Klaus Mann

„Ich muss berühmt werden“, soll der älteste Sohn Thomas Manns schon als Kind geschrieben haben. Die Begabung dazu hatte Klaus Mann, der am 18. November 1906 geboren wurde. Schon früh schrieb er Erzählungen, Gedichte und kleine Dramen und spielte Theater. Doch gelang es ihm nie, sich innerlich von dem berühmten Vater zu lösen; stets befand er sich im Zwiespalt zwischen Flucht vor dem väterlichen Vorbild und Suche nach Anerkennung. Dabei verfing er sich in sexuellen und Drogen-Exzessen. Neben seinem Vater quälte ihn die Entwicklung in Deutschland der Nationalsozialismus, die er schon früh anprangerte.

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Franz Werfel

werfelFranz Werfel, am 10. September 1890 in Prag geboren, galt als einer der Hauptvertreter des literarischen Expressionismus. Dass er sich bei den erzkonservativen Kräften, die die Bücherverbrennung beförderten, keine Freunde machte, ist daher nicht verwunderlich. Bereits 1933 wurde er aus der Akademie der Künste ausgeschlossen.

Seine literarische Karriere begann Franz Werfel bereits während der Schulzeit, als seine ersten Gedichte veröffentlicht wurden. Obwohl er mit Romanen Bestseller schuf, hielt er die Gedichte Zeit seines Lebens für den wichtigsten Teil seines Werkes.

Werfel lebte in Österreich, dadurch musste er nicht wie viele andere schon 1933 emigrieren, sondern verließ die von den Nationalsozialisten bestimmte Region, erst 1938 für immer. Er lebte zunächst in Frankreich, floh von dort aus zu Fuß zusammen mit Heinrich Mann und seiner Frau Nelly nach Spanien und zog am Ende in den USA, wo er am 26. August 1945 starb.

Eine Auswahl seiner Werke:

  • 1920 Nicht der Mörder, der Ermordete ist schuldig
  • 1924 Verdi. Roman der Oper
  • 1927 Der Tod des Kleinbürgers
  • 1927 Geheimnis eines Menschen (Novellen)
  • 1928 Der Abituriententag. Die Geschichte einer Jugendschuld
  • 1929 Barbara oder die Frömmigkeit
  • 1931 Die Geschwister von Neapel
  • 1931 Kleine Verhältnisse

Biografie

Marcel Reich-Ranicki über Werfel: „Sein Werk durchziehen Widersprüche“

Lion Feuchtwanger

feuchtwangerbDer jüdische Buchhändler Jakob Weizmann in meinem Roman räumt seine Bücher um, als er einen ersten Verdacht hat, dass ihm manche Bücher gefährlich werden könnten. Er stellte unter anderem die Bücher von Feuchtwanger weg und das Buch „Jud Süß“ über den Juden Oppenheimer, einem Ratgeber des Herzogs von Württemberg, der nach dem Tod des Herzogs aus fadenscheinigen Gründen hingerichtet wurde.

Lion Feuchtwanger war fester Bestandteil des Kulturlebens der Weimarer Republik als Autor und Herausgeber von Zeitschriften. Er wurde am 7. Juni 1884 in München geboren und gründete bereits 1908 die Kulturzeitschrift „Der Spiegel“, die später mit der „Schaubühne“ fusionierte. Während er zunächst Dramen schrieb, wandte er sich nach nach dem ersten Weltkrieg mehr den historischen Romanen zu und errangte Weltruhm mit dem Roman „Jud Süß“. Nachdem Hitler an die Macht kam, konnte Feuchtwander als Jude von einer Lesereise aus England und den USA nicht zurückkehren. Er emigrierte zunächst nach Südfrankreich und schließlich in die USA, wo er am 21. Dezember 1958 starb.

Feuchtwanger wird in dem Buch „Verboten und verbrannt“ aus dem Jahr 1947 erwähnt. Das Foto zeigt einen Ausschnitt von Seite 38.

Eine Auswahl seiner Werke:

  • 1908 Karneval in Ferrara
  • 1923 Die hässliche Herzogin
  • 1925 Jud Süß

Biografische Übersicht

Alexandra Kollontai

kollontaiEs ist gar nicht so leicht, Frauen zu finden auf der „Schwarzen Liste“ der Autoren, deren Bücher für die Verbrennung bzw. das Verbot vorgesehen waren. Alexandra Kollontai, geboren im März 1872, war eine von ihnen. Sie war Diplomatin, Revolutionärin und Schriftstellerin und gehörte wie Josef Stalin zum Zentralkommitee in Russland.

Alexandra Kollontai wurde durch einen Hauslehrer auf das Abitur vorbereitet, das sie an einem Gymnasium in St. Petersburg bestand. Sie studierte 1898 in Zürich Sozial- und Wirtschaftswissenschaften und engagierste sich früh für die Gleichberechtigung der Frau. In ihren Büchern kritisierte sie häufig die russische Regierung, was dazu führte, dass sie wiederholt verhaftet wurde und schließlich 1908 nach Paris und in die USA emigrierte. Die Schriftstellerin war immer unterwegs, sie lebte zeitweise auch in Deutschland und Schweden, bekam aber überall Probleme wegen ihrer Nähe zum Marxismus.

Ab 1917 egngagierte Alexandra Kollontai sich politisch in Russland, je nach Regime wurde sie verhaftet oder gefeiert. Ihr Verdienst ist es, dass in der Sowjetunion Anfang des 20sten Jahrhunderts das Eherecht gelockert, der Mutterschutz verbessert und das Recht auf Schwangerschaftsabbruch eingeführt wurde.

Sie starb am 9. März 1952, nachdem sie bis zu ihrem Tod die sowjetische Regierung beraten hat.

Ihre Bücher wurden sicher wegen ihrer Nähe zum Marxismus und Kommunismus verbrannt, obwohl sie zur Zeit der Bücherverbrennung gar nicht in Deutschland lebte.

Auswahl ihrer Werke:

  • 1925 Wege der Liebe. Drei Erzählungen
  • 1925 Wassilissa Malygina. Erzählungen über ‚Wege der Liebe‘ im frühen Sowjet-Russland. Frauen zwischen Ehe und Revolution

Biographie
Alexandra Kollontai und die rote Liebe

Erich Maria Remarque

remarque

Ausgabe von 1931 (Prophyläen-Verlag)

In meinem Buch erinnere ich auf besondere Weise an diesen Autor und seinen Roman „Im Westen nichts Neues“. Mein Protagonist Bruno Schulze-Möllering versucht Samuel Weizmann zu überreden, ihn ins Kino zu begleiten, weil er dort das Gleiche machen möchte, wie die Nazis bei der Uraufführung des Filmes „Im Westen nichts Neues. Damals sorgten Nazis für Störungen während des Films, u. a. haben sie mit weißen Mäusen die Zuschauer in Aufruhr versetzt.

Als Goebbels über einen Film die Machtfrage stellte (Artikel in der WELT vom 5. 12. 2010)

Erich Maria Remarque wurde am 22. Juni 1898 als Erich Paul Remark in Osnabrück geboren und starb am 25. September 1970 in Locarno. „Im Westen nichts Neues“ ist sein bekanntester Roman, der schon vor der Machtübernahme der Nazis erschienen ist und in Hollywood verfilmt wurde. Zum Kriegsgegner wurde Remarque aufgrund seiner eigenen Erfahrungen im ersten Weltkrieg. Remarque war unter anderem als Redakteur und Schriftsteller für Zeitungen tätig, „Im Westen nichts Neues“ erschien zunächst als Fortsetzungsroman, ehe die Geschichte 1928 als Buch erschien. Den Nazis waren Roman und Autor schon vor der Machtübernahme ein Dorn im Auge, wo immer möglich, wurde gegen ihn gehetzt, was Remarque veranlasste, am 31. Januar 1933 in die Schweiz überzusiedeln. Dass sein Name in den Feuersprüchen auftaucht, ist vor diesem Hintergrund nicht verwunderlich, dort hieß es:

„Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkrieges, Für Erziehung des Volkes im Geist der Wahrhaftigkeit! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Erich Maria Remarque.“

Während des Krieges lebte Remarque zeitweise in den USA, wo er aufgrund von „Im Westen nichts Neues“ und späterer Romane hohes Ansehen genoss. Nach dem Krieg lebte er zeitweise in den USA und in der Schweiz, nach Deutschland kehrte er nicht mehr zurück.

Auswahl seiner Werke:

  • 1920 Die Traumbude
  • 1921 Der Weg zurück
  • 1928 Im Westen nichts Neues
  • 1946 Arc de Triomphe
  • 1952 Der Funke Leben

Erich Maria Remarque Gesellschaft
Porträt Remarques

Kurt Tucholsky

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Ausgabe von 1929
(Ernst Rowohlt Verlag)

Kurt Tucholsky wurde am 9. Januar 1890 in Berlin geboren, er war in der Weimarer Republik einer der angesagten Journalisten und Schriftsteller. Vor allem als Redakteur der Weltbühne, bei der er zeitweise auch als Herausgeber fungierte, hat er kein Blatt vor den Mund genommen und Kritik an der Gesellschaft geübt. Unter seinem Namen und den Pseudonymen Ignaz Wrobel, Peter Panter, Kaspar Hauser und Theobald Tiger nahm er alles unter die Lupe, was sich in seiner Zeit tat. Auch vor den Nationalsozialisten und ihren Ideen machte er nicht halt und erschrieb sich so einen Platz in den Feuersprüchen. Mit dem Ruf

„Gegen Frechheit und Anmaßung, Für Achtung und Ehrfurcht vor dem unsterblichen deutschen Volksgeist! Verschlinge, Flamme, auch die Schriften der Tucholsky und Ossietzky!“

wurden seine Werke am 10. Mai 1933 verbrannt.

Schon 1912 machte er als Schriftsteller mit „Rheinsberg“ von sich reden, seine letzte längere Arbeit „Schloss Gripsholm“ erschien 1931 im Rowohlt-Verlag. Tucholsky war, was viele nicht wissen, Jurist. Er hat sein Studium mit der Promotion abgeschlossen, allerdings schon während des Studiums als Literatur- und Theaterkritiker gearbeitet. Kurz nach Abschluss des Studiums wurde er als Soldat eingezogen, während des Krieges gab er die Zeitschrift „Der Flieger“ heraus und knüpfte nach dem Krieg an seine frühere journalistische Laufbahn an.

Tucholsky starb am 21. Dezember 1935 im Exil in Schweden, wohin er bereits 1929 emigriert war.

Auswahl der Werke:

  • 1912 Rheinsberg. Ein Bilderbuch für Verliebte.
  • 1914 Die Zeitsparer
  • 1928 Mit 5 PS
  • 1931 Schloss Gripsholm

Leben & Werk
Werke im Projekt Gutenberg

Kurt Tucholsky Gesellschaft

„Verbrannte Bücher – verfemte Komponisten“ (CD)

Für all jene, die sich schnell einen Eindruck verschaffen möchten, welche Werke die Nationalsozialisten verbrannten und verboten, eignet sich die wunderbare CD „Verbrannte Bücher – verfemte Komponisten“.

Iris Berben liest hier Texte verfolgter Autoren wie Bertolt Brecht, Stefan Zweig, Irmgard Keun und Kurt Tucholsky und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim spielt vergessene Stücke von Karl Amadeus Hartmann, Max Bruch und Ernst Křenek.

Daneben sind Auszüge aus den Feuersprüchen zu hören, was der CD zusätzlich eine Eindringlichkeit verleiht, die schon Iris Berben und das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim durch ihre eindrucksvollen Darbietungen vermitteln. Eine CD, die mehr ist als ein Hörbuch, weil sie Geschichte lebendig macht.

Die CD ist aus einem Lesungsprojekt entstanden, mit dem Iris Berben noch immer gelegentlich auftritt, also Augen auf. Aktuelle Termine habe ich im Internet nicht gefunden.

 Trailer zur Lesung auf YouTube
Auszug aus der Lesung auf You Tube

Alfred Kerr

Alfred Kerr, geb. am 25. Dezember 1867, war bis 1933 einer der Literatur- und Theaterkritiker und schrieb daneben auch selbst, vielen ist er aus dem Buch seiner Tochter Judith Kerr „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ bekannt. Kerr geriet sowohl als Jude als auch durch seine Glossen gegen die NSDAP in den Blickwinkel derjenigen, die Feuersprüche verfassten und fand sich dort wieder:

„Gegen dünkelhafte Verhunzung der deutschen Sprache, Für Pflege des kostbarsten Gutes unseres Volkes! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Alfred Kerr.“

Kerr verließ Deutschland bereits am 15. Februar 1933 und lebte während des Nationalsozialismus in der Schweiz, in den USA und am Schluss in London. Nach dem Krieg arbeitete er für Die Welt und Die Neue Zeitung und übersiedelte, obwohl er 1947 britischer Staatsbürger wurde nach Deutschland. Schon kurz darauf erlitt er einen Schlaganfall, von dessen Folgen er sich selbst am 12. Oktober 1948 mit Schlaftabletten erlöste.

Eine Auswahl seiner Werke:

  • 1898 Godwi. Ein Kapitel deutscher Romantik
  • 1917 Die Welt im Drama. 5 Bände
  • 1920 Die Welt im Licht. 2 Bände
  • 1923 New York und London. Stätten des Geschicks

Biografie
Interview mit Judith Kerr über ihren Vater

Heinrich Mann

Anders als sein Bruder Thomas, fand sich Heinrich Mann, geboren am 27. März 1881, mit seinen Werken nicht nur auf der schwarzen Liste wieder, sondern auch in den Feuersprüchen:

„Gegen Dekadenz und moralischen Verfall! Für Zucht und Sitte in Familie und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Mann, Ernst Glaeser und Erich Kästner.“

Er hatte nicht nur mit seinem Roman „Professor Unrat“ für Furore gesorgt, auch sein Aufruf an die Kommunisten und die Sozialdemokraten, sich gemeinsam gegen die Nationalsozialisten zu verbünden, machte ihn zur persona non grata.

Im Februar 1933 wurde er gezwunden, die Präsidentschaft über die Dichtkunstsektion der Preußischen Akademie der Künste niederzulegen. Noch vor dem Reichstagsbrand Ende Februar verließ er Deutschland. Zunächst lebte er einige Jahre in Frankreich, ehe er über Spanien und Portugal in die USA auswanderte, wo er sich jedoch nie richtig wohl fühlte. Zu einer Rückkehr nach Deutschland kam es jedoch nicht mehr, er starb kurz vor seiner Übersiedlung in die DDR am 11. März 1950 in Kalifornien.

Seine Werke u. a.

  • 1891 Haltlos
  • 1984 In einer Familie
  • 1905 Flöten und Dolche
  • 1905 Professor Unrat oder Das Ende eines Tyrannen. (auch: Der Blaue Engel)
  • 1907 Zwischen den Rassen
  • 1909 Die kleine Stadt
  • 1918 Der Untertan

Werke von Heinrich Mann zum Nachlesen
Lebenslauf

Friedrich Wilhelm Förster

Dem Pädagogen, Philosophen und Pazifisten Friedrich Wilhelm Förster, geboren am 2. Juni 1869, wurde ein eigener Feuerspruch gewidmet:

„Gegen Gesinnungslumperei und politischen Verrat, Für Hingabe in Volk und Staat! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Heinrich Friedhelm Förster.“ (Trotz des unterschiedlichen Vornamens konnte die Forschung feststellen, dass es sich beim dem erwähnten Autor um Friedrich Wilhem Förster handelt.)

Förster war den Nationalsozialisten vor allem deshalb ein Dorn im Auge, weil er sich kritisch mit dem ersten Weltkrieg und mit Krieg überhaupt auseinandersetzte. Seine Ansichten brachten ihn nicht erst unter den Nationalsozialisten in Gefahr, schon in den 20er Jahren musste er fliehen, weil er Todesdrohungen erhielt. Förster emigrierte über Frankreich, die Schweiz und Portugal in die USA, wo er bis 1963 lebte. Dann siedelte er nach Kilchberg in der Schweiz um, wo er am 9. Januar 1966 starb.

Seine Werke u. a.

  • 1907 Schule und Charakter: Beiträge zur Pädagogik des Gehorsams und zur Reform der Schuldisziplin.
  • 1909 Christentum und Klassenkampf. Sozialethische und sozialpädagogische Betrachtungen.
  • 1919 Weltpolitik und Weltgewissen.
  • 1920 Sexualethik und Sexualpädagogik.
  • 1920 Mein Kampf gegen das militaristische und nationalistische Deutschland.