Comedian Harmonists

Am 13. Januar 1933 gaben die Comedian Harmonists ein Konzert in der Stadthalle in Münster, fünf Jahre nach ihrer allerersten gemeinsamen Probe am 16. Januar 1928. Ich konnte keinen Roman über die Anfänge des dritten Reichs ohne sie schreiben. Für mich ein Teil der Musikgeschichte, der durch die Nationalsozialisten zerstört wurde. So lasse ich Katharina von den jungen Männern schwärmen und Karina das Lied „Der kleine grüne Kaktus“ im Radio hören.

Die Comedian Harmonists waren quasi die erste Boygroup, die 1927 von Harry Frommermann initiiert wurde. Trotz einiger Klippen vor dem ersten Auftritt am 28. September 1928 hatte das Sextett in der Folgezeit einen großen Erfolg. Sogar im Ausland wurden Robert Biberti, Erwin Bootz, Roman Cycowski, Harry Frommermann, Ari Leschnikoff, Walter Nußbaum (später ersetzt durch Erich Collin) bejubelt. Als Hitler an die Macht kam, änderte sich die Situation, weil drei der Ensemble-Mitglieder Juden waren. Auftritte wurden abgesagt, es gab ein offizielles Auftritts-Verbot und schließlich brach die Gruppe 1935  auseinander.

Der kleine grüne Kaktus
Zum Film „Comedian Harmonists“

Artikel über die ersten Auftritte

Mercedes 22

Heute gibt es wieder einen kleinen Einblick in die Arbeit an meinem Roman über die Bücherverbrennung. Natürlich kam in der Geschichte ein Auto vor. Bei meiner Recherche stellte ich fest, dass Landärzte häufig Mercedes fuhren. Allerdings tauchte bei der Überprüfung der historischen Fakten ein Problem auf. Ich ließ den Landarzt ursprünglich einen Mercedes 170 fahren und seinen Fahrer dennoch den Kurbel-Anlasser bedienen. Auto-Experten hätten gleich gemerkt, dass das nicht zusammenpasste. Also habe ich mich an das Unternehmen Daimler gewandt und gefragt, welcher Mercedes mit Anlasser-Kurbel 1933 noch unterwegs gewesen sein könnte. Siehe da, abends habe ich die Anfrage abgeschickt, am nächsten Vormittag hatte ich eine präzise Antwort mit Bild, die mich vor einer Blamage bewahrt hat. Jetzt, wo ich weiß, wonach ich suchen muss, kann ich hier auch einen Link zu dem Fahrzeug einstellen.

 

Steine auf dem Grab

Heute gibt es einen kleinen Einblick in die Recherche zu meinem Roman. Samuel verheimlicht seinem Vater, dass das Grab seiner Mutter wiederholt geschändet wurde und die Steine, die er auf ihren Grabstein legt, verstreut wurden.

Mich fasziniert dieser jüdische Brauch, beim Besuch eines Grabes, Steine niederzulegen, um den Toten zu ehren, schon länger. Daher musste ich ihn unbedingt in meinem Roman erwähnen. Ich glaube, es war der Film „Schindlers Liste“, in dem mir dieser Brauch zum ersten Mal aufgefallen ist. Ich weiß aber, dass mir schon vorher auf jüdischen Friedhöfen die Steine aufgefallen sind. Aber wie das oft so ist, ich habe sie gesehen und als ich zu Hause war, hatte ich vergessen, dass ich die Hintergründe herausfinden wollte. (Mit meinem Tablet würde mir das heute nicht mehr passieren.)

Der Brauch stammt erst aus dem 19. Jahrhundert und wie für so vieles, was sich überliefert hat, gibt es verschiedene Erklärungen, von bis zu 40 verschiedenen Lesarten ist sogar die Rede. Die einzig wahre Antwort habe ich nicht gefunden bei meiner Suche, aber fasziniert bin ich weiterhin.

Warum legen Jüdinnen und Juden Steine auf das Grab?

Weitere Antwortversuche

Informationen über die Rituale des jüdischen Totengedenkens

Großtante Katharina

Heute erlaube ich einen kleinen Blick hinter die Kulissen meiner Autorenwerkstatt. Mein Roman hat zwei Handlungsstränge, er spielt teilweise in unserer Zeit und teilweise in der ersten Jahreshälfte 1933. Die Idee zu dem Projekt hatte ich schon länger und es war immer klar, dass eine junge Frau aus der Jetzt-Zeit sich auf Spurensuche begibt.

Das Problem, das sich mir stellte, war, einen Beziehung zwischen der jungen Frau von 1933 und der jungen Frau von 2009 herzustellen. Nun ist die junge Katharina aus den 30er Jahren die Großtante der Karina von 2009. Schon kam Kritik von einem Verlag, die verwandtschaftlichen Beziehungen wären zu komple. Ich, mit meiner großen Verwandtschaft im Münsterland, konnte das gar nicht verstehen. Daher für all jene, die nicht ganz so firm sind, ein kleiner Exkurs in Sachen verwandtschaflicher Beziehungen.

Die Großtante ist die Schwester eines Großvaters oder einer Großmutter, also eine Tante von Vater oder Mutter.

Großtante Katharina, die im Roman nur Tante Katharina genannt wird, ist Anfang 1933 Mitte zwanzig, sie arbeitet im Haushalt des jüdischen Buchhändlers Jakob Weizmann, ist mit einem Malergesellen verlobt und lebt wie zu der Zeit üblich noch bei ihren Eltern. Die Stelle bei dem Buchhändler ist ihre zweite Stelle, was eher ungewöhnlich ist. Sie musste ihre vorherige Stelle im Haushalt eines Arztes aus Gründen, die im Buch erst nach und nach klar werden, aufgeben. Bei ihrer ersten Stelle hat sie zum einen ihre Liebe zu Büchern vertiefen können und sie wurde mehr oder weniger gezwungen, Hochdeutsch zu sprechen.

Jüdischer Kalender

Wenn man sich mit den Anfängen des dritten Reichs beschäftigt, gehört dazu zwangsläufig auch eine Recherche zum Thema Judenverfolgung und jüdische Kultur. Dabei habe ich viele neue Informationen gesammelt, obwohl ich dachte, ich wäre schon tief in die jüdische Kultur eingestiegen, als ich vor einigen Jahren die Rabbi-Krimis von Harry Kemelmann gelesen habe. 🙂 Ein Ergebnis meiner Recherche spielt eine ganz besondere Rolle in dem Roman, die ich natürlich jetzt noch nicht verrate. Es ist der jüdische Kalender. Wie der gregorianische Kalender, den ich täglich nutze, gliedert sich der jüdische Kalender in Tage, Monate und Jahre. Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit. Ein Tag wird von Abend bis Abend gerechnet, die Monate haben chaldäische Namen wie Tischri, Kislew oder Elul. Die Jahre werden ab der biblischen Schöpfung der Welt gezählt, die auf das Jahr 3.761 v. Christus datiert wird. Das heißt 2012 ist – je nachdem, in welchem  Monat man sich befindet 5772 oder 5773.

Hier habe ich das umgerechnet.

und hier gibt es weitere Informationen zum jüdischen Kalender.

Die „richtigen“ Vornamen

Ich gehöre zu den Autoren, denen Namen viel wichtiger sind als das Aussehen der Romanfiguren. Das heißt aber auch, dass ich lange nach Namen suche, die zur Figur passen, zur Zeit und Region, in der die Figur lebt. Ich gehe davon aus, dass es vielen geht wie mir, dass sie mit einem Namen gleich das Bild eines Menschen, den sie kennen verknüpfen – ob sie ihn nun persönlich oder aus den Medien kennen. Zum Glück gibt es im Internet viele Übersichten von Namen, die in bestimmten Zeiten „in“ waren, aber auch Namen aus anderen Ländern und Kulturen.

Auf den Namen „Katharina“ für die Hauptfigur aus den 30er Jahren ist meine Wahl übrigens gefallen, weil ich aus meiner Kindheit noch im Ohr habe, wie meine Eltern sich auf Plattdeutsch über eine alte Frau namens „Kothrin“ unterhielten. „Kothrin“ ist die plattdeutsche Form von Katharina und meine Erinnerung an diese Frau, die ich gar nicht kannte, passte zu meiner Hauptfigur.

Für die Hauptfigur der heutigen Zeit habe ich einen Namen gesucht, der sich aus Katharina bilden lässt. Zur Auswahl standen: Katrin, Rina, Ina, Karina, Tina.

Hier gibt es übrigens die beliebtesten Vornamen von 1890 (!) bis 201.