Ausstellungsdokumentation Uni Düsseldorf

webunidEher versteckt auf den Internetseiten der Universität Düsseldorf findet sich eine wertvolle Dokumentation zum Projektseminar ‚Literatur und Verfolgung ab 1933‘, dessen Ergebnisse 2003 in der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf ausgestellt wurden. Den Schwerpunkt der Dokumentation bilden einige Autoren, die

  • von den Nazis ermordet wurden: Erich Mühsam, Adam Kuckhoff, Maria Leitner
  • im erzwungenen Exil politisch aktiv waren: Anna Seghers, Heinrich Mann, Klaus Mann,
  • sich im Exil umbrachten: Ernst Toller, Walter Hasenclever, Walter Benjamin, Stefan Zweig, Ernst Weiß
  • in Deutschland blieben und verboten wurden: Reinhold Schneider, Irmgard Keun, Elisabeth Langgässer

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Aktion „Bücher aus dem Feuer“

Auch für den Gedenktag an die Bücherverbrennung 2013 findet sich auf der Seite www.buecherlesung.de wieder eine Übersicht von Gedenkveranstaltungen in Deutschland. Wer selbst Internetseiten pflegt, weiß, welcher Aufwand dahintersteckt und ich wollte wissen, wer sich solche Mühe macht. Ich habe Ursula Buchner kontaktiert, die die Termine entgegennimmt und einpflegt, und sie hat mich an Gerhard Schmitt-Thiel, der die Aktion 2005 mit initiiert hat, verwiesen. Vielen Dank, Herr Schmitt-Thiel für das Interview.

buecherlesungk

Wie kam es zu der Internetseite www.buecherlesung.de?
Die Aktion “Bücher aus dem Feuer” gibt es seit 2005. Ideeller Träger war der Berufsverband Deutscher Schauspieler e. V. (IDS) vertreten durch Wolfgang Klein mit Unterstützung durch das Paul-Klinger-Künstlersozialwerk e. V. vertreten durch Gerhard Schmitt-Thiel und der Aktion Patenschaften für verbrannte Bücher.

Wer steckt genau hinter der Seite?
Im Jahr 2006 stieg dann der IDS aus und die Homepage wurde auf Ursula Buchner übertragen (also genaugenommen steckt sie hinter der Seite).
Als “Verantwortliche” waren Helene Freund (eine vor vier Jahren verstorbene Schauspielerin), Ursula Buchner und ich benannt. Nach Helenes Tod blieben nur noch Ursula Buchner und ich übrig, also lt. Impressum sind Ursula Buchner und ich die zwei “Verantwortlichen”.

Warum finden Sie es wichtig, dass immer wieder an die Bücherverbrennung 1933 erinnert wird?
Ich finde es wichtig auf diese Schandtat immer wieder hinzuweisen, damit sich so etwas nicht wiederholen kann und die nicht verstummen wollende Ideologie der Nazis in unseren Tagen gibt ja hinreichend Zeugnis für die Notwendigkeit dieser Mahnung!

Wann haben Sie begonnen, sich dafür zu engagieren, dass der Tag nicht in Vergessenheit gerät?
Ich bin immer schon aktiv gegen das Vergessen und Verdrängen unserer Vergangenheit eingetreten und habe dann, durch den IDS angestoßen, Lesungen organisiert und an Lesungen – z. B. auf dem Königsplatz in München, wo die Verbrennung seinerzeit stattfand und der Aktionskünstler Wolfram Kastner seit 2003 Lesungen veranstaltet – gelesen.
Da ich der Meinung bin, dass es gar nicht genug Hinweise und Erinnerungen an die Bücherverbrennung geben kann, habe ich dann in Absprache mit dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude eine weitere Lesung ‚mitten in der Stadt‘ organisiert, an der neben prominenten Zeitgenossen auch Schüler und Studenten teilnehmen.
Wunderbar fänd ich es, wenn an jedem 10.Mai überall in Deutschland in Theatern, Buchhandlungen etc gelesen würde und so die mahnende Erinnerung wach bleiben würde, denn so etwas darf sich niemals wiederholen!!

www.buecherlesung.de
www.gerhard.schmitt-thiel.de

Online-Atlas zur Bücherverbrennung

Der Fotograf Jan Schenck arbeitet derzeit an dem Projekt „Verbrannte Orte“, einem Onlineatlas, in dem an die Bücherverbrennungen im Zeichen des Nationalsozialismus mit Fotos erinnert wird.

Ich habe ihn gefragt, wie er auf die Idee kam und was er sich von dieser Aktion verspricht.

1. Was genau planen Sie zum Gedenken der Bücherverbrennung 1933?

An kaum einem Ort der Verbrennungen gibt es heute eine sichtbare Erinnerung. Aus diesem Anlass habe ich mir zum Ziel gesetzt, diese Orte zu dokumentieren und mit geschichtlichen Erläuterungen und Erinnerungen von ZeitzeugInnen darzustellen.

Wie sehen diese Orte 80 Jahre nach den Bücherverbrennungen aus?
Was passiert dort heute und betrachten wir diese Orte anders wenn wir wissen, was dort passiert ist?
Auf der Internetseite http://verbrannte-orte.de soll im Laufe der Zeit ein Atlas entstehen. Interaktive Panoramen ermöglichen dem Besucher, sich den „Verbrannten Orten“ zu nähern. Großformataufnahmen rücken ausgewählte Perspektiven ins Blickfeld und Texte bieten eine inhaltliche Auseinandersetzung.

2. Wie kamen Sie auf die Idee, diese Aktion zu initiieren?

Vor einigen Jahren hab ich ein Buch zu den Bücherverbrennungen gelesen und war erstaunt, an wie vielen Orten es Verbrennungen gab. Zusammen mit meiner generellen Leidenschaft für Bücher, aber auch speziell für einige der Verbrannten Autoren wuchs in meinem Kopf die Idee heran mich dem Thema fotografisch zu näheren. Nach vielen Überlegungen und Gesprächen entwickelte sich dann die Darstellungsform des Onlineatlas heraus.

3. Warum ist es wichtig, sich an die Bücherverbrennung zu erinnern?

Ich denke, dass solche Ereignisse nicht in Vergessenheit geraten dürfe. Die Bücherverbrennungen waren ja ein Ankündigung für das was dann später schlimmeres passiert ist. Außerdem finde ich es wichtig die historische Bedeutung von Plätzen bekannt zu machen damit vielleicht auch ein andere Blick auf das Heute entsteht.

4. Was sollte man über Sie als Initiator/Veranstalter wissen?

Ich schreibe ungern über mich, deswegen hier einfach der Text aus meiner Projektbeschreibung.

Mein Name ist Jan Schenck, 2007 habe ich mein Fotografiestudium an der Ostkreuzschule in Berlin abgeschlossen und arbeite seitdem u.a. als freier Fotograf. Meine Schwerpunkte liegen in der Reportage- und Theaterfotografie. Ich versuche hauptsächlich Projekte zu verwirklichen, deren Themen mir wichtig sind. Mittels meiner Projekte will ich Inhalte transportieren und bediene mich dabei nicht nur der Fotografie sondern lege auch großen Wert auf Texte und Interaktionen. Wichtig ist mir außerdem, dass möglichst viele Menschen Zugang zu meiner Arbeit haben. Das Internet ist dabei für mich ein gutes und geeignetes Medium.

Mehr Informationen zu mir findet man auf meiner Internetseite: http://picturex.net

5. Man kann sich ja sogar konkret beteiligen an der Realisierung. Was muss man dafür tun?

Ich bin bei einem Projekt dieser Größenordnung auf viel Unterstützung angewiesen. Zuallererst natürlich mit einem finanziellem Beitrag zur Crowdfunding Kampagne. Ziel ist die Akquise von 3000€ innerhalb von 6 Wochen. Das Geld dient zur Entwicklung und dem Betrieb des Onlineatlas. Außerdem wird von dem Geld die Recherche und das Fotografieren der ersten 8 Orte finanziert. Ich kann das Projekt nur starten wenn die Kampagne erfolgreich ist und 3000€ zusammen kommen. Für die finanzielle Unterstützung kann man sich auf der Kampagnenseite auch auch einige kleine Prämien aussuchen. Außerdem kann man mir natürlich mit Materialien, Erinnerungen und ZeitzeugInnenberichten zu den Bücherverbrennungen helfen.

www.verbrannte-orte.de

Bildtafeln zur Bücherverbrennung

Das Haus der Bayrischen Geschichte beschäftigt sich auf besondere Weise mit der Bücherverbrennung. Auf einer Themenseite werden die Hintergründe erläutert und mit Bildtafeln dargestellt.

Die Bildtafeln vermitteln mit Fotos und Abbildungen von Originaldokumenten e von der „Aktion wider den undeutschen Geist“, zu der nicht nur die Bücherverbrennung gehörte. Die Anschreiben der Studentenschaft sind ebenso zu sehen wie das Programm einer Bücherverbrennung, Titel von verbrannten Büchern und Bilder einiger Autoren, deren Bücher ins Feuer geworfen wurden.

Die Dokumente sind darüber hinaus einzeln zu betrachten.

Eine virtuelle Ausstellung quasi, die sich als Einstieg in die Recherche vor allem für Schüler eignet. Schulen und Bildungseinrichtungen können die Bildtafeln auch als Plakate bestellen, für Institutionen außerhalb Bayerns fällt ein Unkostenbeitrag 40 Euro an.

Hier geht es zur virtuellen Ausstellung.

 

Literaturquiz zur Bücherverbrennung

In diesem Literaturblog werden bis zum 10. Mai insgesamt 22 Autoren vorgestellt, aber nicht einfach so, sondern in Quizform. Das ist eine kleine, aber schöne Herausforderung für die Leser und verleiht der Beschäftigung mit Autorinnen und Autoren, deren Bücher verbrannt wurden oder vergessen sind, eine besondere Note. Eine gute Gelegenheit, sein Literaturwissen einzubringen oder Schriftsteller und Bücher neu zu entdecken. Und zu gewinnen gibt es auch noch etwas, Bücher natürlich von Autoren, deren Bücher verbrannt wurden. Viel Spaß und viel Glück den Betreibern des Blogs und den Teilnehmern.

Ich hatte Gelegenheit, Petra Öllinger, nach den Hintergründen ihres Projektes zu befragen:

1. Was genau planen Sie zum Gedenken der Bücherverbrennung 1933?
Das Literaturblog „Duftender Doppelpunkt“ gedenkt dem Ereignis im Rahmen des Literaturquizes „80 Jahre Bücherverbrennung“.

2. Wo und wann findet die Aktion statt?
Das dreiundzwanzigteilige Literaturquiz erscheint das ganze Jahr 2013 im Abstand von jeweils zwei Wochen. Ein Einstieg ist jederzeit möglich.
Es wird von sechs Beiträgen, die sich mit dem Thema Bücherverbrennung und Exil auseinandersetzen, inhaltlich ergänzt.

3. Wie kamen Sie auf die Idee, diese Aktion zu initiieren?
„Ohne einen entsprechenden Ort für das Exil wird in der öffentlichen Erinnerung an die Schrecken des Nationalsozialismus immer eine große Lücke bleiben. Auch diese Lücke ist eine Art von ‚Beschweigen‘. In einem Exil-Museum könnten sich die jüngeren Deutschen ein Bild machen. Es wäre Erziehung zur Anteilnahme.“
(Herta Müller „Herzwort und Kopfwort“, Der Spiegel 4/2013)
Mit dem Literaturquiz möchten wir die Menschen dazu anregen, sich aktiv mit der 1933 verbrannten Literatur und deren AutorInnen auseinanderzusetzen.
Wir wünschen uns, dass wir mit dem Literaturquiz die Bücherverbrennung vor dem „Beschweigen“ bewahren helfen.

4. Was sollte man über Sie als Initiator/Veranstalter wissen?
Die Kultur- und Wissenschaftsinitiative „Der Duft des Doppelpunktes“ wurde 2005 ins Leben gerufen.
Die „Duftenden Doppelpunkte“ widmen sich unter anderem Themen, die eher selten im literarischen Mainstream anzutreffen sind, wie zum Beispiel die Literatur der Arbeitswelt.

5. Wo können sich Interessierte über die Aktion informieren?
Alle Infos sind im Literaturblog „Duftender Doppelpunkt“ zu finden. Einen guten Überblick bietet die Seite „Literaturquiz Bücherverbrennung 1933“: Literaturquiz

Bibliothek „Verbrannte Bücher“

Die „Bibliothek verbrannter Bücher“ ist ein Projekt des Moses Mendelssohn Zentrums der Uni Potsdam.
Das Zentrum engagiert sich dafür, dass die „verbrannten Bücher“ nicht in Vergessenheit geraten. Besonders interessant für alle, die Fragen zur Bücherverbrennung haben ist das Diskussionsforum, in das jeder nach vorheriger Registrierung seine Fragen einstellen kann.
www.verbrannte-buecher.de

Euch zum Trotz

Diese Seite zum 75sten Jahrestag der Göttinger Bücherverbrennung gibt einen sehr guten Einblick in das Ereignis. Sie informiert nicht nur über den Ablauf, sondern stellt auch die Feuersprüche und die Schwarze Liste vor und weist darauf hin, welche Bücher laut Berichterstattung in Göttingen verbrannt wurden. Da tauchen dann Namen wie Helen Keller und Thomas Mann auf, die sich nicht auf der Schwarzen Liste befanden.
www.euchzumtrotz.de

Hintergrundwissen auf BR-Online

Der Bayrische Rundfunk stellt auf seiner Seite kurz die grundlegenden Informationen zur Bücherverbrennung zusammen. Informationen über die historischen Vorbilder finden sich ebenso wie der Zusammenhang zum Antisemitismus in der deutschen Studentenschaft. Die Besucher erfahren etwas über die Rolle der Professoren und schließlich darüber, wie die Aktion geplant und durchgeführt wurde.
Bayern 2 – radioWissen „Dies war das Vorspiel nur …“

Bücherverbrennungen in Westfalen

Im Internet-Portal „Westfälische Geschichte“ findet sich eine ausführliche Darstellung über die Bücherverbrennungen in Westfalen. Besonders interessant sind die vielen Links zu Zeitungsartikeln und Fotos über die Veranstaltungen in:
Münster
Dortmund
Bochum
Gladbeck

http://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/input_felder/langDatensatz_ebene4.php?urlID=616&url_tabelle=tab_websegmente