Aktionstag 10. Mai

Seit einigen Monaten verfolge ich das eifrige Treiben der AnStifter in Stuttgart, die zum 80sten Jahrestag der Bücherverbrennung ein riesiges Programm planen. Nun liegt das Programmheft vor und ich beneide alle Menschen in der Region Stuttgart um dieses Angebot.

Von Fritz Mielert, einem der Initiatoren des Aktionstages, wollte ich wissen, wie es zu diesem Projekt kam. Vielen Dank, Herr Mielert, dass Sie sich in der hektischen Vorbereitung noch Zeit für das Interview genommen haben.

1. Wer hatte die Idee zu diesem Aktionstag 10. Mai?
Die Idee zum Aktionstag 10. Mai entstand 2012 aus einer Veranstaltungsreihe des Antiquariats Buch & Plakat in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Stuttgart zum spanischen Bürgerkrieg. Um dem Thema den nötigen Schub zu verpassen, wurden Die AnStifter mit an Bord geholt. Dass das Projekt aber ein Ausmaß von weit über 100 Veranstaltungen allein in der Region Stuttgart annehmen würde, hatte niemand der Initiatoren erwartet.

2. Welche Projekte ranken sich um diesen Aktionstag?
Die Projekte reichen von einer Ringvorlesung der Universität Stuttgart über eine Ausstellung im Rathaus Stuttgart (10. bis 31. Mai) und Lesungen für Schulen bis hin zu einem Schwerpunkt des Philosophischen Cafés.

3. Warum finden Sie es wichtig, an den 10. Mai zu erinnern?
Für die AnStifter haben die Bücherverbrennung und das Erinnern daran eine große Bedeutung, da dies eine – wenn auch nur eine weitere – Zäsur darstellt. Gleichzeitig führt das Gedenken uns die Probleme der Gegenwart vor Augen: Der Terror des nationalsozialistischen Untergrunds und die Rolle des Verfassungsschutzes, die Verfassung der Demokratie, an fehlende Debatten, den Verlust der Kritik und träumen den Traum von besseren Zeiten. Die systematische Entrechtung und Vernichtung alles „Fremden“ begann im Mai vor 80 Jahren.
Nicht nur am Tag des freien Buches ist Solidarität gefordert für alle, die wegen ihrer Meinung, ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft verfolgt werden – täglich und überall auf der Welt – und der kritische Diskurs mit Folgen jenseits philosophischen, linguistischen oder literaturwissenschaftlichen Betrachtungen. Aus der Theorie Praxis werden lassen – vom Wort zur Tat.

4. Wann haben Sie begonnen, sich mit dem Thema „Bücherverbrennung 1933“ zu befassen?
Für die AnStifter sind die Bücherverbrennungen seit ihrer Gründung ein Thema, das immer wieder zur Sprache kommt – allerdings waren sie noch nicht Gegenstand einer größeren Aktion. In den vergangenen Jahren beteiligten sich die AnStifter am Aufbau von Stadtteilgruppen zur Verlegung von Stolpersteinen und erinnerten mit verschiedenen weiteren Aktionen regelmäßig an die Verbrechen der Nationalsozialisten.

www.10ter-mai.de

www.die-anstifter.de

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