6.5.1933 Errichtung eines Schandpfahls

Zum ursprünglichen Konzept der „Aktion wider den undeutschen Geist“ gehörte auch die Aufstellung eines Schandpfahls, eines Holzpfahls, an den Werke besonders unliebsamer Autoren geheftet werden sollten, unter anderem die Zeischrift „Die Weltbühne“, aber auch Werke von Stefan Zweig.

Obwohl die Deutsche Studentenschaft die Aktion bereits am 4. Mai aufgrund zahlreicher Proteste aus den örtlichen Gruppierungen stoppte, wurde in fünf Städten der Schandpfahl aufgestellt, unter anderem auf dem Domplatz in Münster am 6. Mai. Der Pfahl blieb stehen bis zum 10. Mai und seine Errichtung fand unter den Nationalsozialisten und den Medien Beifall wie dieser Zeitungsbericht zeigt.

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26.4.1933 Beginn der Büchersammlung

buechersammlungAls ich damit begann, mich mit der Bücherverbrennung zu beschäftigen, habe ich mich gefragt, woher eigentlich die Bücher kamen. Inzwischen weiß ich natürlich, dass es verschiedene Quellen gab. Vom 26. April bis zum 10. Mai 1933 sammelten Mitglieder der Kampfausschüsse vor Ort in den Bibliotheken und Buchhandlungen die Bücher, die auf der schwarzen Liste standen, die am 26. April versand wurde wurde. Darüber hinaus gab es Sammelstellen, dort konnten Bürger ihre Bücher abgeben.

In Münster, dessen Bücherverbrennung in meinem Roman exemplarisch nachgezeichnet wird, waren neben dem Büro des Kampfausschusses der Rosenhof und die Gaststätte Zander solche Anlaufstellen.

In Münster haben sich auch die Buchhandlungen aktiv an der Aktion beteiligt, in einem Brief an den Kampfausschuss Wider den undeutschen Geist teilten sie am 6. Mai 1933 mit: „Die im Ortsverein der münsterschen Buchhändler zusammengeschlossenen unterzeichneten Mitglieder des Börsenvereins begrüßen lebhaft den von der Studentenschaft der Universität Münster bekundeten Willen, undeutschen Geist in deutschem Schrifttum schärfstens zu bekämpfen.“

Einige Buchhändler haben nachträglich in einem Brief oder in der Zeitung darauf hingewiesen, dass sie sich selbstverständlich auch der Aktion anschließen würden.

12.4.1933 „Thesen wider den undeutschen Geist“

thesen3Heute vor 80 Jahren begann die vierwöchige „Aktion wider den undeutschen Geist“, an dessen Ende die Bücherverbrennung stand. Im ersten Schritt wurden in den Universitäten 12 Thesen ausgehängt, in denen Studenten und Professoren aufgefordert wurden, sich für die Reinigung der deutschen Kultur zu engagieren. Dabei wurde, wie in den untenstehenden Thesen deutlich wird, vor allem die jüdische Kultur in den Blick genommen.

„1. Sprache und Schrifttum wurzeln im Volke. Das deutsche Volk trägt die Verantwortung dafür, daß seine Sprache und sein Schrifttum reiner und unverfälschter Ausdruck seines Volkstums sind.

2. Es klafft heute ein Widerspruch zwischen Schrifttum und deutschem Volkstum. Dieser Zustand ist eine Schmach.

3. Reinheit von Sprache und Schrifttum liegt an Dir! Dein Volk hat Dir die Sprache zur treuen Bewahrung übergeben.

4. Unser gefährlichster Widersacher ist der Jude und der, der ihm hörig ist.

5. Der Jude kann nur jüdisch denken. Schreibt er deutsch, dann lügt er. Der Deutsche, der deutsch schreibt, aber undeutsch denkt, ist ein Verräter. Der Student, der undeutsch spricht und schreibt, ist außerdem gedankenlos und wird seiner Aufgabe untreu.

6. Wir wollen die Lüge ausmerzen, wir wollen den Verrat brandmarken, wir wollen für den Studenten nicht Stätten der Gedankenlosigkeit, sondern der Zucht und der politischen Erziehung.

7. Wir wollen den Juden als Fremdling achten und wir wollen das Volkstum ernst nehmen. Wir fordern deshalb von der Zensur: Jüdische Werke erscheinen in hebräischer Sprache. Erscheinen sie in deutsch, sind sie als Übersetzung zu kennzeichnen. Schärfstes Einschreiten gegen den Mißbrauch der deutschen Schrift. Deutsche Schrift steht nur Deutschen zur Verfügung. Der undeutsche Geist wird aus öffentlichen Büchereien ausgemerzt.

8. Wir fordern vom deutschen Studenten Wille und Fähigkeit zur selbständigen Erkenntnis und Entscheidung.

9. Wir fordern vom deutschen Studenten den Willen und die Fähigkeit zur Reinerhaltung der deutschen Sprache.

10. Wir fordern vom deutschen Studenten den Willen und die Fähigkeit zur Überwindung jüdischen Intellektualismus und der damit verbundenen liberalen Verfallserscheinungen im deutschen Geistesleben.

11. Wir fordern die Auslese von Studenten und Professoren nach der Sicherheit des Denkens im deutschen Geiste.

12. Wir fordern die deutsche Hochschule als Hort des deutschen Volkstums und als Kampfstätte aus der Kraft des deutschen Geistes.“ 

(zit. nach Gerhard Sauder „Die Bücherverbrennung“. Hanser Verlag 1983)

6.4.1933 Erstes Rundschreiben

Heute vor 80 Jahren erfolgte der Startschuss für die „Aktion wider den undeutschen Geist“, deren Endpunkt die Bücherverbrennung am 10. Mai bildet, mit einer Information an die Studentenschaften.

Quelle: Sauder, Gerhard „Die Bücherverbrennung“ Hanser 1983

In einem ersten Rundschreiben teilte das neue „Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft“ mit, dass es sich gebildet hatte und wie ihr erstes Projekt aussehen würde:

„Die erste Maßnahme des Propagandaamtes, die die gesamte Studentenschaft und die gesamte deutsche Öffentlichkeit erfassen soll, findet als vierwöchige Gesamtaktion, beginnend am 12. April, endigend am 10. Mai 1933, statt. Näheres über den Inhalt wird noch bekanntgegeben.“

1.4.1933 Boykott jüdischer Geschäfte

Quelle des Fotos: http://www.dhm.de

Heute vor 80 Jahren, am 1. April 1933, begann der Boykott jüdischer Geschäfte, das lasse ich Karina in meinem Roman „Brandbücher“ recherchieren.

Um 10.00 Uhr begann der Boykott, der mit den Parolen „Deutsche! Wehrt Euch! Kauft nicht bei Juden“ angestachelt wurde.

Initiator der Aktion war Gauleiter Julius Streicher. Betroffen waren jüdische Ärzte, Rechtsanwälte und Geschäfte, also auch eine Buchhandlung, wie sie einer der Protagonisten in meinem Roman bzw. sein Vater besitzt.

Weitere Informationen über den Geschäftsboykott

Reichstagswahl am 5.3.1933

Am 5. März fand die Reichstagswahl statt, nachdem am 1. Februar, einen Tag nachdem Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. Die musste natürlich in meinem Roman vorkommen, das war ja keine Frage. Ich wollte Katharina ein Wahlplakat beschreiben lassen und musste wieder einmal auf Suche gehen. Im Internet wurde ich fündig:

Wahlplakate Reichstagswahl 1933

Aus der Reichstagswahl, die letzte an der neben der NSDAP auch andere Parteien gewählt werden konnten, als stärkste Kraft hervor mit bundesweit 43,9 %. Die Wahlergebnisse waren sehr unterschiedlich in Deutschland, im meinem Heimatkreis Borken zum Beispiel erhielten die Nationalsozialisten bei dieser Wahl nur 6.478 von 27.694 Stimmen, nur rund ein Viertel der Stimmen. In anderen Regionen war die Zustimmung zu Hitler und seiner Ideologie dafür umso größer. Auch die Wahlbeteiligung lag im Kreis Borken mit 89,4 % noch über der in ganz Deutschland (88,74 %).

Bereits am 8. März zeigten sich erste Ergebnisse der Wahl. Obwohl mit 12,3 % drittstärkste Kraft wurden die Mandate der Kommunistischen Partei Deutschlands auf der Basis der „Reichstagsbrandverordnung“ annulliert.

Der Bruder meiner Protagonistin war Kommunist, er ist schon kurz nach der Reichstagswahl, vor der Bücherverbrennung, in die Niederlande geflohen, weil klar war, dass Kommunisten verfolgt wurden.

Verordnung zur Reichstagswahl

Reichstagsbrand am 27. 2. 1933

„Der Reichstag brennt!“, lautet der erste Satz von Kapitel 10. In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 wurde der Reichstag in Brand gesetzt. Klar ist, dass es Brandstiftung war, unklar ist, aus welcher Ecke der oder die Brandstifter kamen. Es wurde ein niederländischer Anarchist festgenommen, der sagte, er wäre ein Einzeltäter. Die Nationalsozialisten nutzten den Umstand, um die Freiheiten der Bürger weiter einzuschränken und die Kommunisten zu verfolgen. Mit der Reichstagsbrandverordnung wurde die Grundlage geschaffen, politisch ungeliebte Menschen und Gruppen zu verhaften und in Lager zu stecken. In Münster wurden 16 Mitglieder der KPD, darunter auch die beiden Stadtverordneten, verhaftet.

Weitere Informationen

Erste Einschränkung der Grundrechte

Mit seiner „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes“ sorgte Hindenburg am 4. Februar 1933 dafür, dass Hitler und seine Gefolgsleute mehr und mehr an Macht und Einfluss gewinnen. Wesentliche Grundrechte der Weimarer Verfassung werden eingeschränkt, das gilt besonders für die Versammlungs- und die Pressefreiheit. Das hieß konkret, Versammlungen konnten zum Beispiel aufgelöst werden, „wenn in ihnen Organe, Einrichtungen, Behörden oder leitende Beamte des Staates beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht“ (§ 2 (2)) wurden

Für Printmedien galt unter anderem

„Druckschriften, deren Inhalt geeignet ist, die öffentliche Sicherheit oder Ordnung zu gefährden, können polizeilich beschlagnahmt und eingezogen werden“ (§ 7 (1))

Zuständig war in beiden Fällen das Innenministerium, das in den Händen des NSDAP-Vertreters Wilhelm Frick lag. Er war also ab dem 4. 2. zuständig dafür, ob eine Versammlung und eine Veröffentlichung erlaubt war oder nicht.

In meinem Roman bekommt das Gerhard, der Freund meiner Protagonistin zu spüren. Er wollte eine Gewerkschaftsveranstaltung besuchen, die aufgelöst wurde.

Der vollständige Text der Verordnung

Auflösung des Reichstags am 1. 2.1933

Heute vor 80 Jahren, am 1. Februar 1933, löste Reichspräsident Paul von Hindenburg den Reichstag mit einer Verordnung den Reichstag auf:

„Nachdem sich die Bildung einer arbeitsfähigen Mehrheit als nicht möglich herausgestellt hat, löse ich auf Grund des Artikels 25 der Reichsverfassung den Reichstag auf, damit das deutsche Volk durch Wahl eines neuen Reichstags zu der neugebildeten Regierung des nationalen Zusammenschlusses Stellung nimmt.“ (Verordnung des Reichspräsidenten zur Auflösung des Reichstags vom 1. 2. 1933)

Damit schaffte der Reichspräsident nicht nur die Grundlage für die Reichstagswahl am 5. März, aus der Hitler als Wahlsieger hervorging, sondern eine Basis für Hitler, seinen Ideologie schneller und offensiver zu verbreiten. Am Abend des 1. Februar wandte er sich mit einer ersten Rede an die Deutschen, schon am 4. Februar wurden Presse- und Versammlungsfreiheit durch eine weitere Verordnung eingeschränkt.

Die Reaktion meiner Protagonistin der 30er Jahre: “ Am liebsten hätte ich den ganzen Tag Eischnee geschlagen, um meine Wut und meine Angst zu zerschlagen.“

Video über den 1. 2. 1933 auf History-Vision