Robert Neumann

Robert Neumann ist am 22. Mai 1897 in Wien geboren und jüdischer Herkunft. Er gilt als einer der ersten literarischen Parodisten und erlebte seinen Durchbruch als Schriftsteller als 30-Jähriger mit dem Band „Mit fremden Federn“. In den folgenden sechs Jahren vor der Verbrennung seiner Bücher 1933 erschienen mehrere Werke und Literaturkritiken von ihm.

Ab 1934 lebte er wechselweise in der Schweiz und in England, wo auch seine Bücher erschienen, obwohl er 1940 für einige Monate als feindlicher Ausländer interniert war. Neumann gehört zu den wenigen „verbrannten Autoren“, die die ganze Zeit über in ihrem Gastland schreiben und veröffentlichen konnten. Er blieb bis 1958 in England, ehe er ins Tessin übersiedelt. Neumann starb am 3. Januar 1975 in München.

Werke u. a.

  • 1927 Mit fremden Federn, Parodien
  • 1929 Sintflut
  • 1930 Hochstapler-Novelle
  • 1930 Panoptikum: Bericht über fünf Ehen aus der Zeit
  • 1931 Karriere, 1931
  • 1932 Die Macht
  • 1932 Unter falscher Flagge – Ein Lesebuch der deutschen Sprache für Fortgeschrittene (Neue Parodien)

Leben & Werk bei Wikipedia

Egon Erwin Kisch

Aus meinem Bücherregel gefischt – eine Lizenzausgabe für den BertelsmannClub o. J.

Egon Erwin Kisch, der am 29. April 1885 als Egon Kisch in Prag geboren wurde, war einer der berühmtesten Reporter und Journalisten – nicht nur seiner Zeit.
Kisch begann bereits als Jugendlicher zu schreiben und legte sich dafür den Vornamen Erwin zu.

Ab 1913 lebte Kisch in Berlin und arbeitete für der Berliner Tagblatt, eine kurze Episode, weil er schon kurz darauf zum Militärdienst eingezogen wurde. Nach einer schweren Verwundung wurde er dem Presse- und Propagandaamt zugeteilt.
Noch während des Krieges begann er, sich stärker politisch zu engagieren. Er war maßgeblich an der Vorbereitung des Generalstreiks 1918 und der Gründung der Föderation Revolutionärer Sozialisten, „Internationale“ beteiligt und wurde 1919 Mitglied der Kommunistischen Partei.

Politische Fragen beschäftigten ihn auch in seiner nach dem ersten Weltkrieg wieder einsetzenden journalistischen Tätigkeit, der er bis 1933 in Berlin und von Berlin aus nachging.

Bereits am Tag nach dem Reichstagsbrand 1933 wurde Kisch verhaftet und in die Tschechoslowakei ausgewiesen. Seine Werke wurden am 10. Mai 1933 verbrannt und er suchte in verschiedenen Ländern der Welt Zuflucht. Seine Exilsuche endete in den USA und in Mexiko, wo er bis zum Ende des Dritten Reiches lebte. 1946 kehrte er nach Prag zurück, wo er am 31. März 1948 starb.

Werke u. a.

  • 1922 Als Soldat im Prager Korps
  • 1924 Der Fall des Generalstabschefs Redl
  • 1925 Der rasende Reporter
  • 1927 Zaren, Popen, Bolschewiken
  • 1927 Kriminalistisches Reisebuch
  • 1928 Sieben Jahre Justizskandal Max Hoelz
  • 1930 Die Reise um Europa in 365 Tagen. Arcadia Berlin 1930 (mit Jaroslav Hašek)
  • 1930 Egon Erwin Kisch beehrt sich darzubieten: Paradies Amerika. Erich Reiss, Berlin 1930
  • 1933 Über die Hintergründe des Reichstagsbrandes (Tarnschrift)

Vita
Über Egon Erwin Kischs Schreibstil

Ernst Toller

Ernst Toller, geboren am 1. Dezember 1893, war ein Dramatiker und Schriftsteller. Vor allem aber war er ein Revolutionär und Weltveränderer, dafür engagierte er sich in Schriften und Taten. Er entstammte einer jüdischen Kaufmannsfamilie, die in der Provinz Posen lebte, allerdings schon immer Handelsbeziehungen ins gesamte Deutsche Reich unterhielt und u. a. für die Kartoffelversorgung für die Stadt Bochum zuständig war.

Zu Beginn des ersten Weltkriegs gelangte Toller als Kriegsfreiwilliger nach Bayern, wo er schnell erkannte, dass er nicht für den Krieg geeignet war. Er blieb jedoch in der Region und wurde zu einem führenden Kopf der Räterepublik 1919. Nur knapp entging er einem Todesurteil und konnte stattdessen seine literarische Laufbahn beginnen, die durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten ein Ende nahm. Toller war schon vorher emigriert und seine Werke fanden sich auf den Scheiterhaufen. In der Emigration suchte er erfolglos für sich und seine Ideen eine neue Heimat, am 22. Dezember 1939 setzte er seinem Leben ein Ende.

Werke u. a.

  • 1919 Die Wandlung
  • 1929 Masse Mensch
  • 1922 Die Maschinenstürmer
  • 1923 Hinkemann
  • 1927 Hoppla, wir leben!
  • 1930 Feuer aus den Kesseln

Vita
Seine Werke in der Gutenberg-Bibliothek
Über sein Werk „Masse Mensch“
Ernst Toller „Hurra, wir leben“ (O-Ton)
Ernst Toller-Gesellschaft

Kurt Münzer (Georg Fink)

Kurt Münzer, der mit seinem Pseudonym Georg Fink auf der Schwarzen Liste stand, war ein jüdischer Schriftsteller, der in einem Werk vor allem einen Blick auf das jüdische Leben ermöglichte. Er wurde am 18. April 1879 in Gleiwitz geboren, zog aber schon als Kind mit seinen Eltern nach Berlin um, wo er zunächst auch studierte. Als er sein Studium in Zürich fortsetzte, bekam er Kontakte zur dortigen Literaturszene und begann, selbst zu schreiben.

Münzer zog es von Zürich zurück nach Deutschland, von wo aus er 1933 emigrieren musste. Er starb am 27. April 1944 in Zürich.

  • 1907 Das verlorene Lied
  • 1907 Der Weg nach Zion
  • 1914 Der Ladenprinz
  • 1922 Das kalte Herz
  • 1928 Jude ans Kreuz
  • 1929 Mich hungert (Georg Fink)

Leben & Werk bei Wikipedia
Artikel „Das unsterbliche Blut“
Kurt Münzer: Jude ans Kreuz
Kurt Münzer: Menschen am Schlesischen Bahnhof   
Kurt Münzer: Phantom
Kurz Münzer: Bruder Bär. Ausgewählte Novellen und Feuilletons

Rahel Sanzara

Rahel Sanzara ist das Pseudonym für Johanna Bleschke, eine Schriftstellerin, die mit ihrem Erstlingswerk „Das verlorene Kind“ großes Aufsehen erregte, jedoch nie an diesen Erfolg anknüpfen konnte.

Sanzara, die am 9. Februar 1894 hineingeboren wurde, blieb Zeit ihres Lebens eine Suchende. Nachdem ihre Eltern ihr zuerst eine Buchbinderlehre und dann eine Ausbildung als Krankenpflegerin aufzwangen, ließ sie sich mit 20 Jahren zur Tänzerin und später zur Schauspielerin ausbilden. Durch ihren Lebensgefährten, den Arzt und Schriftsteller Ernst Weiß, kam sie zum Schreiben. Mit 28 veröffentlichte sie den ersten Roman um den Sexualmord an einem Kind, allerdings verstummten die Zweifel, ob der Roman in Wirklichkeit von Ernst Weiß stammte, nie ganz.

Rahel Sanzara heiratete später einen jüdischen Bankier, der unter den Nazis nach Frankreich emigrierte, während sie in Berlin blieb, wo sie am 8. Februar 1936 starb.

Werke

  • 1926 Das verlorene Kind
  • 1933 Die glückliche Hand

Leben & Werk
Zur Neuauflage von „Das verlorene Kind“
Google-Ebook von „Das verlorene Kind“
Examensarbeit über Rahel Sanzara

Günther Birkenfeld

Einer der Autoren, über die sich im Internet nur wenig finden lässt, ist Günther Birkenfeld, geboren am 9. März 1901.  Seine Werke standen 1933 auf der Schwarzen Liste für die Bücherverbrennung. Von 1927 bis 1930 war er Generalsekretär des Schutzverbandes Deutscher Schriftsteller, also kein Schriftsteller, der nur im stillen Kämmerlein agierte. Es war vor allem sein Jugendroman „Dritter Hof links“, mit dem er den Ärger der Nazis erregte. Über sein Engagement vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten ist wenig bekannt, obwohl Birkenfeld sich nach Kriegsende wieder engagierte. (Tatsächlich ein Autor, über den es bei Wikipedia keinen Artikel gibt!)
Nach dem Krieg fungierte Birkenfeld von 1945 bis 1948 als Herausgeber der Jugendzeitschrift „Horizont“ und gründete 1948 zusammen mit Kollegen die „Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit“. Günther Birkenfeld starb am 22. August 1966 in Berlin.
Werke u. a.
1929 Dritter Hof links
1934 Augustus (1962 unter „Die Ohnmacht des Mächtigen“ erneut erschienen –  Link zur Spiegel-Rezension)
1936 Die schwarze Kunst

* im Internet wird er als Generalsekretär des Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller bezeichnet, der jedoch erst 1933 gegründet wurde bzw. aus dem Schutzverband, der 1909 ins Leben gerufen wurde, entstand

Link zum Beitrag über Günther Birkenfeld in „Verboten und verbrannt“, 1947 von Richard Drews und Alfred Kantorowicz im Ullstein/Kindler Verlag herausgegeben.

Jakob Wassermann

Mit 16 Jahren brach Jakob Wassermann, am 10. März 1873 in Fürth geboren, seine kaufmännische Ausbildung, um sich dem Schreiben zu widmen. Zu Recht und mit Erfolg, wie man heute noch sieht. Seine Romane wie „Caspar Hauser“ und „Der Fall Maurizius“ wurden, bis seine Werke 2005 gemeinfrei wurden, immer wieder veröffentlicht und sind heute kostenfrei als E-Book in der KindleEdition erhältlich.

Es sollte allerdings noch einige Zeit dauern, bis seine erste Veröffentlichung erschien, die jedoch den Startschuss für viele weitere Werke bildete und den Kontakt zu namhaften Literaten wie Thomas Mann ermöglichte.

Bis zum Verbot und zur Verbrennung seiner Bücher 1933 gehörte Wassermann zu den meistgelesenen Autoren seiner Zeit. Die Nazis trrafen ihn mit ihrer Entscheidung doppelt – sie entzogen ihm die finanzielle Sicherheit und sie zerstörten seine Hoffnung darauf, mit seinem Werk einen Beitrag zum Weltfrieden zu leisten. Kein Jahr nach Hitlers Machtübernahme starb Wassermann am 1. Januar 1934 völlig mittellos.

Werke u. a.

  • 1896 Melusine
  • 1897 Die Juden von Zirndorf
  • 1902 Der Moloch
  • 1908 Caspar Hauser oder Die Trägheit des Herzens
  • 1915 Das Gänsemännchen
  • 1928 Der Fall Maurizius
  • 1931 Etzel Andergast

Leben & Werk
Seine Werke in der Gutenberg-Bibliothek

Tondokument Wassermanns
Artikel über Jakob Wassermanns literarische Bedeutung in seiner Zeit

Bertolt Brecht

bv-foto4_Brecht_Denkmalk Die ersten Anzeichen dafür, dass Bertolt Brecht (geboren am 10. Februar 1898 in Augsburg) ein bedeutender Schriftsteller werden würde, konnte – wer wollte – bereits früh sehen. Schon als Junge schrieb er Gedichte und hatte schon mit 15 genug Ehrgeiz, mit einem Freund zusammen eine Schülerzeitung herauszugeben.
Aus heutiger Sicht eher überraschend ist, dass er sich mit 16 berufen fühlte, positive Berichte über den Krieg zu schreiben. Allerdings änderte er auch rasch seine Meinung zum Krieg und wandte sich eher Gedichten über Leben und Liebe zu.
Das Drama entdeckte er als Literaturform für sich erst, nachdem er während des Studiums in Kontakt zu anderen Schriftstellern kam. Mit „Trommeln in der Nacht“ erlebte er 1922 seine erste Uraufführung, der viele weitere folgen würden. Bis 1930 entwickelte sich seine Dramatiker-Laufbahn, die „Dreigroschenoper“ (1928) wurde ein Riesenerfolg, der dann allerdings von den ersten aktiven Nationalsozialisten gestört wurde. Immer häufiger gelang es Nazis, die Aufführungen zu sabotieren, die Verbrennung seiner Werke 1933 war letztlich eine logische Konsequenz aus dem Hass der Nazis auf den kritischen Autor.
Brecht emigriert zunächst nach Frankreich und dann in die USA. Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft kehrte er zurück nach Berlin, wo er einige Jahre später sein eigenes Ensemble bekam, das Berliner Ensemble, das bist heute mit seinem Namen verbunden ist. Brecht starb am 14. August 1956 in dem Haus in Berlin, das heute als Brecht-Haus viele Besucher an sich zieht.

Werke u. a.

  • 1927 Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny
  • 1928 Die Dreigroschenoper
  • 1929 Die heilige Johanna das Schlachthöfe
  • 1929 Der Jasager. Der Neinsager

Biografie
Bertolt-Brecht-Haus
Berliner Ensemble

August Bebel

Als führender Kopf der Sozialdemokratie war August Bebel, geboren am 22. Februar 1840 in Köln, den Nationalsozialisten natürlich ein Dorn im Auge. Obwohl bei Hitlers Machübernahme schon 20 Jahre tot, finden sich seine Werke auf der Liste der Bücher, die am 10. Mai 1933 verbrannt wurden.
Bebel stammt aus einfachen Verhältnissen, die es ihm, obwohl er begabt war, nicht erlaubten, ein Studium aufzunehmen. So machte er eine Lehre als Drechsler und bildete sich nebenher weiter. Nach Abschluss der Ausbildung ging Bebel auf Wanderschaft und nutzte jede Gelegenheit, seinen Horizont zu erweitern.
Mit Anfang 20 begann Bebel, sich stärker für Politik zu interessieren. Zwar gefielen ihm die Visionen Ferdinand Lassalles anfangs nicht, je mehr er sich jedoch mit den Rechten der Arbeiter befasste, umso stärker näherte er sich dessen Ideen an. 1869 war er schließlich einer der Drahtzieher bei der Gründung der SDAP, die noch zu seinen Lebzeiten 1890  in SPD umbenannte.
Bebel starb am 13. August 1913 in der Schweiz, wo er die letzten Lebensjahre verbracht hatte.

Werke u. a.

  • 1874 Christentum und Sozialismus
  • 1879 Wie unsere Weber leben
  • 1890 Zur Lage der Arbeiter in den Bäckereien

Biografie
Bebels Werke in der Bibliothek Gutenberg
August-Bebel-Gesellschaft

Jack London

Unter den Autoren, deren Bücher verbrannt wurden, waren auch nicht-deutsche Autoren wie der Amerikaner Jack London, dabei war er bereits lange vor Erstarken des Nationalsozialismus gestorben.

Vermutlich brachte seine sozialistische Einstellung die Nazis gegen sein Bücher wie “ auf, die schon zu seinen Lebzeiten Bestsellerstatus erreichten und bis heute bekannt sind.

Jack London wurde am 12. Januar 1876 als John Griffith Chaney geboren. Obwohl seine Mutter aus gutbürgerlichem Haus stammte, wuchs er wie auch viele seiner Protagonisten in ärmlichen Verhältnissen auf. Schon arbeitete er als Zeitungsjunge oder Arbeiter in einer Konservenfabrik, mit 13 musste er die Schule verlassen, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Dennoch fand er Zeit, Romane zu lesen und davon zu träumen, selbst solche Geschichten zu schreiben. Stoff dafür bot sein Leben genug, nach der wenig erfreulichen Kindheit, war er u. a. als Robbenjäger unterwegs und versuchte schließlich wie viele seiner Generation sein Glück als Goldsucher.

Nach seiner erfolglosen Heimkehr versuchte er sich als Schriftsteller. 100 Absagen dauerte es, bis sein erstes Werk veröffentlicht wurde, die Grundlage für sein Leben als Bestseller-Autor, der es sich sogar (Anfang des 20. Jahrhunderts!) leisten konnte, sich eine eigene Yacht bauen zu lassen. Jack London starb am 22. Novemer 1916.

Werke u. a.

  • 1902 An der weißen Grenze (A Daughter of the Snows)
  • 1902 Frisco Kid (The Cruise of the Dazzler)
  • 1903 Ruf der Wildnis (The Call of the Wild)
  • 1904 Der Seewolf (The Sea-Wolf)
  • 1906 Wolfsblut, Weißzahn, der Wolfshund (White Fang)
  • 1910 Lockruf des Goldes (Burning Daylight)
  • 1915 Die Zwangsjacke (The Star Rover, 1915, auch als The Jacket verlegt)

Leben im Überblick
Alles über Jack London
Die Werke in der Bibliothek Gutenberg