Ausstellung in Heiligenhaus

In Heiligenhaus findet vom 9. Juni bis zum 28. Juli im Museum Abtsküche eine Ausstellung zum Thema Bücherverbrennung statt. Unter dem Titel „Aus dem Feuer – Die Bücher der verbrannten Dichter“ hat Museumskustos Reinhard Schneider Informationstafeln und Buch-Exponate zusammengetragen und für die Präsentation aufbereitet.

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Kurzfilm über die Bücherverbrennung

Neuntklässler des Hölderlin-Gymnasiums in Heidelberg haben sich dem Thema „Bücherverbrennung 1933“ auf besondere Weise genähert. Sie haben einen Kurzfilm mit Originalbildern und Interviews zur Bücherverbrennung gedreht. Unter anderem fragen sie Heidelberger danach, ob sie Autoren kennen, deren Bücher verbrannt wurden, und wie sie selbst sich fühlen würden, wenn ihrer Bücher ein Opfer der Flammen würden. So ist ein interessanter Fünf-Minuten-Film entstanden, dem viele Betrachter bei Youtube zu wünschen sind.

Link zum Youtube-Film

Lesezeichen 2013

Seit dem 8. Mai setzt sich eine Austellung in Berlin mit der Bücherverbrennung 1933 auseinander. Juliane Pfeiffer, eine der Initiatorinnen erklärt, was das Besondere an dieser Aktion ist.

1. Wer hatte die Idee zu der Ausstellung?
Realisiert wurde die Ausstellung von der HumboldtInitiative gemeinsam mit der Historischen Kommission der Verfassten Studierendenschaft in Berlin.
Die HumboldtInitiative (HU-I) beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit dem Gedenken an die Bücherverbrennung und der Frage nach dem Ablauf, aber auch den langfristigen Voraussetzungen und Wirkungen der Berliner Bücherverbrennung am 10. Mai 1933.
Die Historische Kommission wurde im Juli 2008 vom StudentInnenparlament der Humboldt-Universität zu Berlin als Historische Kommission der Verfassten Studierendenschaft in Berlin eingesetzt, erarbeitete zum Universitätsjubiläum 2010 die Ausstellung »stud.Berlin › 200 Jahre Studieren in Berlin« und wurde im Oktober 2012 mit der Konzeption und Realisierung dieser Ausstellung zur Bücherverbrennung beauftragt. Ihr gehören Student_innen, Promovierende und Absolvent_innen der HU, FU und TU an. Die Realisierung der Ausstellung wurde vom HISTOX –Institut für Geschichtsarbeit wissenschaftlich begleitet.

2. Was genau wird dort ausgestellt?
Insgesamt 20 Ausstellungstafeln informieren am Ort des Geschehens über Vorgeschichte, Durchführung und Einordnung der Bücherverbrennung. Die Ausstellung zeichnet die Exklusionsstufen widerständigen Denkens, die Selbstgleichschaltung von Studierenden und Universität, die innere Emigration, die Wege ins Exil und ins KZ an thematischen Schlaglichtern und biographischen Skizzen nach.
Sieben Menschen aus Wissenschaft und Kultur finden in der Ausstellung besondere Erwähnung, i.e. Cora Berliner, Babette Gross, Ernst Fraenkel, Erich Kästner, Liselotte Welskopf-Henrich, Stefan Heym und Albert O. Hirschman. Ihre Lebenswege sind sehr verschieden, nur einer von ihnen gehört zu den verbrannten Autor_innen. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie ihre Karrieren und ihre Arbeit in Folge des nationalsozialistischen Machtantritts in Deutschland abbrechen oder Nischen für ihr Wirken finden müssen. Der 10. Mai 1933 ist damit zugleich ein Symbol für ihre gesellschaftliche und kulturelle Verdrängung.
Ein weiterer Fokus ist der »Memorizid« – der breit angelegte Eifer der Nationalsozialisten und ihres Anhangs zur systematischen Tilgung des Andenkens, der Versuch einer Beseitigung des Gedächtnisses der zu Unpersonen erklärten Menschen und ihrer Ideen. Er findet in der Bücherverbrennung des 10. Mai 1933 ein weltweit sichtbares Fanal, aber noch längst keinen Abschluss. In den Schwierigkeiten um Erinnerung und Wiedergutmachung nach 1945 wirkt er weiter fort.
Neben den Ausstellungstafeln vermittelt eine Litfasssäule die unmittelbare Rezeption der Bücherverbrennung 1933 anhand von ausgewählten Zeitungsartikeln und Karikaturen nationaler wie internationaler Blätter.
Des Weiteren soll eine Rauminstallation in Form einer begehbaren Bücherbox zum Lesen als aktive Form der Erinnerungskultur anregen. Diese Regalskulptur ist Teil der Aktion »ein Ort zum Lesen« (www.einOrtzumLesen.de) in Zusammenarbeit mit Bookcrossing (www.bookcrossing.com), die wir als Kooperationspartner in die Ausstellung integrieren konnten.

3. Wie lange dauerten die Vorbereitungen?
Der Ausstellung zur Bücherverbrennung, die seit dem 8. Mai bis zum 7. Juni 2013 zu sehen sein wird, ging bereits 2010 bis 2011 eine große Ausstellung unter dem Titel „stud.Berlin > 200 Jahre Studieren in Berlin“ voraus, die von der Historischen Kommission der Verfassten Studierendenschaft in Berlin (HisKomStuPaHU) anlässlich des Universitätsjubiläum erarbeitet wurde. Auch hier waren Themen zur Weimarer Republik und dem Nationalsozialismus prominent vertreten. Sie wurden u.a. in Projekttutorien und autonomen Seminaren von und mit Studierenden erarbeitet. Außerdem gab es Rechercheaufträge, die individuell wahrgenommen werden konnten. Zum Themenkomplex Bücherverbrennung arbeitet zudem die aus Studierenden und Absolvent_innen bestehende Humboldt-Initiative (HU-I) bereits seit über zehn Jahren und führte hierzu bereits in den Vorjahren Ausstellungen, Veranstaltungen und künstlerische Soirées durch. Die konkreten Planungen zur diesjährigen Ausstellung bauen auf diesen Vorarbeiten auf und begannen im Oktober 2012 als gemeinsames Projekt der Historischen Kommission und der HU-I.

4. Warum finden Sie es wichtig, an die Bücherverbrennung zu erinnern?
Mit der Ausstellung wollen wir darstellen, dass die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 Teil eines übergreifenden Prozesses war, an dem besonders die Studierendenschaft traurigen Anteil hatte, nicht selten unter dem Applaus der Universitätsöffentlichkeit. Wir wollen erreichen, dass die Universität eine Art Hippokratischen Eid als Teil universitärer Ethik etabliert, der verhindert, dass es jemals wieder zu systematischen Ausgrenzungen von Ideen und zur Vernichtung von Lebenswerken kommt. Wir wollen das historische Gedächtnis für die vom „Memorizid“, das heißt der Auslöschung des Andenkens an die von der Bücherverbrennung Betroffenen, restituieren. Daher richten wir uns nicht nur an die Studierenden, sondern an alle Mitglieder und Besucher_innen der Universität, um Sensibilität für die Wirkung von Intoleranz und Ausgrenzung zu erreichen. Daher haben über unsere Ausstellung zur Bücherverbrennung im Foyer der Juristischen Fakultät hinaus auch eine Ausstellung des Berliner Flüchtlingsrats zur Lebenssituation von Flüchtlingen in deutschen Abschiebeknästen heutiger Tage an die Uni geholt. Flucht und Vertreibung sind ja schließlich nicht nur Themen aus dem Geschichtsbuch, sondern für viel Menschen Lebensrealität. Diese Ausstellung unter dem Titel „Auf gepackten Koffern – Leben in Abschiebehaft“ wird zeitgleich im Foyer des Seminargebäudes am Hegelplatz gezeigt.

Aktionstag 10. Mai

Seit einigen Monaten verfolge ich das eifrige Treiben der AnStifter in Stuttgart, die zum 80sten Jahrestag der Bücherverbrennung ein riesiges Programm planen. Nun liegt das Programmheft vor und ich beneide alle Menschen in der Region Stuttgart um dieses Angebot.

Von Fritz Mielert, einem der Initiatoren des Aktionstages, wollte ich wissen, wie es zu diesem Projekt kam. Vielen Dank, Herr Mielert, dass Sie sich in der hektischen Vorbereitung noch Zeit für das Interview genommen haben.

1. Wer hatte die Idee zu diesem Aktionstag 10. Mai?
Die Idee zum Aktionstag 10. Mai entstand 2012 aus einer Veranstaltungsreihe des Antiquariats Buch & Plakat in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Stuttgart zum spanischen Bürgerkrieg. Um dem Thema den nötigen Schub zu verpassen, wurden Die AnStifter mit an Bord geholt. Dass das Projekt aber ein Ausmaß von weit über 100 Veranstaltungen allein in der Region Stuttgart annehmen würde, hatte niemand der Initiatoren erwartet.

2. Welche Projekte ranken sich um diesen Aktionstag?
Die Projekte reichen von einer Ringvorlesung der Universität Stuttgart über eine Ausstellung im Rathaus Stuttgart (10. bis 31. Mai) und Lesungen für Schulen bis hin zu einem Schwerpunkt des Philosophischen Cafés.

3. Warum finden Sie es wichtig, an den 10. Mai zu erinnern?
Für die AnStifter haben die Bücherverbrennung und das Erinnern daran eine große Bedeutung, da dies eine – wenn auch nur eine weitere – Zäsur darstellt. Gleichzeitig führt das Gedenken uns die Probleme der Gegenwart vor Augen: Der Terror des nationalsozialistischen Untergrunds und die Rolle des Verfassungsschutzes, die Verfassung der Demokratie, an fehlende Debatten, den Verlust der Kritik und träumen den Traum von besseren Zeiten. Die systematische Entrechtung und Vernichtung alles „Fremden“ begann im Mai vor 80 Jahren.
Nicht nur am Tag des freien Buches ist Solidarität gefordert für alle, die wegen ihrer Meinung, ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft verfolgt werden – täglich und überall auf der Welt – und der kritische Diskurs mit Folgen jenseits philosophischen, linguistischen oder literaturwissenschaftlichen Betrachtungen. Aus der Theorie Praxis werden lassen – vom Wort zur Tat.

4. Wann haben Sie begonnen, sich mit dem Thema „Bücherverbrennung 1933“ zu befassen?
Für die AnStifter sind die Bücherverbrennungen seit ihrer Gründung ein Thema, das immer wieder zur Sprache kommt – allerdings waren sie noch nicht Gegenstand einer größeren Aktion. In den vergangenen Jahren beteiligten sich die AnStifter am Aufbau von Stadtteilgruppen zur Verlegung von Stolpersteinen und erinnerten mit verschiedenen weiteren Aktionen regelmäßig an die Verbrechen der Nationalsozialisten.

www.10ter-mai.de

www.die-anstifter.de

Aktion „Bücher aus dem Feuer“

Auch für den Gedenktag an die Bücherverbrennung 2013 findet sich auf der Seite www.buecherlesung.de wieder eine Übersicht von Gedenkveranstaltungen in Deutschland. Wer selbst Internetseiten pflegt, weiß, welcher Aufwand dahintersteckt und ich wollte wissen, wer sich solche Mühe macht. Ich habe Ursula Buchner kontaktiert, die die Termine entgegennimmt und einpflegt, und sie hat mich an Gerhard Schmitt-Thiel, der die Aktion 2005 mit initiiert hat, verwiesen. Vielen Dank, Herr Schmitt-Thiel für das Interview.

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Wie kam es zu der Internetseite www.buecherlesung.de?
Die Aktion “Bücher aus dem Feuer” gibt es seit 2005. Ideeller Träger war der Berufsverband Deutscher Schauspieler e. V. (IDS) vertreten durch Wolfgang Klein mit Unterstützung durch das Paul-Klinger-Künstlersozialwerk e. V. vertreten durch Gerhard Schmitt-Thiel und der Aktion Patenschaften für verbrannte Bücher.

Wer steckt genau hinter der Seite?
Im Jahr 2006 stieg dann der IDS aus und die Homepage wurde auf Ursula Buchner übertragen (also genaugenommen steckt sie hinter der Seite).
Als “Verantwortliche” waren Helene Freund (eine vor vier Jahren verstorbene Schauspielerin), Ursula Buchner und ich benannt. Nach Helenes Tod blieben nur noch Ursula Buchner und ich übrig, also lt. Impressum sind Ursula Buchner und ich die zwei “Verantwortlichen”.

Warum finden Sie es wichtig, dass immer wieder an die Bücherverbrennung 1933 erinnert wird?
Ich finde es wichtig auf diese Schandtat immer wieder hinzuweisen, damit sich so etwas nicht wiederholen kann und die nicht verstummen wollende Ideologie der Nazis in unseren Tagen gibt ja hinreichend Zeugnis für die Notwendigkeit dieser Mahnung!

Wann haben Sie begonnen, sich dafür zu engagieren, dass der Tag nicht in Vergessenheit gerät?
Ich bin immer schon aktiv gegen das Vergessen und Verdrängen unserer Vergangenheit eingetreten und habe dann, durch den IDS angestoßen, Lesungen organisiert und an Lesungen – z. B. auf dem Königsplatz in München, wo die Verbrennung seinerzeit stattfand und der Aktionskünstler Wolfram Kastner seit 2003 Lesungen veranstaltet – gelesen.
Da ich der Meinung bin, dass es gar nicht genug Hinweise und Erinnerungen an die Bücherverbrennung geben kann, habe ich dann in Absprache mit dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude eine weitere Lesung ‚mitten in der Stadt‘ organisiert, an der neben prominenten Zeitgenossen auch Schüler und Studenten teilnehmen.
Wunderbar fänd ich es, wenn an jedem 10.Mai überall in Deutschland in Theatern, Buchhandlungen etc gelesen würde und so die mahnende Erinnerung wach bleiben würde, denn so etwas darf sich niemals wiederholen!!

www.buecherlesung.de
www.gerhard.schmitt-thiel.de

Gedenken an die Bücherverbrennung in Bochum

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Die Stadtbücherei in Bochum erinnert mit einer Veranstaltungsreihe an die Bücherverbrennung 1933.

Den Auftakt macht eine Veranstaltung am 10. April in der Zentralbücherei, Bundestagspräsident Norbert Lammert liest Texte zur Bücherverbrennung.
Die Freunde der Querenburger Bücherei stellen am 25. April vergessene Literatur vor.

Einen Blick auf die weibliche Seite der Literatur im Dritten Reich und die verfemten Autorinnen ermöglicht „Lauschsalon“ aus Münster am 10. Mai ebenfalls in der Zentralbücherei.

Den Hintergründen der Bücherverbrennung 1933 widmen sich ein von der Volkshochschule initiierter Vortrag von Wolfgang Hoffmann am 14. Mai und eine Matinee mit Dr. Ingrid Wölk am 9. Juni.

Wer mehr über die Geschichte der Bücherverbrennungen erfahren möchte, sollte sich den 10. Juni vormerken, an dem Abend referiert Hajo Jahn, der Vorsitzende der Else Lasker-Schüler-Gesellschaft und der Stiftung „Verbrannte und verbannte Dichter – Für ein Zentrum derverfolgten Künste“ über die Bücherverbrennungen von der Antike bis heute.

Die Stadtbücherei Bochum hat mir freundlicherweise das Programm zur Verfügung gestellt, um es zu verlinken. Sie finden es hier.

Künstlerwettbewerb zum Thema Bücherverbrennung

Die Volkshochschule Stuttgart und Die AnStifter, eine Stuttgarter Initiative für Eigensinn und Zivilcourage, rufen Künstler auf, sich an einem Ideen- und Realisierungswettbewerb zu beteiligen. Ziel ist ein Werk, dass an die Bücherverbrennung 1933 und das Leid, das damit einherging, erinnert. Das Kunstwerk soll ab dem 8. Mai 2013 etwa vier Wochen lang im Foyer der VHS Stuttgart gezeigt werden.

Weitere Informationen zu dem Projekt