Karl Marx

Da den Nationalsozialisten der Kommunismus von Grund auf zuwider war, ist es kein Wunder, dass sich die Werke von Karl Marx auf der Schwarzen Liste fanden und er gleich im ersten Feuerspruch explizit erwähnt wurde:

„1. Rufer: Gegen Klassenkampf und Materialismus, für Volksgemeinschaft und idealistische Lebenshaltung! Ich übergebe der Flamme die Schriften von Marx und Kautsky.“

Dabei starb er bereits 50 Jahre vor der Bücherverbrennung. Geboren wurde Karl Marx jedoch in Deutschland, am 5. Mai 1818 in Trier, als Sohn einer jüdischen Anwaltsfamilie. Er studierte zunächst Jura, schloss sein Studium aber schließlich als Dr. phil. in Philosophie und Geschichte ab. Schon während des Studiums begann er, sich für Politik zu interessieren, mit 25 wandte er sich dann dem Kommunismus zu, der von da an sein Lebensthema wurde.

Obwohl Marx 100 Jahre vor den Nationalsozialisten lebte, ereilten ihn ähnliche Verfolgungen wie seinen Anhängern im 20sten Jahrhundert. Er wurde von der preußischen Regierung aus Frankreich verwiesen, floh nach Brüssel, gab von dort aus seine deutsche Staatsbürgerschaft aus und suchte in Europa ein neues Zuhause. Er beteiligte sich aktiv an den Revolutionen Mitte des 19. Jahrhunderts und fand schließlich für einige Jahre in London eine Exilheimat. Hier starb er am 14. März 1883.

Werke u. a.

  • 1845 Die heilige Familie
  • 1845 Deutsche Ideologie (gedruckt erst 1926)
  • 1848 Manifest der Kommunistischen Partei
  • 1849 Lohnarbeit und Kapital
  • 1859 Zur Kritik der politischen Ökonomie
  • 1867 Das Kapital (Bände 2 und 3, herausgegeben von Friedrich Engels, 1885-94)
  • 1871 Der Bürgerkrieg in Frankreich
  • 1875 Kritik des Gothaer Programms (der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands) (gedruckt 1890/91)

Biografie
Werke von Karl Marx in der Gutenberg-Biobliothek

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Rudolf Hilferding

Rudolf Hilferding (Pseudonym: Karl Emil undDr. Richard Kern) hat sich weniger als Romanautor vor 1933 einen Namen gemacht, sondern als Experte für Nationalökonomie und SPD-Politiker mehr durch seine Interpretation und Auslegung gesellschaftskritischer Schriften.
Am 10. August 1877 in Wien als Sohn eines jüdischen Kaufmanns geboren, studierte er zunächst Medizin und arbeitete einige Jahre als Kinderarzt, eher er sich der Politik und Wirtschaft widmete. Sein Schwerpunkt waren die Schriften von Karl Marx, schon alleine das machte ihn den Nazis verdächtig. Bereits 1933 wurde Hilferding ausgebürgert, er lebte zunächst in der Schweiz und dann in Frankreich, wo er am 11. Februar 1941 von der Gestapo verhaftet wurde und noch am selben Tag verstarb.

Werke

  • 1915 Kriegskapitalismus
  • 1927 Organisierter Kapitalismus

Vita

Kurt Kläber (Kurt Held)

Wer kennt sie nicht, „Die rote Zora und ihre Bande“, ein Kinderbuchklassiker, der auch heute nichts an Aktualität verloren hat. Aber wer weiß schon, dass sich hinter dem Autor Kurt Held der von den Nazis verbotene Schriftsteller Kurt Kläber steckt.

Kurt Käber wurde am 4. November 1897 in Jena geboren. Nach einer Schlosserlehrer bei Zeiss schloss er sich der Wandervogelbewegung an, war als Soldat im ersten Weltkrieg und wurde nach dem Krieg Mitglied in der Kommunistischen Partei. Zum Schreiben kam er vor allem durch seine Ehefrau, die Schriftstellerin und Märchenerzählerin Lisa Tetzner. Mit ihr lebte er in verschiedenen Orten in Deutschland und arbeitete u. a. auch in Bochum als Bergmann. Er schrieb Artikel, Gedichte, Geschichten und neben der „roten Zora“ weitere Romane.

Als Kommunist wurde er nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 verhaftet, es gelang ihm durch Fürsprecher freizukommen und in die Schweiz zu fliehen. Dort entstand 1941 auch „Die rote Zora“. Sie erschien unter dem Pseudonym Kurt Held, weil er nur unter der Bedingung in der Schweiz leben durfte, dass er keine Werke veröffentlichte. Kläber starb am 9. Dezember 1959.

Werke u. a.

  • 1925 Revolutionäre: Erzählungen aus den Kämpfen des Proletariats 1918–1925
  • 1925 Barrikaden an der Ruhr. Erzählungen aus den Kämpfen des Ruhrproletariats
  • 1927 Passagiere der III. Klasse
  • 1941 Die Rote Zora und ihre Bande. Eine Erzählung aus Dalmatien für die Jugend

Leben & Werk
Kurt Kläbers Werk „Barrikaden an der Ruhr“

Sigmund Freud

Als Begründer der Psychoanalyse ist der am 6. Mai 1856 in Freiberg/Mähren geborene Sigmund Freud jedem bekannt. Und jeder kann vermutlich erahnen, dass den Nationalsozialisten seine Ideen über die Innenwelt des Menschen und die Rolle, die er der Sexualität zuschrieb, nicht gefielen und sie daher seine Werke verbrannten. In „seinem“ Feuerspruch hieß es denn auch:

„4. Rufer: Gegen seelenzerfasernde Überschätzung des Trieblebens, für den Adel der menschlichen Seele! Ich übergebe der Flamme die Schriften des Sigmund Freud.“

Schon als Kind übersiedelte Freud mit seinen jüdischen Eltern nach Wien, wo zukünftig sein Haupt-Lebens- und Wirkungsort sein wird. Er studiert hier Medizin, entwickelte die Grundlagen seiner Psychoanalyse und wurde 1920 zum Professor ernannt. Bei der Verbrennung seiner Bücher und der Emigration 1938 befand er sich auf dem Höhepunkt gesellschaftlicher Anerkennung. Noch 1930 hatte die Stadt Frankfurt ihm den Goethe-Preis verliehen. Es gelang ihm, nach London zu fliehen, wo er sich am 23. September 1939 das Leben nahm.

Werke u. a.

Vita
Die Psychoanalyse Sigmund Freuds
Sigmund Freud Museum

Jaroslav Hašek

Den Namen Jaroslaw Hasek, der schon 10 Jahre vor der Verbrennung seines Werkes verstorben war, kennt kaum jemand. Aber es gibt wenige, die noch nicht von seinem Hauptwerk „Der brave Soldas Schweijk“ gehört haben.
Am 30. April 1883 in Prag geboren, war er immer auf der Suche nach dem passenden Lebensentwurf für sich. Dabei griff er gelegentlich zu seltsamen Methoden, als er zum Beispiel für einen Artikel Tiere erfand.
Letztlich sicherte er sich seinen Lebensunterhalt, indem er seine Fantasie in rund 1500 unterhaltsame Kurzgeschichten schrieb. Dass sein einziger Roman weltberühmt wurde, hat er nicht mehr erlebt, er starb am 3. Januar 1923.

Werke u. a.

  • 1921 Der brave Soldat Schweijk
  • 1930 Die Reise um Europa in 365 Tagen (mit Egon Erwin Kisch)

Der brave Soldat Schweijk in Prag
Jaroslav Hasek und die “Partei des mäßigen Fortschritts in den Grenzen der Gesetze”

Albert Ehrenstein

Mag auch Zeit seines Lebens nicht genau klar gewesen sein, ob Albert Ehrenstein nun am 23. Dezember (laut Urkunde) oder am 22. Dezember (laut eigener Behauptung) geboren ist, eines stand für ihn früh fest, dass er Schriftsteller werden wollte. Aus einer jüdischen Familie stammend war es auch in seiner Kindheit – lange vor der Herrschaft der Nazis – nicht selbstverständlich, dass er das Gymnasium besuchte. Seine Mutter engagierte sich für ihn, auch wenn sie wenig glücklich über seinen Hang zur Literatur hatte.
Schon früh hatte er Kontakt zu den führenden Köpfen des Literaturbetriebs Anfang des 20sten Jahrhunderts, lernte Karl Kautsky kennen und Else Lasker-Schüler, Gottfried Benn und Franz Werfel.
Bereits 1918 unterstützte er die Revolution in Deutschland, was ihn – auch angesichts seiner jüdischen Herkunft – nicht gerade in ein besseres Licht bei den Nationalsozialisten rückte. So fanden sich seine Werke 1933 auf den Listen der Bücherverbrennung wieder. In den Jahren danach lavierte er sich so durch, ehe er über England, Frankreich und Spanien in die USA ausreisen konnte. Nach 1945 versuchte er in Deutschland und der Schweiz an seine Erfolge vor 1933 anzuknüpfen, erfolglos, er starb am 8. April 1950 im Armenhospiz in New York.

Werke u. a.

  • · 1916 Der Mensch schreit
  • · 1917 Die rote Zeit
  • · 1919 Den ermordeten Brüdern
  • · 1920 Karl Kraus
  • · 1921 Der ewige Olymp. Novellen und Gedichte
  • · 1926 Menschen und Affen

Leben & Werk bei Wikipedia

Gedichte von Albert Ehrenstein
Albert Ehrenstein & Elisabeth Bergner

Kasimir Edschmid

Kasimir Edschmidt, der am 5. Oktober 1890 in Darmstadt als Eduard Schmid geboren wurde, war ein widersprüchlicher Schriftsteller. Einerseits zählt er zu den ersten Expressionisten oder denen, die den Expressionisten den Weg bahnten, und andererseits schrieb er Werke, die durchaus rassistische Züge hatten. Er schwankt nicht nur zwischen den Lebensorten, sondern auch zwischen den literarischen Strömungen, an denen er sich orientiert. 1928 gelingt ihm allerdings mit Sport um Gagaly ein grundlegendes Werk, das auch als Prototyp des Sportromans angesehen wird. In seinen Reiseveröffentlichungen zeigt er allerdings diskriminierende Tendenzen, die nicht verhindern, dass seine Werke 1933 auf den Scheiterhaufen landen.
Edschmid ging in die „innere Emigration“ und lebte zeitweise in Italien und Oberbayern, er schrieb, was möglich war und ihm half, seinen Lebensunterhalt zu sichern.
Ab 1949 übernahm Edschmid bis zu seinem Tod am 31. August 1966 verschiedene Funktionen im im Literaturbetrieb.

Werke u. a.

  • · 1915 Das rasende Leben
  • · 1921 Das Puppenbuch
  • · 1922 Das Bücher-Dekameron. Eine Zehn-Nächte-Tour durch die europäische Gesellschaft und Literatur
  • · 1923 Die Engel mit dem Spleen
  • · 1927 Die neue Frau,
  • · 1928 Tiere, Mädchen und Antilopenjagd am Nil

Kasimir Edschmid (Wikipedia)

Stadtlexikon Darmstadt

Heinz Liepman

Heinz Liepman, der auch unter dem Pseudonym Jens C. Nielsen schrieb, war Jude und wuchs durch den frühen Tod seiner Eltern in Hamburg, Osnabrück und Bielefeld auf. Mit 16 riss er aus und arbeitete am Bodensee in einer Gärtnerei, ehe er in die USA reiste. Bereits mit 19 Jahren begann er bei der Frankfurter Zeitung und an den Städtischen Bühnen in Frankfurt zu arbeiten.
Liepmans erster Roman „Nächte eines alten Kindes“ erschien 1929, er würde wie auch die späteren Werke 1933 auf dem Scheiterhaufen der Nazis landen. Zu der Zeit begann Liepman sich politisch zu engagieren, was die Nazis ihn zusätzlich zu seiner jüdischen Herkunft gegen ihn aufbrachte. Vor allem, als er es im April 1933 wagte, gegen die Diskriminierung eines jüdischen Schriftstellers zu protestieren. Wenige Tage später wurden seine Werke verboten, verbrannt und er kam im Juni 1933 in das Konzentrationslager Wittmoor. Es gelang ihm von dort in die Niederlande zu fliehen. Zunächst konnte Liepman von Amsterdam aus frei agieren, dennoch siedelte er 1937 in die USA um, wo er mit Vorträgen und Zeitungsartikeln seinen Lebensunterhalt bestritt.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland gründete er mit seiner Frau Dr. Ruth Liepman-Lilienstein zusammen eine Literaturagentur und lebte und arbeitete in Hamburg, ehe er 1962 in die Schweiz zog. Dort war er Kulturkorrespondent, u. a. für Die Welt und den NDR, und betreute weiterhin seine literarische Agentur, die seinen Tod am 6. Juni 1966 bis heute überdauert hat.

Werke u. a.

  • 1929 Nächte eines alten Kindes
  • 1930 Die Hilflosen
  • 1930 Der Frieden brach aus

Leben & Werk

Armin T. Wegner

Vom Landwirt zum von den Nazis verbotenen Reiseschriftsteller, so könnte man das Leben Armin T. Wegners in Kürze zusammenfassen. Am 16. Oktober 1886 in Wuppertal geboren, war er zunächst Landwirt, ehe er Jura studierte.
Das Studium half ihm jedoch nicht, bei der Aufgabe, die vor ihm lag, dem Sanitätsdienst im ersten Weltkrieg. Als Sanitätsoffizier erlebte er nicht nur die Leiden seiner Kameraden, sondern auch den Völkermord an den Armeniern, beides hielt er in Wort und Bild fest und beides machte ihn zum überzeugten Pazifisten.
Nach dem ersten Weltkrieg arbeitete er als Reiseschriftsteller und gründete 1919 den Bund der Kriegsgegner mit.
1933 wagte Wegner es, Hitler in einem Brief wegen der Judenverfolgungen zu kritisieren, was ihm Folter und Haftstrafen in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern einbrachte. Nach seiner Entlassung emigrierte er über England und Palästina nach Italien, wo er fortan lebte und am 17. Mai 1978 starb.

Werke u. a.

  • 1919 Der Weg ohne Heimkehr. Ein Matyrium in Briefen
  • 1921 Der Knabe Hussein – türkische Novellen
  • 1924 Die Straße mit den tausend Zielen

Armin T. Wegner Gesellschaft
Besprechung seines Werks „Die Austreibung des armenischen Volks in die Wüste

Arnold Zweig

Arnold Zweig sammelte in verschiedenen Studiengängen und Lebensorten zunächst Erfahrungen, ehe er als 25-Jähriger mit den „Novellen um Claudia“ in die Literaturwelt eintrat und drei Jahre später für seine Tragödie „Ritualmord in Ungarn“ den Kleist-Preis erhielt.

Zweig, am 10. November 1887 in Glogau geborener Jude,ist übrigens NICHT, wie vielfach angenommen, mit Stefan Zweig verwandt.
Die für ihn prägendsten Erfahrungen sammelte Zweig vermutlich im ersten Weltkrieg, er kämpfte u. a. in Verdun und kam als überzeugter Pazifist zurück. Das Militär und der erste Weltkrieg sind auch Thema seines bekanntesten Romans, „Der Streit um den Sergeanten Grischa“, der 1927 erschien. Da lebte Zweig bereits einige Jahre als freier Schriftsteller – zunächst am Starnberger See, später dann in Berlin.
1933 wurden Zweigs Bücher verbrannt und er emigrierte zunächst in die Tschechoslowakei, von wo aus es ihn über Stationen in der Schweiz und Frankreich nach Palästina verschlug. 1948 kehrte er in den Ostteil Deutschlands zurück, wo er u. a. führende Positionen in Schriftstellerverbänden inne hatte. Er starb am 26. November 1968 in Ost-Berlin.

Werke u. a.

  • 1912 Novellen um Claudia
  • 1915 Ritualmord in Ungarn
  • 1916 Judenzählung vor Verdun
  • 1927 Der Streit um den Sergeanten Grischa

Biografie
Artikel im Spiegel über Arnold Zweig und Upton Sinclair