel sein und am 10. Juli wird im Theater an der Volme in Hagen die Buchpremiere stattfinden, auch darüber freue ich mich, hat das Theater doch mit Stücken über Erich Kästner und Mascha Kaléko einen ganz direkten Bezug zum Thema meines Romans.

Heute vor 80 Jahren beginnt auch der geschichtliche Teil meines Romans, als Blogleser werden Sie in den folgenden Monaten mitbekommen, was die Figuren aus den 30er Jahren umtreibt und wie sie die historischen Ereignisse kommentieren. Daneben gibt es weiterhin Informationen über Orte und Autoren, aber auch Hinweise auf Veranstaltungen und Medien zum Gedenken der Bücherverbrennung.

Kleine Sorgen im Schreiballtag

Ehe es dann in den nächsten Tagen weitergeht mit den Orten der Bücherverbrennung,  erlaube ich heute einen Blick auf kleine Stolperfallen beim Schreiben des Romans über die Bücherverbrennung.

Da schreibe ich munter vor mich hin und frage mich plötzlich: Wie sah eigentlich ein Mitgliedsbuch der NSDAP aus? Woher soll ich das auch wissen, wenn selbst meine Eltern noch Kinder waren im dritten Reich und ich meine Großeltern nicht kennengelernt habe. Im Internet findet man alles, auch dieses, ich verzichte hier auf einen Link, um nicht noch Werbung zu machen. Aber eines kann ich verraten, man findet es nicht nur auf den Seiten von Museen, es wird auch zum Verkauf angeboten.

Wenn ich mich noch so sehr in das Jahr 1933 hineindenke, Musik aus der Zeit höre, mir Bilder ansehen und Bücher – in der nicht immer leicht zu lesenden Schrift – lese, werde ich manchmal unsicher und frage mich, ob es damals schon Kaffeefilter gab und wann eigentlich Scheren erfunden wurden. Plötzlich hinterfrage ich jedes kleinste Detail. Für Neugierige: Kaffeefilter wurden von Melitta (!) Bentz 1908 erfunden und Scheren gab es natürlich schon locker 2.000 Jahre. Wann genau die Scheren von wem erfunden wurden, konnte ich nicht herausfinden, aber mir reichte die Information, dass meine Protagonisten schon Scheren nutzen konnten. Die nächste Frage, die auftauchte, war dann die nach dem Klebstoff. Um die Recherche habe ich mich gedrückt und mir etwas anderes ausgedacht. Was, verrate ich natürlich noch nicht.

Comedian Harmonists

Am 13. Januar 1933 gaben die Comedian Harmonists ein Konzert in der Stadthalle in Münster, fünf Jahre nach ihrer allerersten gemeinsamen Probe am 16. Januar 1928. Ich konnte keinen Roman über die Anfänge des dritten Reichs ohne sie schreiben. Für mich ein Teil der Musikgeschichte, der durch die Nationalsozialisten zerstört wurde. So lasse ich Katharina von den jungen Männern schwärmen und Karina das Lied „Der kleine grüne Kaktus“ im Radio hören.

Die Comedian Harmonists waren quasi die erste Boygroup, die 1927 von Harry Frommermann initiiert wurde. Trotz einiger Klippen vor dem ersten Auftritt am 28. September 1928 hatte das Sextett in der Folgezeit einen großen Erfolg. Sogar im Ausland wurden Robert Biberti, Erwin Bootz, Roman Cycowski, Harry Frommermann, Ari Leschnikoff, Walter Nußbaum (später ersetzt durch Erich Collin) bejubelt. Als Hitler an die Macht kam, änderte sich die Situation, weil drei der Ensemble-Mitglieder Juden waren. Auftritte wurden abgesagt, es gab ein offizielles Auftritts-Verbot und schließlich brach die Gruppe 1935  auseinander.

Der kleine grüne Kaktus
Zum Film „Comedian Harmonists“

 

Mercedes 22

Heute gibt es wieder einen kleinen Einblick in die Arbeit an meinem Roman über die Bücherverbrennung. Natürlich kam in der Geschichte ein Auto vor. Bei meiner Recherche stellte ich fest, dass Landärzte häufig Mercedes fuhren. Allerdings tauchte bei der Überprüfung der historischen Fakten ein Problem auf. Ich ließ den Landarzt ursprünglich einen Mercedes 170 fahren und seinen Fahrer dennoch den Kurbel-Anlasser bedienen. Auto-Experten hätten gleich gemerkt, dass das nicht zusammenpasste. Also habe ich mich an das Unternehmen Daimler gewandt und gefragt, welcher Mercedes mit Anlasser-Kurbel 1933 noch unterwegs gewesen sein könnte. Siehe da, abends habe ich die Anfrage abgeschickt, am nächsten Vormittag hatte ich eine präzise Antwort mit Bild, die mich vor einer Blamage bewahrt hat. Jetzt, wo ich weiß, wonach ich suchen muss, kann ich hier auch einen Link zu dem Fahrzeug einstellen.

 

Steine auf dem Grab

Heute gibt es einen kleinen Einblick in die Recherche zu meinem Roman. Samuel verheimlicht seinem Vater, dass das Grab seiner Mutter wiederholt geschändet wurde und die Steine, die er auf ihren Grabstein legt, verstreut wurden.

Mich fasziniert dieser jüdische Brauch, beim Besuch eines Grabes, Steine niederzulegen, um den Toten zu ehren, schon länger. Daher musste ich ihn unbedingt in meinem Roman erwähnen. Ich glaube, es war der Film „Schindlers Liste“, in dem mir dieser Brauch zum ersten Mal aufgefallen ist. Ich weiß aber, dass mir schon vorher auf jüdischen Friedhöfen die Steine aufgefallen sind. Aber wie das oft so ist, ich habe sie gesehen und als ich zu Hause war, hatte ich vergessen, dass ich die Hintergründe herausfinden wollte. (Mit meinem Tablet würde mir das heute nicht mehr passieren.)

Der Brauch stammt erst aus dem 19. Jahrhundert und wie für so vieles, was sich überliefert hat, gibt es verschiedene Erklärungen, von bis zu 40 verschiedenen Lesarten ist sogar die Rede. Die einzig wahre Antwort habe ich nicht gefunden bei meiner Suche, aber fasziniert bin ich weiterhin.

Warum legen Jüdinnen und Juden Steine auf das Grab?

Weitere Antwortversuche

Informationen über die Rituale des jüdischen Totengedenkens